Ehen werden im Himmel geschlossen…

Die Ehen wer­den im Him­mel ge­schlos­sen, im Auto ge­hen sie aus­ein­an­der. Denn der­je­nige, der m Steuer sitzt, rich­tet sich nach der Si­tua­tion und fährt, wie er meint, auf Grund sei­nes bes­ten Kön­nens; aber der, der mit­fährt und ihn be­ob­ach­tet, fühlt sich durch die Fahr­weise be­han­delt, führt sie auf Ei­gen­schaf­ten des Fah­rers zu­rück. Er kann nur in ei­ner Weise han­deln, näm­lich kom­men­tie­ren und kri­ti­sie­ren; und es ist we­nig wahr­schein­lich, daß er da­bei die Zu­stim­mung des Fah­rers fin­det.“ (Luh­mann, Liebe als Pas­sion, S. 42.)

Gra­fik von ↳ro­bordw. Danke!


Kommentare

  1. lisarosa sagt:

    Tol­ler Text­fund zur Gra­fik! Of­fen­bar eine Frage von funk­tio­nie­ren­dem / nicht funk­tio­nie­ren­dem Systemvertrauen.

  2. Christina sagt:

    Ach, so ein Quatsch! Man kann auch ein­fach die Land­schaft an­statt den Fah­rer be­ob­ach­ten — im­mer diese So­zio­lo­gen, die den gan­zen Tag nichts an­de­res zu tun ha­ben, als das ge­sell­schaft­li­che Mit­ein­an­der zu be­ob­ach­ten. Schlimm ist das… ;-)

    Und Luh­mann ist doch im­mer nur spa­zie­ren ge­gan­gen, der kann das doch gar nicht be­ur­tei­len… #ts

  3. Sebastian sagt:

    @lisarosa:

    Ei­gent­lich war das ja eher an­ders herum: Text ist ir­gendwo im Hin­ter­stüb­chen ar­chi­viert, ich stol­pere ges­tern Abend zu­fäl­lig über die Gra­fik — zack: Text­pas­sage wie­der prä­sent. Ne­ben Ver­trauen lehrt sie uns ge­wiss auch viel über Per­so­nen­at­tri­bu­ie­run­gen… passt also in ge­wis­ser Weise auch zu der Dis­kus­sion mit JPM letztens.

    @Christina:

    Und was, wenn du mit volls­tem Ge­nuss die vor­bei­flie­gende Land­schaft be­ob­ach­test und dich plötz­lich ab­rupt nach vorn beugst (glück­li­cher­weise an­ge­schnallt), weil dein Fah­rer wie­der mal zu dicht auf­ge­fah­ren ist? ;-) Au­ßer­dem er­in­nere ich mich an die von An­drea Frank über­lie­ferte Ge­schichte der Fahrt in Luh­manns berühmt-berüchtigten oran­ge­far­be­nen Volvo. Als sie an ei­ner aus­ge­fal­le­nen und wild blin­ken­den Am­pel an­kom­men, zeigt sich der Meis­ter irritiert:

    Was ist denn hier los, was soll ich denn hier ma­chen …?“, um so­gleich ent­schlos­sen hin­zu­zu­fü­gen, „Ach, ich fahre ein­fach!“ Sprachs, nahm den Fuß von der Bremse und über­querte ohne wei­te­ren Blick nach rechts oder links die kreu­zende Vor­fahrts­straße (glück­li­cher­weise ohne da­mit sich oder sonst je­man­den zu ge­fähr­den). In die­sem Au­gen­blick wurde ihr klar, wa­rum Luh­mann in sei­nen Vor­trä­gen so häu­fig Bei­spiele aus dem Be­reich des Stra­ßen­ver­kehrs wählte: Er wun­derte sich ein­fach dar­über, wie das al­les funk­tio­niert und die Be­tei­lig­ten in den meis­ten Fäl­len schad­los hält.“ (vgl. An­drea Frank: We­der Na­se­rümp­fen noch Au­gen­auf­schlag, in: Theo­dor Bard­mann, Dirk Ba­ecker (Hg.): „Gibt es ei­gent­lich den Ber­li­ner Zoo noch?“ Er­in­ne­run­gen an Ni­klas Luh­mann, Kon­stanz 1999, S. 69.)

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