Grassroots in die Schule!

Durch die „top down“-Governance des Staa­tes be­steht schein­bar kein Be­dürf­nis an ei­nem sym­bo­lisch ge­ne­ra­li­sier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dium für das Er­zie­hungs­sys­tem: Ein Pro­gramm er­mög­licht die Ent­schei­dung an­hand des Bi­när­codes besser/schlechter und kann da­mit das bis­lang Un­be­stimmte be­stim­men. Wir spre­chen vom Lehr­plan. Und ei­nem ho­hen Steuerungsbedürfnis.

Ich halte das für pro­ble­ma­tisch, denn die Fo­kus­sie­rung ei­nes „bot­tom up“-Modells (wie das des Grassroots-Konzepts) könnte nach­hal­tig die struk­tu­rel­len De­fi­zite des Er­zie­hungs­sys­tems  aus­glei­chen, ohne auf die große Re­form von oben zu war­ten. ((Vgl. BRÜSEMEISTER, Tho­mas: Das Er­zie­hungs­sys­tem zwi­schen Code und re­gio­na­ler Dif­fe­ren­zie­rung. Ver­glei­che mit dem Wirt­schafts­sys­tem, in: EHRENSPECK, Yvonne, LENZEN, Die­ter (Hg.): Be­ob­ach­tun­gen des Er­zie­hungs­sys­tems. Sys­tem­theo­re­ti­sche Per­spek­ti­ven, 2006, S. 204.)) Mit der Ent­sub­jek­ti­vie­rung von Lehr– und Lehr­vor­gän­gen ei­ner­seits, mit ei­ner Dis­tan­zie­rung von der ok­troy­ier­ten Tri­via­li­sie­rung durch Struk­tur­vor­ga­ben an­de­rer­seits, kann eine Ge­ne­ra­li­sie­rung er­reicht werden.

Dazu ist ein Aus­tauschme­dium von Nö­ten, das von un­ten wächst, am bes­ten im Zu­sam­men­spiel al­ler be­tei­lig­ten Sys­teme (Eltern/Familie, Schü­ler, Leh­rer, Schule…). Grund ge­nug hier zu­künf­tig das all­ge­gen­wär­tige Schlag­wort „ePort­fo­lio“ auf­zu­grei­fen, dass zu ei­ner schein­bar un­ter­be­stimm­ten Wort­hülse de­ge­ne­riert ist, ehe es über­haupt Pra­xis ent­fal­tete. Eine sys­te­mi­sche In­ter­pre­ta­tion des Me­di­ums er­scheint mir viel­ver­spre­chend, ins­be­son­dere wenn be­rück­sich­tigt wird, dass be­deu­tende Dif­fe­ren­zie­rungs­schübe in der so­zio­kul­tu­rel­len Evo­lu­tion mit der Ein­füh­rung neuer Me­dien für neue Form­bil­dun­gen zu­sam­men­hän­gen. ((Vgl. LUHMANN, Ni­klas. Das Er­zie­hungs­sys­tem der Ge­sell­schaft, Frankfurt/Main 2002, S. 85.))


Gra­kik: flickr-User Paul Mayne mit fol­gen­der cc-Lizenz. Vie­len Dank!