#Medium

Sub­stan­tiv, n. Sil­ben­tren­nung: Me·di·um, Plu­ral: Me·di·en. Aussprache: [’meːdi̯ʊm], Plu­ral: [’meːdi̯ən], Herkunft: von me­dium → lat. — Mitte, Mit­tel­punkt, Zen­trum, da­zwi­schen lie­gend, in der Mitte be­find­lich. 1
„Licht ist der Be­griff für das Me­dium, in dem wir et­was se­hen. Ohne Licht, das kann man sehr schnell aus­pro­bie­ren, se­hen wir nichts.“ Ni­klas Luh­mann 2


#McLu­han

mcluhan

McLu­han

Nach Mar­shall McLu­han be­ein­flusst Me­dia­li­tät die Kul­tur­his­to­rie der Mensch­heit pa­ra­dig­ma­tisch; er un­ter­schei­det hier­bei vier Pha­sen: „die Epo­che der ora­len Stam­mes­kul­tur, dar­auf fol­gend die Manuskript-Kultur, die ‚Gutenberg-Galaxis‘ so­wie das elek­tro­ni­sche Zeit­al­ter. Me­di­en­tech­nisch ent­spricht die­ser Auf­rei­hung die Ab­folge Spra­che — Schrift — Buch­druck — Elek­tri­zi­tät.“ 3 Das je­weils ak­tu­elle Me­dium be­wirkt da­bei eine Ver­än­de­rung der Gren­zen und For­men der Kul­tur, in die es ein­ge­bet­tet ist. 4 Die Mög­lich­kei­ten der Welt­er­schlie­ßung und –wahr­neh­mung wer­den folg­lich durch Me­dien de­ter­mi­niert, wo­bei dem je­weils re­zen­ten Leit­me­dium eine do­mi­nante (al­ler­dings nicht: aus­schließ­li­che) Wir­kung zu­schrie­ben wird. Vor die­sem Hin­ter­grund ist auch McLu­hans be­rühm­tes Bon­mot zu ver­ste­hen, wo­nach das Me­dium die Bot­schaft sei; die Bot­schaft ei­nes Me­di­ums oder je­der Tech­nik dem­nach „[…] die Ver­än­de­rung des Maß­stabs, Tem­pos oder Sche­mas, die es der Si­tua­tion des Men­schen bringt.“ 5 So­mit ist dem ka­na­di­schen Me­di­en­theo­re­ti­ker fol­gend der In­halt ei­nes Me­di­ums sei­ner Form nach­ge­ord­net; ent­spre­chend kann McLu­han den In­halt ei­nes je­den Me­di­ums ite­ra­tiv wie­der als Me­dium be­grei­fen. „Me­dien schaf­fen neue sym­bo­li­sche Ebe­nen und ge­ne­rie­ren völ­lig neue Um­wel­ten – »The new me­dia«, sagt McLu­han in ei­nem sei­ner vie­len In­ter­views, »are not bridges bet­ween man and na­ture, they are na­ture«. Dass Me­dien die Wirk­lich­keit nicht wie­der­ge­ben oder vermitteln, sondern diese erst de­fi­nie­ren, das hat McLu­han in al­ler Ra­di­ka­li­tät vor­ge­führt.“ 6


