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Hello world“ — esoterisch…

… oder in fünf Schrit­ten von Räu­cher­stäb­chen zu nicht-trivialen Maschinen.

Eso­te­rik“ ist für ge­wöhn­lich ein Wort, dass mü­des Ab­win­ken oder Fluch(t)reflexe bei mir her­vor­ruft. Umso über­rasch­ter war ich, als ich vor­hin über den Wikipedia-Artikel zu „Piet“ stol­perte — eine so­ge­nannte „eso­te­ri­sche Pro­gram­mier­spra­che“. Und weiterlas…

Nun be­deu­tet εσωτερική (esō­te­ri­kós) zu­nächst nicht mehr als „in­ner­lich“ und hat folg­lich noch nicht viel mit Mys­tik oder Spi­ri­tua­li­tät zu tun. Viel­mehr be­zog sich der Be­griff in der Geis­tes­ge­schichte auf For­men des Wis­sens, die im Ge­gen­satz zum öffent­li­chen (exo­te­ri­schen) Ge­dan­ken­gut nur ei­nem klei­nen Teil von Ein­ge­weih­ten zu­gäng­lich war; so­mit kann für die Form des Wis­sens eine Un­ter­schei­dung zwi­schen in­nen und au­ßen, zwi­schen eso– und exo­te­ri­schem Wis­sen ge­trof­fen wer­den. Un­ter­schei­dung ist da­bei im­mer not­we­nig eine Form mit zwei Sei­ten, wo­bei eine der bei­den Sei­ten an­ge­zeigt wird („eso­te­risch!“). Die Ein­heit von Un­ter­schei­dung und An­zeige nen­nen wir Be­ob­ach­tung. Wer­fen wir also ei­nen Blick auf eso­te­ri­sche Programmiersprachen:

Im Ge­gen­satz zu prak­ti­schen und für den all­täg­li­chen Ein­satz kon­zi­pier­ten Pro­gram­mier­spra­chen folgt in die­sen Fäl­len die Form nicht der Funk­tion. Ha­cker, In­for­ma­ti­ker, Code-Poeten und Computer-Ästhetiker tes­ten die Gren­zen von Spra­che und De­sign aus, prak­ti­sche An­wend­bar­keit („usa­bi­lity“) tritt in den Hin­ter­grund. Es wer­den be­spiels­weise so­ge­nannte „nicht-deterministische Spra­chen“ ge­nutzt; diese ma­chen es un­mög­lich, vom ak­tu­el­len Stand des Pro­gramms aus ei­nen Fol­ge­zu­stand zu an­ti­zi­pie­ren. Das Kon­zept er­in­nert an Heinz von Fo­ers­ters nicht-triviale Ma­schi­nen. Dass Zu­fäl­lig­keit für Com­pu­ter­pro­gramme nur schwer markt­fä­hig ist, ist leicht ein­zu­se­hen. Ihre Be­deu­tung liegt eher im Kon­text der De­si­gn­ent­wick­lung von Spra­chen oder Sys­te­men; Ge­sichts­punkte, un­ter de­nen sie ins­be­son­dere in For­schung und Lehre zum Ein­satz kommen.

Die Ab­bil­dung zeigt übri­gens das be­rühmte „Hello World“-Programm in der oben schon er­wähn­ten eso­te­ri­schen Pro­gram­mier­spra­che Piet. Der Name ist eine Re­mi­nis­zenz an den nie­der­län­di­schen Künst­ler Piet Mon­drian, ei­nen Pio­nier der abs­trak­ten Kunst. Die kleinste se­man­ti­sche Ein­heit der Spra­che sind so­ge­nannte „Codels“, ein Kom­po­si­tum auf Ba­sis von „Code“ und „Pi­xel“ — gra­fi­sche Bei­spiele fin­den sich auf der Home­page des Piet-Erfinders Da­vid Morgan-Mar.

Das al­les hat nichts von Tran­szen­denz oder Räu­cher­stäb­chen. Wir kön­nen be­ru­higt sein.

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