Codierung

Sym­bo­lisch ge­ne­ra­li­sierte Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dien sind bi­när co­diert; der Code be­stimmt die Form des Me­di­ums. Zahlen/Nichtzahlen ist der Code des Gel­des, wahr/nicht-wahr der Code der Wahr­heit. Der je­weils zen­trale Code gilt für den ge­sam­ten Me­di­en­be­reich. 1

Die Bi­na­ri­tät lässt ei­nen drit­ten Wert nicht zu, (ein Bröt­chen kann im Rah­men wirt­schaft­li­cher Kom­mu­ni­ka­tion nur ge­kauft oder nicht-gekauft wer­den, es gilt das „ter­tium non da­tur“-Prin­zip), un­ab­hän­gig von den Op­tio­nen „im Le­ben“. 2 Es wird also dras­tisch Kom­ple­xi­tät re­du­ziert, denn alle wei­te­ren Sinn­ver­wei­sun­gen blei­ben un­be­rück­sich­tigt: Eine po­ten­ti­ell un­end­li­che Zahl von Mög­lich­kei­ten wird auf zwei ver­rin­gert, oder: eine ana­loge in eine di­gi­tale Si­tua­tion ge­wan­delt. 3 Die Re­duk­tion der Kom­mu­ni­ka­tion auf die Form der Un­ter­schei­dung zwi­schen po­si­ti­vem und ne­ga­ti­ven Wert durch Co­die­rung er­mög­licht dem Sys­tem Informationsverarbeitung.

Diese Er­leich­te­rung der In­for­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tungs­pro­zesse wird auch als „Tech­ni­sie­rung“ be­zeich­net 4. Zwi­schen den bei­den Code­wer­ten liegt nur noch eine Grenze  die qua Ne­ga­tion ge­kreuzt wer­den kann; das Kreu­zen wird so­mit be­son­ders er­leich­tert: „Wenn ein Po­si­tiv­wert, zum Bei­spiel wahr, an­ge­nom­men wird, be­rei­tet es keine Schwie­rig­kei­ten, mit ei­ner wei­te­ren Ope­ra­tion zu be­stim­men, was folg­lich un­wahr wäre, näm­lich die ge­gen­tei­lige Aus­sage.“ 5 Hier liegt die ent­schei­dende Be­deu­tung der Se­man­tik: Je leich­ter das Kreu­zen, desto mehr ver­fes­tigt sich der Code selbst zu ei­ner in­va­ri­an­ten Struk­tur. 6

An die­sem Punkt er­öff­nen sich uns meh­rere An­schlüsse, die (wenn auch nur kurz) vor der Rück­bin­dung der Be­ob­ach­tung an das Er­zie­hungs­sys­tem auf­ge­nom­men wer­den müssen:

[Die Lo­gik Ge­orge Spencer-Browns.] [Pa­ra­do­xien der Selbst­pla­cie­rung.] [Pro­gramme.] und schließ­lich [Fol­gen für die Pädagogik.]

Ein post scrip­tum: Der Bi­när­code der Artikel-Grafik kann übri­gens mit die­sem klei­nen Tool de­co­diert werden.


An­mer­kun­gen

  1. Vgl. LUHMANN, Ni­klas: Die Ge­sell­schaft der Ge­sell­schaft, Frankfurt/Main 1998, S. 359f.
  2. Vgl. ebd., S. 360.
  3. Vgl. Ebd., S. 360.
  4. Vgl. ESPOSITO, Elena: Code, in: BARALDI, Clau­dio, CORSI, Gian­carlo, ESPOSITO, Elena: GLU. Glos­sar zu Ni­klas Luh­manns Theo­rie so­zia­ler Sys­teme, Frankfurt/Main 1997, S. 34.
  5. LUHMANN 1998, S. 361.
  6. Vgl. ebd. Der Po­si­tiv­wert („Wahr­heit“, „Zah­lung“…) funk­tio­niert da­bei in zwei­er­lei Hin­sicht: Als Prä­fe­renz­code für die An­schluß­si­cher­heit und zur Le­gi­ti­ma­tion der Co­die­rung selbst.