#Kitt­ler

kittler

Kitt­ler

Un­ter dem As­pekt der Welt­er­schlie­ßung schließt Fried­rich Kitt­ler an McLu­han an. Kitt­ler re­kon­stru­iert als „Me­di­en­ar­chäo­loge“ (Hart­mann) „[…] die Mo­derne un­ter den Be­din­gun­gen der me­dia­len Dis­kurse, die sie er­mög­licht ha­ben“; 7 an­onyme Auf­schrei­be­sys­teme tru­gen mit Kitt­ler ent­schei­dend zur Ge­nese der Mo­derne bei — ihre Kul­tur sei dem­nach im­mer als Kon­glo­me­rat von Daten­ver­ar­bei­tungs­pro­zes­sen zu be­grei­fen: „Kul­tu­relle Er­schei­nungs­for­men wie die Künste und die Wis­sen­schaf­ten sind an be­stimmte Kul­tur­tech­ni­ken ge­bun­den“ 8, jene Auf­schrei­be­sys­teme als ein „Netz­werk von Tech­ni­ken und In­sti­tu­tio­nen […], die ei­ner ge­ge­be­nen Kul­tur die Adres­sie­rung, Spei­che­rung und Ver­ar­bei­tung re­le­van­ter Da­ten er­lau­ben.“ 9  Kitt­ler mo­di­fi­ziert den be­rühm­ten „Homo Men­sura“–Satz (den der grie­chi­sche Phi­lo­soph Pla­ton in sei­nem Dia­log Theai­te­tos 10 dem Prot­ago­ras zu­schrieb und nach dem der Mensch das Maß al­ler Dinge sei) in­dem er die Me­dien zum Maß al­ler Dinge er­hebt: Die Schal­tun­gen der Sys­teme, nicht mehr Men­schen oder „Sub­jekte“ be­stimm­ten die Wirk­lich­keit. Ähn­lich wie McLu­han be­schreibt Kitt­ler so­mit ein „technisch-mediales Aprori“, das al­len gesellschaftlich-kulturellen Struk­tu­ren als Be­din­gung ih­rer Mög­lich­keit vor­aus­ge­setzt ist 11 — eine kon­se­quente Zu­spit­zung des oben zi­tier­ten McLuhan’schen Slo­gans vom Me­dium als mes­sage. Gleich­wohl las­sen sich hier Dif­fe­ren­zen in den An­sät­zen der bei­den Theo­re­ti­ker auf­zei­gen: Bleibt McLu­han („Ex­ten­si­ons of Man“) weit­ge­hend in ei­ner an­thro­po­zen­tri­schen „Pro­the­sen­theo­rie“ (Hart­mann) be­fan­gen, die Tech­nik als Aus­wei­tun­gen der Kör­per­or­gane, des neu­ro­na­len Sys­tems, als Werk­zeug be­greift, dreht Kitt­ler das Ver­hält­nis um, und be­schreibt den Men­schen von sei­nen Kul­tur­tech­ni­ken aus­ge­hend. 12 Viel­leicht ha­ben wir es aber auch nur mit ei­ner be­griff­li­chen Un­schärfe McLu­hans zu tun, wie Ben­ja­min Joe­ris­sen an­regt, der eher In­va­sio­nen als Ex­ten­sio­nen aus­macht und Kul­tur dann auch für McLu­han als „Epiphä­no­men des je­wei­lig kur­sie­ren­den Leit­me­di­ums“ skiz­zie­ren kann. 13


