Symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien

Wa­rum be­fol­gen wir Auf­for­de­run­gen von Au­to­ri­tä­ten? Wa­rum er­hal­ten wild­fremde Men­schen im Kauf­haus wert­volle Pro­dukte? Was bringt Men­schen dazu, ein gan­zes Le­ben ge­mein­sam zu ver­brin­gen? Was macht all diese zu­nächst un­wahr­schein­li­chen Er­eig­nisse wahrscheinlich?

Kom­mu­ni­ka­tion ist das Pro­zes­sie­ren der Dif­fe­renz von Me­dium und Form. Das Me­dium stellt da­bei den Hin­ter­grund: Buch­sta­ben kön­nen als Me­dium für die Form der Worte be­grif­fen wer­den, die Worte wie­derum kön­nen Me­dium für die Form der Sätze sein und so fort; das ba­sale Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dium ist folg­lich Sprache.

Nicht alle durch Spra­che co­dier­ten Kom­mu­ni­ka­tio­nen er­for­dern ein sym­bo­lisch ge­ne­ra­li­sier­tes Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dium, aber je­des setzt die Ja/Nein-Codierung der Spra­che vor­aus. 1 Ein Be­darf ent­steht erst im Zuge der ge­sell­schaft­li­chen Evo­lu­tion qua Aus­dif­fe­ren­zie­rung und Kom­ple­xi­täts­zu­wachs. Ein Bei­spiel: Die Tat­sa­che, dass mir ein Ver­käu­fer aus hei­te­rem Him­mel seine Ware über­lässt, ist un­wahr­schein­lich. Wa­rum sollte er auch? Den Bä­cker in­ter­es­siert ins­ge­heim herz­lich we­nig, ob ich hung­rig bin. Aber ich kann ihm mit Hilfe von Geld zur Trans­ak­tion be­we­gen (und erst jetzt wird er streng ge­nom­men zum Ver­käu­fer). Was ge­nau hat das Geld nun bewirkt?

Wir ha­ben es hier mit ei­ner wirt­schaft­li­chen Kom­mu­ni­ka­tion zu tun. Der Er­folg war an­fäng­lich un­wahr­schein­lich, denn der Ver­käu­fer emp­fin­det die Idee, mir ohne eine Ge­gen­leis­tung seine Ware aus­zu­hän­di­gen oder diese mit mir zu tei­len, als eine Zu­mu­tung und lehnt sie folg­lich ab. Hier sprin­gen die sym­bo­lisch ge­ne­ra­li­sier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dien ein, de­ren Leis­tung es ist, Un­wahr­schein­lich­keit in Wahr­schein­lich­keit zu trans­for­mie­ren. Bei­spiele für sym­bo­lisch ge­ne­ra­li­sierte Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dien sind Macht, (wis­sen­schaft­li­che) Wahr­heit, Liebe, Kunst oder Geld:

Ich ak­zep­tiere die Zu­mu­tung Strafe zu zah­len oder auf Be­fehle zu hö­ren (Macht). Ich ver­bringe viele Tage mit ei­nem Men­schen, auch nach Strei­tig­kei­ten (Liebe) oder ich über­gebe mit Hilfe der Post und durch die Ver­mitt­lung ei­ner Auk­ti­ons­platt­form im In­ter­net ei­nem wild­frem­den Men­schen mei­nen funk­ti­ons­tüch­ti­gen Com­pu­ter (Geld).

Die sym­bo­lisch ge­ne­ra­li­sier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dien be­we­gen den Adres­sa­ten der Kom­mu­ni­ka­tion folg­lich zur An­nahme der vor­ge­schla­ge­nen Se­lek­tion, sie sind ein Mo­ti­va­ti­ons­mit­tel. 2 Und dies nicht nur im spe­zi­fi­schen Ein­zel­fall, son­dern im auf brei­ter Ba­sis („Generalisierung“).


(Gra­fik  | flickr-User Jos­hua Da­vis | cc-Lizenz | Danke!)

An­mer­kun­gen

  1. LUHMANN, Ni­klas: Die Ge­sell­schaft der Ge­sell­schaft, Frankfurt/Main 1998, S. 316.
  2. Vgl. LUHMANN, Ni­klas: So­ziale Systeme.Grundriß ei­ner all­ge­mei­nen Theo­rie, Frankfurt/Main 1984, S. 222.