Krisis und Alarmsignale als Hypertext

krisis

Lose No­ti­zen zur Par­al­le­li­sie­rung von ↳Hy­per­text, ↳Per­for­mat und ↳Krise; ein (mit-)geteilter Zet­tel.

»Der an­tike Glaube an die Not­wen­dig­keit un­wi­der­ruf­li­cher Ent­schei­dun­gen wird ebenso wie die mo­derne Hoff­nung auf in sich un­ter­scheid­bare und pro­fi­lierte Epo­chen zwar noch ge­pflegt, aber doch eher aus ei­ner ge­wis­sen Weh­mut her­aus, die sich in die Zei­ten zu­rück­sehnt, als es zwi­schen den Kri­sen noch so et­was wie per­fekte Welt­zu­stände oder ru­hige Gleich­ge­wichte gab. In der nächs­ten Ge­sell­schaft geht es eher darum, recht­zei­tig zu wech­seln, sich »vor­über­ge­hend an vor­über­ge­hende La­gen an­zu­pas­sen«, wie Luh­mann gerne for­mu­lierte, und den An­spruch auf die Be­nenn­bar­keit der Lage, ih­rer his­to­ri­schen Dif­fe­renz, doch eher aufzugeben.« (Dirk Ba­ecker – Kri­sen sind nor­mal, in: Re­vue für post­he­roi­sches Ma­nage­ment, Heft 6 (Juli 2010), S. 112 – 115, hier 115.)

Wir be­ob­ach­ten eine Evi­denz­stei­ge­rung – bis zur Ent­schei­dungs­si­tua­tion der Krise. Diese wird als an­schluss­fä­hi­ger Kon­tin­genz­zei­ger ge­dacht; als Ein–, nicht Widerspruch:

»Die Krise setzt Be­züge durch, die an­dern­falls ver­mie­den wer­den, weist Nach­bar­schaf­ten nach, mit de­nen man nicht mehr ge­rech­net hat, und zeigt Rück­kopp­lun­gen auf, von de­nen man nichts wusste oder die man ver­drängt hat.« (ebd.)

Die Krise als Form bis­her un­er­wart­ba­rer Al­ter­na­ti­ven. Sie ent­wer­tet oder fal­si­fi­ziert nicht die vor­an­ge­gan­ge­nen Ope­ra­tio­nen (bzw. ↳Per­for­mate), son­dern legt nahe, dass an­dere An­schlüsse ge­bo­ten sind.
Luh­mann (So­ziale Sys­teme, S. 501ff.) spricht von Alarm­si­gna­len des Im­mun­sys­tems der Ge­sell­schaft und par­al­le­li­siert diese Ana­lyse mit den Leis­tun­gen des Rechts­sys­tems (S. 509ff. ↳Zu­fall?). Da­bei wird ge­ne­rell nicht die Struk­tur des Sys­tems ge­schützt, son­dern sein Ope­rie­ren (durch Si­che­rung der An­schluss­fä­hig­keit). Kön­nen diese Be­ob­ach­tun­gen auf­schluss­reich sein für die Ana­lyse der Do­ku­ment­form der nächs­ten Gesellschaft?

»[I]n der Krise ar­bei­tet das Im­mun­sys­tem der Ge­sell­schaft auch an sich selbst. Es lernt. Es be­fin­det sich auch selbst lau­fend in der Krise.« (ebd.)