#Me­dium

„Fleck oder Loch?“

Figur/Grund

Die McLuhan’sche For­mu­lie­rung, dass In­halt ei­nes Me­di­ums im­mer ein an­de­res Me­dium sei, ver­weist auf die grund­le­gende Selbst­re­fe­ren­zia­li­tät des Kon­zepts. Zu­dem kann, ohne di­rekte Links zwi­schen den Au­to­ren, auf Ba­sis der struk­tur­bil­den­den Zu­sam­men­hangs zwi­schen Leit­me­dien und Ge­sell­schaft 14 eine Über­lei­tung zur mo­der­nen Sys­tem­theo­rie ver­sucht wer­den. Hier wird un­ter maß­geb­li­chem Ein­fluß von Ni­klas Luh­mann ins­be­son­dere auf ei­nen Me­di­en­be­griff re­kur­riert, der auf den öster­rei­chi­schen Ge­stalt­psy­cho­lo­gen Fritz Hei­der zu­rück­geht und erst im An­schluss an Luh­mann wie­der Be­ach­tung er­fährt. Hei­der zeich­net in ei­nem erst­ma­lig 1926 ver­öf­fent­lich­ten Auf­satz un­ter Ver­wen­dung der Be­griffe „Grund“ und „Fi­gur“ die spä­ter bei Luh­mann aus­ge­ar­bei­tete Kon­zep­tion von „Me­dium“ und „Form“ vor: „Fi­gur be­deu­tet sach­lich: ein fes­ter Kör­per, der vor et­was An­de­rem ist. Grund ist et­was, das nur in Be­zug auf die Fi­gur ein­heit­lich ist; es ist das, was hin­ter der Fi­gur ist, gleich­gül­tig, ob [das] nun eine Viel­heit von Ge­gen­stän­den oder eine weiße Wand ist.“ 15 Luh­mann be­zieht sich spä­ter im­pli­zit auf die Kon­zep­tion Hei­ders: „Von »Medium« sollte nur die Rede sein, wenn eine Menge nur lose ge­kop­pel­ter Ele­mente be­zeich­net wird, die für For­men­bil­dung zur Ver­fü­gung ste­hen.“ 16

luhmann

Luh­mann

Luh­mann zieht ei­nen Ver­gleich mit dem Schach­spiel: An­ge­sichts ei­ner spe­zi­fi­schen, selbst­er­zeug­ten Stel­lung be­trach­tet man das Spiel (als Mög­lich­keits­raum, der im Laufe des bis­he­ri­gen Spiels ein­ge­schränkt wurde) und ent­schei­det den nächs­ten Zug. Im Me­dium des Spiels wird die eine oder die an­dere Form rea­li­siert. 17 Das Me­dium muss aus ak­tu­el­len Ge­ge­ben­hei­ten lau­fend neu kon­stru­iert wer­den. Es ist auch au­gen­schein­lich, dass Me­dium und Form keine Ge­gen­be­griffe im stren­gen Sinne sind: Das Me­dium be­grenzt viel­mehr die Menge der mög­li­chen For­men. So kann dann bei­spiels­weise ein Wort als Form­bil­dung im Me­dium der Buch­sta­ben be­grif­fen wer­den. Weil der Me­di­en­be­griff aber „re-entrant“ (Joe­ris­sen in An­leh­nung an die Spen­cer Brown’sche Fi­gur des re-entry) ist, kann das Wort ite­ra­tiv als Form­bil­dung im Me­dium des Sat­zes be­grif­fen wer­den, die­ser als Form im Me­dium der Spra­che etc. Das Me­dium selbst wird da­bei nicht wahr­ge­nom­men, ist for­men­los be­zie­hungs­weise durch eine nur lose Kopp­lung von Ele­men­ten cha­rak­te­ri­siert: „Die For­men »verdichten« ihrerseits die Ver­bin­dun­gen zwi­schen den Ele­men­ten des Me­di­ums in ri­gi­dere Kopp­lun­gen, die wahr­ge­nom­men wer­den.“ 18 Wir be­grei­fen mit Luh­mann un­ter Form­bil­dung in ei­nem Me­dium also den Übergang von lo­ser zu fes­ter Kopp­lung von Elementen.


#De­fi­ni­tion

Nach die­sen Vor­be­mer­kun­gen kann als ers­tes und vor­läu­fi­ges Fa­zit eine De­fi­ni­tion des Me­di­en­be­grif­fes ver­sucht wer­den. Diese be­zieht sich wohl­ge­merkt auf den all­ge­meins­ten und wei­tes­ten Be­griff ei­nes Me­di­ums. 19

Def. Me­dium. Ein M. ist lo­ser Ele­ment­zu­sam­men­hang, der sich zu fes­te­ren For­men kon­den­sie­ren läßt. Ein M. kann nur un­ter Be­din­gun­gen der Formbar­keit als ein sol­ches gelten. Es gibt kein M. an sich, son­dern ein M. im­mer nur re­la­tiv zu ei­ner sich durch­set­zen­den Form.

