Postironie. Ein kurzer Gedanke auf dem Weg

Auf dem Weg zur Bi­blio­thek ist mir im Ham­bur­ger Haupt­bahn­hof ein Plak­tat für die Aus­stel­lung ↳”1968. Die Große Un­schuld” in der Kunst­halle Bie­le­feld auf­ge­fal­len. Ohne Pres­se­texte oder nä­here In­for­ma­tio­nen drängte sich mir die Frage auf: “1968 und Un­schuld — Iro­nie?” Nun lässt sich der In­ter­pre­ta­ti­ons­vor­gang als das Tref­fen ei­ner Un­ter­schei­dung be­schrei­ben: Er be­zeich­net das Kreu­zen der Grenze ei­ner Form. Gleich­zei­tig bleibt aber der ur­sprüng­li­che Ver­weis­hori­zont prä­sent, es han­delt sich nicht um eine bloße ↳Ne­ga­tion: Die Iro­nie als Ein­heit der Dif­fe­renz von Ge­sag­tem und mög­li­cher­weise Ge­mein­tem? Als Ant­wort, nicht auf die Frage was? son­dern wie? be­ob­ach­tet wird? (So ähn­lich schon ein­mal an­ge­dacht in ei­nem ↳Kom­men­tar im Postirony-Blog). Die Un­ter­schei­dung im Me­dium der Iro­nie ist so­mit pa­ra­dox os­zil­lie­rend: Beide Sei­ten sind mög­lich und wahr­schein­lich; der Be­ob­ach­ter be­zeich­net von Fall zu Fall In­nen und Aus­sen. Ist Post­iro­nie also Ent-Paradoxisierung? Ist das der Sinn von ↳“Post­iro­nie [als] Au­then­ti­zi­tät, Di­rekt­heit und Nähe”?

(Bild: Aus­schnitt aus Andy War­hol, Big Elec­tric Chair, 1967–68, The Me­nil, Collec­tion, Hous­ton, ©2009 Andy War­hol, Foun­da­tion for the Vi­sual Arts/Artists, Rights So­ciety (ARS), New York)