Medien im Erziehungssystem, zweiter Akt

Wir hat­ten zu­letzt fest­ge­hal­ten, dass das Er­zie­hungs­sys­tem seine For­men im Me­dium des Le­bens­lau­fes bil­det. Zu­dem wur­den die Be­ob­ach­tun­gen auf die Er­kennt­nis hin zu­ge­spitzt, dass es sich beim Le­bens­lauf nicht um ein ge­nui­nes Me­dium des Er­zie­hungs­sys­tems han­delt, was ihn vom zu­nächst be­haup­te­ten Me­dium, dem Kind, aber auch von den sym­bo­lisch ge­ne­ra­li­sier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dien an­de­rer Sys­teme (bei­spiels­weise dem Geld für die Wirt­schaft oder der Wahr­heit für die Wis­sen­schaft) un­ter­schei­det. Er er­füllt da­mit nicht die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes sym­bo­lisch ge­ne­ra­li­sier­ten Kommunikationsmediums.

Dirk Ba­ecker und Jo­chen Kade set­zen an die­sem Punkt an. ((Vgl. BAECKER, Dirk: Er­zie­hung im Me­dium der In­tel­li­genz, in: EHRENSPECK, Yvonne, LENZEN, Die­ter (Hg.): Be­ob­ach­tun­gen des Er­zie­hungs­sys­tems. Sys­tem­theo­re­ti­sche Per­spek­ti­ven, 2006, S. 26 — 66 und KADE, Jo­chen: Le­bens­lauf — Netz­werk — Selbst­päd­ago­gi­sie­rung. Me­di­en­ent­wick­lung und Struk­tur­bil­dung im Er­zie­hungs­sys­tem im sel­ben Band, S. 13 — 25.)) Luh­manns Be­griff des sym­bo­lisch ge­ne­ra­li­sier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­ums stellt (wie seine Be­zeich­nung nahe legt) ex­klu­siv auf Kom­mu­ni­ka­tio­nen ab: Wir hat­ten an­dern­orts fest­ge­hal­ten, dass ihre Funk­tion in der Trans­for­ma­tion von zu­nächst un­wahr­schein­li­chen hin zu nun wahr­schein­li­che­ren Se­lek­tio­nen be­steht; also im Er­hö­hen der Ak­zep­tanz­wahr­schein­lich­keit von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­of­fer­ten. „Auf päd­ago­gi­sche Kom­mu­ni­ka­tion be­zo­gen: die Auf­gabe von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dien ist die Er­hö­hung der Wahr­schein­lich­keit, dass das ver­mit­telte Wis­sen auch an­ge­eig­net wird.“ ((KADE, Le­bens­lauf, S. 18.)) Wir wer­den auf die­sen Punkt in na­her Zu­kunft in aus­führ­li­cher Weise zu­rück kommen.

Fest­zu­hal­ten bleibt: Der Le­bens­lauf als Me­dium er­füllt diese spe­zi­fi­schen Be­din­gun­gen nicht. Er ist viel­mehr die not­wen­dige Vor­aus­set­zung da­für, dass dif­fe­ren­zier­tere Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dien zum Ein­satz kom­men kön­nen ((Vgl. ebd.)); in ihm kön­nen die For­men päd­ago­gi­scher Kom­mu­ni­ka­tion über­haupt erst ge­bil­det wer­den. Der Weg zur Form­bil­dung ver­läuft über Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dien. Hier­für lie­gen meh­rere Vor­schläge vor; Ziel ist es, sie um ei­nen wei­te­ren zu er­wei­tern, der die re­zen­ten Ent­wick­lun­gen im Be­reich des so­ge­nann­ten „E-Learning“ und die Mög­lich­kei­ten des Web2.0 berücksichtigt.


Die Gra­fik ba­siert auf ei­nem Foto von Mike Ambs un­ter fol­gen­der cc-Lizenz. Vie­len Dank!