Ein solch of­fe­ner sys­tem­theo­re­ti­scher Be­griff er­laubt ent­spre­chend Form­bil­dun­gen in ei­ner Viel­zahl von Me­dien: Wahr­heit, Recht, Macht, Geld, Spra­che, Sin­nes­wahr­neh­mung, Kau­sa­li­tät, Glaube, Sinn… Wie der von Ben­ja­min Joe­ris­sen ent­lehnte Be­griff des „re-entranten“ Me­di­ums an­zeigt, kann die Dif­fe­renz von Me­dium und Form da­bei selbst wie­derum zu ei­nem Me­dium wer­den, wenn sie zur Be­schrei­bung von Medien/Form-Differenzen ge­nutzt wird (Form der Beobachtung).


#Post Scrip­tum

In­wie­fern ein Zu­sam­men­hang zwi­schen Kitt­lers „Me­dium Men­sura“–Satz und Luh­manns Rea­li­tät der Mas­sen­me­dien her­aus­zu­ar­bei­ten ist, muss in ei­ner ei­gen­stän­di­gen Be­hand­lung her­aus­ge­fun­den wer­den, er­scheint mir aber als span­nende Fra­ge­stel­lung.
Edit [27.04.]: Bitte auch den #Nach­trag beachten!

 


Bild­nach­weise: Die McLuhan-Grafik ist ein Aus­schnitt der Zeich­nung „The Seer“ von Alex Ve­n­ess un­ter un­ter­liegt fol­gen­der CC-Lizenz. Die Kittler-Grafik ba­siert auf ei­ner Fo­to­gra­fie von flickr-Userin Sa­bi­nes­a­bine (eben­falls eine CC-Lizenz). Danke! Bei den an­de­ren bei­den Ab­bil­dun­gen han­delt es sich um ei­gene Gra­fi­ken, die eben­falls ei­ner CC-Lizenz unterliegen.

