Vorwärts über die Rückkopplungsschleife!“

An die­ser Stelle ein au­ßer­plan­mä­ßi­ger Hin­weis auf eine äußerst viel­ver­spre­chend klin­gende An­kün­di­gung für ein Dos­sier des Deutsch­land­funks: Am 07.11. um 19:15 Uhr wird dort die Sen­dung mit dem Ti­tel „Vor­wärts über die Rück­kopp­lungs­schleife. Der stille Sie­ges­zug der Ky­ber­ne­tik“ aus­ge­strahlt; aus dem Programmheft:

Als Brü­cke zwi­schen den Wis­sen­schaf­ten wurde sie be­zeich­net, als Mo­tor der Au­to­ma­tion; geis­tige Ar­beit sollte sie auf Ma­schi­nen über­tra­gen, im Um­feld der Künst­li­chen In­tel­li­genz war sie en vogue. Ge­ra­dezu eu­pho­risch wurde in den sech­zi­ger und sieb­zi­ger Jah­ren über Ky­ber­ne­tik be­rich­tet. Sci­ence Fic­tion Phan­ta­sien wie Cy­borgs — künst­li­che Men­schen — speis­ten sich aus sol­chen Ideen, Vi­sio­nen von neuen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­men und Me­di­en­räu­men mün­de­ten schließ­lich im Cyberspace.

Wort­schöp­fer und Vor­den­ker Nor­bert Wie­ner hatte das For­schungs­feld Ende 1948 dif­fus de­fi­niert, als Lehre von der „Steue­rung und Kom­mu­ni­ka­tion im Le­be­we­sen und der Ma­schine“. So wurde auch der Mensch zur kom­pli­zier­ten, aber er­klär­ba­ren Ma­schine aus „Black bo­xes“, Fil­tern und rück­ge­kop­pel­ten Re­gel­krei­sen — vom auf­rech­ten Gang bis zum (au­to­ma­ti­schen) Griff nach der Zi­ga­rette. Die­ser An­satz lebt bis heute in der Grund­la­gen­aus­bil­dung von Bio­lo­gie­stu­den­ten und in bio­ky­ber­ne­ti­schen Me­tho­den in Psy­cho­lo­gie und Phy­sio­lo­gie fort.

Bio­che­mi­ker und Sach­buch­au­tor Fre­de­ric Ves­ter sah 25 Jahre nach Wie­ner ein „Ky­ber­ne­ti­sches Zeit­al­ter“ an­bre­chen und be­griff die ganze Welt als „ver­netz­tes Sys­tem“. Fol­ge­rich­tig wer­den mitt­ler­weile auch Kli­ma­ka­ta­stro­phe, Ter­ror­be­kämp­fung und Un­ter­neh­mens­ma­nage­ment mit Me­tho­den an­ge­gan­gen, die als „sys­te­mi­sches Den­ken“ in „ver­netz­ten Sys­te­men“ die al­ten Grund­leh­ren der Ky­ber­ne­tik be­her­ber­gen: Wer über­le­ben will, muss Fol­gen und Rück­wir­kun­gen, Ein­fluss­fak­to­ren und Aus­wir­kun­gen lang­fris­tig und im Zu­sam­men­hang be­rück­sich­ti­gen. Li­nea­res Den­ken führt letzt­end­lich im­mer zum Absturz.

Vgl. auch hier. Das kos­tem­lose Pro­gramm­heft des Deutsch­land­ra­dios ist, wie ich letzte Wo­che schon in den lau­fen­den Be­ob­ach­tun­gen mit­teilte, hier zu er­hal­ten. Also: Vor­wärts! Über die Rückkopplungsschleife.


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