Ein Monat „strange loops“ — ein erstes Résumé

Heute vor vier Wo­chen wurde mit „Auf ein Wort: U4-208″ der In­iti­al­bei­trag zu die­sem Blog ver­öf­fent­licht. Grund ge­nug, mal zwei Schritte zu­rück zu tre­ten und die lau­fen­den Be­ob­ach­tun­gen zu be­ob­ach­ten. Auch in­halt­lich er­scheint die Ge­le­gen­heit güns­tig: Der letzte Bei­trag en­dete mit der Mög­lich­keit zur Atem­pause. Al­ler­dings schließt so­gleich eine ganze Liste von An­schluss­mög­lich­kei­ten zum wei­te­ren Le­sen und Nach­den­ken an. Wieso?

Die Re­fle­xion des Be­ob­ach­te­ten er­folgt auf zwei Ebe­nen, ei­ner in­halt­li­chen und ei­ner tech­ni­schen. Be­gin­nen wir mit der Technik:

Luh­manns Theo­rie­werk, als Sti­mu­lus für die lau­fen­den Be­ob­ach­tun­gen, ist zir­ku­lär kon­stru­iert. Zen­trale Be­griff­lich­kei­ten re­kur­rie­ren lau­fend auf­ein­an­der, er­wei­tern und ver­fei­nern sich. Die­ser un­end­li­che Zir­kel kann als „Selt­same Schleife“ be­schrie­ben wer­den und ge­währ­leis­tet die enorme Ef­fek­ti­vi­tät der Luhmann’schen Theo­rie. In die­sem Blog soll ähn­lich ope­riert wer­den: Durch die Mög­lich­keit der in­ter­nen, hy­per­tex­t­u­el­len Link­struk­tur liegt das so­gar nahe. Als Aus­gangs­punkt diente da­bei der Be­griff der Pa­ra­do­xie, um den die ers­ten Bei­träge kreis(t)en. Wir wer­den im­mer wie­der, das liegt in der Na­tur der strange loops, da­hin zurückkehren.

Auf der Ebene des In­halts fas­sen wir zu­sam­men: Pa­ra­doxe Kom­mu­ni­ka­tion bie­tet als re-entry die Mög­lich­keit, die Au­to­po­ie­sis des Er­zie­hungs­sys­tems auf­recht zu er­hal­ten. The show can and must go on. Päd­ago­gen und Leh­rer soll­ten je­doch um die grund­sätz­li­che pa­ra­doxe Kon­sti­tu­tion des Ge­sche­hens wis­sen und ihre mög­li­chen Fol­gen ein­kal­ku­lie­ren. Bi­näre Co­die­rung zeigt zwar keine Lö­sung, aber ei­nen Aus­weg an, das Pro­blem wird so we­nigs­tens ent­schärft. Dies ge­schieht, ganz im Sinne Luh­manns und Spencer-Browns, durch Tem­po­ra­li­sie­rung. Mit Heinz von Fo­ers­ter hiel­ten wir fest, dass sich das Sys­tem­ge­dächt­nis lau­fend un­ter va­ria­blen Be­din­gun­gen die Ho­ri­zonte von Ver­gan­gen­heit (do­ku­men­tiert durch Zen­su­ren) und Zu­kunft (das er­geb­nis­of­fene Os­zil­lie­ren) re­or­ga­ni­sie­ren kann. Das Sys­tem ist be­reit, sich über­ra­schen zu las­sen. ((Vgl. LUHMANN, Ni­klas: Takt und Zen­sur im Er­zie­hungs­sys­tem, in: ders.: Schrif­ten zur Päd­ago­gik, Frankfurt/Main 2004, S. 256.)) Diese selbst­er­zeugte Un­ge­wiss­heit for­dert das Sys­tem von Si­tua­tion zu Si­tua­tion neu sich selbst zu re­pro­du­zie­ren. Wir spre­chen von Au­to­po­ie­sis.

Eine letz­tes tech­ni­sches Post­scrip­tum, mit Blick in die Zu­kunft: An die Stelle ei­ner schein­bar be­ant­wor­te­ten Frage tre­ten viele un­be­ant­wor­tete Fra­gen. Wer­fen wir noch­mal ei­nen Blick zu­rück und nach vorne, auf die Liste der mög­li­chen wei­te­ren Anschlüsse:

Le­bens­lauf. Be­ob­ach­tung 2. Ord­nung. Takt. Te­leo­no­mie. Burnout-Syndrom. Tri­viale Ma­schine. Nicht­tri­viale Ma­schine. Wahn­sinn. Pro­fes­sio­na­li­sie­rung. Sprach­spiel. Post­he­roi­sche Er­zie­hung. ePort­fo­lios. Ab­sur­di­tät. Un­ter­richt. Ge­fan­ge­nen­di­lemma. Metaspra­che. Nicht­ler­nen. Hirn­for­schung. Sokrates…

Die Liste ließe sich fort­set­zen. All die of­fe­nen Fä­den sol­len auf­ge­nom­men wer­den und zu die­sem Zwe­cke wer­den wir auch auf das bis­lang Fest­ge­hal­tene zu­rück­keh­ren müs­sen. „Selt­same Schlei­fen“ sind nicht nur Name, son­dern Pro­gramm. In un­mit­tel­ba­rer Zu­kunft wer­den wir uns aber um grass roots, sym­bo­lisch ge­ne­ra­li­sierte Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dien und di­gi­tale Port­fo­lios kümmern…

[Nach­trag. Pa­ra­do­xien ganz ak­tu­ell: „Die Pa­ra­do­xie des Crash“-Pos­ting zum ak­tu­el­len Welt­fi­nanz­ge­sche­hen in ei­nem mei­ner ge­gen­wär­ti­gen Lieb­lings­blogs, Fritz. B. Si­mons Sys­te­mi­scher Kehr­wo­che.]


Die Gra­fi­ken stam­men von flickr-User S. Es gilt die fol­gende „crea­tive commons“-Lizenz. Danke!