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Luzifers Doublebind – ein epic Fail?

Meines Wissens der erste überlieferte Doublebind: Die tragische Geschichte Luzifers (wir erinnern uns gegebenfalls, was einen Doublebind auszeichnet, mit Hilfe zweier Blogeinträge aus den Seltsamen Schleifen: „Paradoxe Kommunikation, No.2“ und „Auf ein Wort: double bind“):

„Gott gibt allen Engeln die Weisung, sich vor Adam zu verneigen. Einer von ihnen lehnt ab – sei es aus Stolz, sei es, daß er besser weiß als Gott, daß nur Gott selbst zu verehren ist.“ (Niklas Luhmann, Gesellschaftsstruktur und Semantik, Bd. 3, Frankfurt/Main 1993, S. 284.)

Edit, 19:28h: Ein Nachtrag. Im bereits oben verlinkten Beitrag aus den Seltsamen-Schleifen werden mit Paul Watzlawick drei mögliche Konsequenzen der paradoxen Handlungsanweisung skizziert: die (vergebliche) Suche nach einem tieferen Sinn, eine stumpfe Regelbefolgung ohne eigenes (Nach-) Denken oder ein Rückzug aus der Kommunikation. In seiner „Genealogie des Beobachters“ (Wissenschaft der Gesellschaft, S. 118ff.) beschreibt Luhmann den Luzifer/Iblis-Mythos ein weiteres Mal: „[Luzifer] weiß, daß nur Gott selbst ein zu verehrendes Wesen ist, und kann daher sein Verhältnis zu Gott nicht mit einer Befolgung der Weisung Gottes in Einklang bringen. Er muß entweder Gott verraten oder dessen Weisung mißachten.“

Der Teufel wird der erste Beobachter im moralischen Schema von Gut und Böse (zu dem er später ja auch Adam und Eva befähigen wird…); er erzeugt eine Differenz im bislang unbeobachteten Raum und verletzt so den unmarked space. Ein früher tragischer „Held“ also? Oder schlicht „ein armer Teufel“?

Edit, 19:52h: Im übertragenen Sinne damit vielleicht sogar der erste παιδαγωγός – der erste Pädagoge?

(Grafik: Ausschnitt aus dem ↳gemeinfreien Gemälde ↳”Lucifer” von Mihály Zichy, 1887)

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