Die Zeit der Helden ist vorbei

Vor­weg: Ich möchte den Ver­gleich zwi­schen Ma­nage­ment und Lehr­tä­tig­keit nicht über­stra­pa­zie­ren. Das wird  schon viel zu häu­fig ge­tan, wenn von „Wis­sens­ma­na­gern“ oder „Selbst­e­va­lua­tion“ die Rede ist. Mit nicht ab­seh­ba­ren Fol­gen für die Sys­teme von Wis­sen­schaft und Er­zie­hung: Die Kon­se­quen­zen des Ver­fah­rens nach markt­fun­da­men­ta­lis­ti­scher Ideo­lo­gie bre­chen so­eben über das ame­ri­ka­ni­sche Fi­nanz­sys­tem her­ein, ein ers­ter Preis für die Ab­sur­di­tät ei­nes ab­so­lu­ten Mark­tes zeich­net sich am Ho­ri­zont ab. Der­weil bas­teln die In­vest­ment­ban­ker un­ter den Erziehungs-wissenschaftlern mun­ter wei­ter an ih­ren Re­for­men; be­kommt das bil­dungs­po­li­ti­sche Klima seine ei­gene Ka­ta­stro­phe? Wie mag das schu­li­sche Pen­dant zu ei­nem Bör­sen­crash aus­se­hen? An­ge­sichts der ak­tu­el­len Um­stände an den Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen möchte ich mich an die­ser Stelle von ei­ner allzu ver­kürz­ten In­ter­pre­ta­tion der hier un­ter­nom­me­nen Ver­glei­che dis­tan­zie­ren.1 Heute er­scheint mir das nötig.

Zum Hel­den­my­thos: Der he­roi­sche Ma­na­ger in­sze­niert sich durch seine Ri­si­ko­be­reit­schaft und die Ver­fü­gung über Ka­pi­tal­vo­lu­men.2 Ana­log kann für den he­roi­schen Leh­rer gel­ten, dass er sich durch ei­nen un­ein­hol­ba­ren Wis­sen­vor­sprung, wenn nicht gar All­wis­sen­heit, in Szene zu set­zen pflegt. Doch der My­thos vom „Auf­be­wah­rer des Wis­sens“ (Ernst von Gla­sers­feld) hat sich über­holt. Dirk Ba­ecker for­dert für den post­he­roi­schen Ma­na­ger ei­nen Spür­sinn für sach­li­che und so­ziale Di­men­sio­nen der Or­ga­ni­sa­tion von Ar­beit und der Ver­tei­lung von Verantwortlichkeit:

Das geht nur un­he­ro­isch, weil gran­diose Ges­ten nicht ge­eig­net sind, an­dere zur Mit­ar­beit an­zu­re­gen.“3 Dies gilt auch we­sent­lich für das so­ziale Sys­tem Un­ter­richt; tra­di­tio­nelle Si­cher­hei­ten wer­den brü­chig4, Il­lu­sio­nen des Wis­sens und der Li­nea­ri­tät lö­sen sich auf: Man kann doch gar nicht nicht un­ter­rich­ten — das Su­per­hel­den­kos­tüm wird in der Schule nicht gebraucht.


Gra­fik auf Ba­sis von „Su­per­man“ | flickr-User Dun­echa­ser | cc-Lizenz | Danke!

An­mer­kun­gen

  1. Zu dem Preis, dass der Zwei­fel da­mit ge­wis­ser­ma­ßen eine Exis­tenz be­kommt. Grund­sätz­lich gilt: „Je aus­drück­li­cher man die In­ten­tion ei­ner Kom­mu­ni­ka­tion mit­kom­mu­ni­ziert, desto mehr sind Zwei­fel an­ge­bracht.“ (LUHMANN, So­ziale Sys­teme, S. 499) Oder wie meine Freun­din sagt: Wer sich ver­tei­digt, klagt sich an. Aber las­sen wir das an die­ser Stelle.
  2. Vgl: BAECKER, Dirk: Post­he­roi­sches Ma­nage­ment. Ein Va­de­me­cum, Ber­lin 1994, S. 18.
  3. Ebd., S.19.
  4. Vgl. VOSS, Rein­hard: Die neue Lust auf Un­ter­richt und das Wis­sen, sich auf eine „un­ge­müt­li­che Sa­che“ ein­zu­las­sen, in: ders. (Hg.): Un­ter­richt aus kon­struk­ti­vis­ti­scher Sicht. Die Wel­ten in den Köp­fen der Kin­der, Wein­heim, Ba­sel (2. Aufl.) 2005, S. 9.