An­mer­kun­gen

  1. Vgl. den Ein­trag „Me­dium“ in: Wik­tio­nary. Das freie Wör­te­buch (Ab­ruf am 26.04. 2009).
  2. LUHMANN, Ni­klas: Ein­füh­rung in die Sys­tem­theo­rie, Hei­del­berg ²2004, S. 226.
  3. JOERISSEN, Ben­ja­min: Be­ob­ach­tun­gen der Rea­li­tät. Die Frage nach der Wirk­lich­keit im Zeit­al­ter der Neuen Me­dien, Bie­le­feld 2007, S. 199.
  4. Vgl. HARTMANN, Frank: Tech­nik­theo­rien der Me­dien, in: WEBER, Ste­fan (Hrsg.): Theo­rien der Me­dien. Von der Kul­tur­kri­tik bis zum Kon­struk­ti­vis­mus, Kon­stanz 2003, S. 57.
  5. McLU­HAN, Mar­shall: Die ma­gi­schen Ka­näle. Un­der­stan­ding Me­dia, Düs­sel­dorf 1968, S.  14, zit. n. JOERISSEN, Be­ob­ach­tun­gen, S. 200.
  6. HARTMANN, Frank: Me­di­en­phi­lo­so­phi­sche Theo­rien, in: EBER, Ste­fan (Hrsg.): Theo­rien der Me­dien. Von der Kul­tur­kri­tik bis zum Kon­struk­ti­vis­mus, Kon­stanz 2003, S. 307. Das McLuhan-Zitat be­legt Hart­mann a.a.O. wie folgt: Au­dio Quo­tes: http://www.webcorp.com/sounds/mcquote.htm — die Seite ist of­fen­sicht­lich aber nicht mehr on­line.
  7. HARTMANN, Tech­nik­theo­rien, S. 59.
  8. 5. HARTMANN, Tech­nik­theo­rien, S. 59f.
  9. Vgl. KESHMA: Auf­schrei­be­sys­teme (26.04. 2009)
  10. PLATONTheai­te­tos 152 a.
  11. Vgl. HARTMANN, Tech­nik­theo­rien, S. 62.
  12. Ge­wis­ser­ma­ßen wen­det Kitt­ler McLu­hans „the me­dium is the mes­sage“ da­mit in ei­ner ra­di­ka­len Aus­le­gung („streng nach McLu­han“, wie Kitt­ler schreibt) ge­gen sei­nen Ur­he­ber.
  13. JOERISSEN, Be­ob­ach­tun­gen, S. 202f.
  14. Je­des neue Ver­brei­tungs­me­dium kon­fron­tiert die Ge­sell­schaft mit neuen und über­schüs­si­gen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten. Für die­ses neue „Mehr“ an Kom­mu­ni­ka­tion rei­chen Struk­tur und Kul­tur ei­ner Ge­sell­schaft nicht im­mer aus,  so dass um­wäl­zende Ver­brei­tungs­me­dien ent­spre­chende Mo­di­fi­ka­tio­nen der Ge­sell­schafts­struk­tur er­for­dern und er­wir­ken: Die se­lek­tive Hand­ha­bung des über­schüs­si­gen Sin­nes kann auf Ba­sis der eta­blier­ten Struk­tur und Kul­tur nicht mehr ge­hand­habt wer­den, das heisst Struk­tur und Kul­tur ei­ner Ge­sell­schaft müs­sen ent­spre­chend an­ge­passt wer­den.“ Vgl. den Ar­ti­kel „Com­pu­ter­ge­sell­schaft“.
  15. HEIDER, Fritz: Ding und Medium, Berlin 2005, S. 113. Ur­sprüng­lich er­schie­nen in: Sym­po­sion. Phi­lo­so­phi­sche Zeit­schrift für For­schung und Aus­spra­che Jg. 1, H. 2, Ber­lin 1926, S. 109 — 157.
  16. LUHMANN, Ni­klas: Die Ge­sell­schaft der Ge­sell­schaft, Frankfurt/Main 1998, S. 1098.
  17. LUHMANN, Ni­klas. Das Er­zie­hungs­sys­tem der Ge­sell­schaft, Frankfurt/Main 2002, S. 89.
  18. CORSI, Gian­carlo, ESPOSITO, Elena: Form/Medium, in: BARALDI, Clau­dio, CORSI, Gian­carlo, ESPOSITO, Elena: GLU. Glos­sar zu Ni­klas Luh­manns Theo­rie so­zia­ler Sys­teme, Frankfurt/Main 1997, S. 59.
  19. Also noch nicht ihre kon­krete Funk­tion ab­tas­tend, was mit Blick auf so­ge­nannte „Er­folgs­me­dien“ (sym­bo­lisch ge­ne­ra­li­sierte Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dien), Ver­brei­tungs­me­dien oder Mas­sen­me­dien re­le­vant wird.

Kommentare

  1. Sebastian sagt:

    #Nach­trag

    Im Laufe des Schrei­bens stieß ich ges­tern auf eine prä­gnante For­mu­lie­rung zum Heider-Medium bei Corsi/Esposito, die ich aber nicht in den Ar­ti­kel auf­nahm, um es mit der Abs­trak­tion nicht zu über­trei­ben: „Laut Hei­der ist [vi­su­elle oder akus­ti­sche] Wahr­neh­mung dank ei­nes Me­di­ums (Licht oder Luft) mög­lich, das selbst nicht wahr­ge­nom­men wird […]. Das Me­dium ist also for­men­los: Die Luft ist nicht laut, und die elek­tro­ma­gne­ti­schen Wel­len sind nicht sicht­bar.“ (CORSI, ESPOSITO, Form/Medium S. 58f.)

    goldfish

    Heute er­in­nerte mich Tors­ten Meyer glück­li­cher­weise an die ana­loge Me­ta­pher; Grund ge­nug, den Fa­den doch noch ein­mal auf­zu­neh­men. Meyer (be)schreibt: „Fi­sche sind die ein­zi­gen Tiere, die nicht wis­sen, was Was­ser ist. Fi­sche ha­ben kein ex­pli­zi­tes Wis­sen über das Me­dium, das ih­nen als Lebens-Mittel dient. Erst der Wech­sel von ei­nem in ein an­de­res, ein ‚Neues Me­dium‘ würde des­sen Ei­gen­ar­ten er­fahr­bar ma­chen. Erst wenn Fi­sche auf dem Tro­cke­nen lie­gen, wür­den sie — mit gra­vie­ren­der Wir­kung al­ler­dings — er­fah­ren, was Was­ser ist.“ (MEYER, Tors­ten: Zwi­schen Ka­nal und Lebens-Mittel: päd­ago­gi­sches Me­dium und me­di­o­lo­gi­sches Mi­lieu, in: FROMME, Jo­han­nes, SESINK, Wer­ner (Hrsg.): Päd­ago­gi­sche Me­di­en­theo­rie, Wies­ba­den 2008, S. 77.)

    Wir soll­ten den Me­di­en­be­griff also zu­nächst ebenso abs­trakt wie weit fas­sen, um sei­ner in­ne­ren Kom­ple­xi­tät ge­recht zu werden.


    Foto „gold­fish“ von John O’Sullivan un­ter ei­ner CC-Lizenz. Danke!

  2. fellzwerg sagt:

    Im­po­san­ter Blog-Eintrag. Be­leg dei­ner wis­sen­schaft­li­chen Skills im mul­ti­me­dia­len Raum. Und ei­nes wis­sen­schaft­li­chen Schwer­punkts von dir.

    Übri­gens wird in der Wi­ki­pe­dia un­ter „Me­dium“ zwi­schen ei­nem Me­dium als stoff­li­chen Ver­mitt­ler und ei­nem Me­dium als Über­mitt­ler von In­for­ma­tio­nen un­ter­schie­den. Sollte sich der Me­di­en­wis­sen­schaft­ler nicht auf letz­te­ren Be­griff kon­zen­trie­ren? Wie passt dann aber das Heider-Medium ins Bild? Da habe ich et­was noch nicht ver­stan­den, wenn es sich ver­ste­hen lässt.

  1. […] Wort und Wis­sen sollte uns in­ter­es­sie­ren. So kann ich nicht recht ver­ste­hen, wes­halb Se­bas­tian im Ab­schnitt “Me­dium” je­nes Blog-Eintrags ei­nen Me­di­en­be­griff in den Blick nimmt, der eher dem ers­ten zu ähneln scheint. ▶ Comment […]

  2. […] (und da­mit von Me­dien, wie ich sie un­ter Zu­hil­fe­nahme sys­tem­theo­re­ti­schen Vo­ka­bu­lars in Ar­ti­kel #Me­dium skiz­ziert habe) bei den Über­tra­gungs– und Über­lie­fe­rungs­pro­zes­sen ist so­wohl tech­ni­scher als auch […]

  3. […] Ein kur­zer Ein­blick in die Werk­statt: Ich habe am Multimedia-Snippet zur Vi­sua­li­sie­rung ei­nes sys­tem­theo­re­ti­schen Me­di­en­be­grif­fes nach Luh­mann ge­ar­bei­tet, bin mir zum ge­ge­be­nen Zeit­punkt aber nach wie vor nicht si­cher, ob das Vor­ha­ben als Flash­film oder mit­tels ei­ner Stop/Motion-Animation ver­wirk­licht wer­den soll. Aus die­sem Grund wird hier fürs Erste nur eine Kon­zept­skizze prä­sen­tiert, die auf die eine oder an­dere Weise rea­li­siert wer­den kann. Zum Hin­ter­grund des Me­di­en­be­grif­fes vgl. den Artikel #Medium. […]

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