Zur Dokumentform von Hypertext. Eine fixe Idee

Scriptorium

An­schluss­ge­dan­ken zur fort­ge­setz­ten ↳»Leviathan«-Diskussion.

»Texte er­mög­li­chen eine ver­ein­fachte Selbst­be­ob­ach­tung. Im nor­ma­len Ent­schei­dungs­gang be­ob­ach­tet sich das Sys­tem nicht als Sys­tem (-in-einer-Umwelt), son­dern als An­samm­lung auf­ein­an­der ver­wei­sen­der Rechts­texte. Die Ju­ris­ten nen­nen be­kannt­lich auch das ein »Sys­tem«. Neu­er­dings spricht man, et­was lo­cke­rer, von In­ter­text­ua­li­tät. Was als Text in Be­tracht kommt, wird durch diese Funk­tion der Re­prä­sen­ta­tion des Sys­tems im Sys­tem ge­re­gelt. Es kann sich um Ge­setze und Ge­set­zes­kom­men­tare, aber na­tür­lich auch um Ge­richts­ent­schei­dun­gen oder an­dere Do­ku­mente ei­ner fest­ste­hen­den Rechts­pra­xis han­deln. Ent­schei­dend ist, daß das Sys­tem sich in­terne Zu­sam­men­hänge »ver­ge­gen­wär­ti­gen« kann, also die Mög­lich­kei­ten des je­weils ge­gen­wär­ti­gen Ope­rie­rens da­durch ein­schrän­ken kann. Das Fin­den der für die Ent­schei­dung re­le­van­ten Texte er­for­dert fach­li­che Kom­pe­tenz und ist so ein zen­tra­les (oft über­se­he­nes) Mo­ment ju­ris­ti­schen Kön­nens. Denn In­ter­pre­tie­ren und Ar­gu­men­tie­ren kann man nur, wenn man die ein­schlä­gi­gen Texte be­reits ge­fun­den hat.« (Niklas Luh­mann: Das Recht der Ge­sell­schaft, Frankfurt/Main 1995, S. 339.)

Nun er­setze (spa­ßes­hal­ber) »Text« durch »Hy­per­text«. Was spricht da­ge­gen, Hy­per­text nicht als Do­ku­ment zu be­grei­fen? Schließt die fol­gende Um­schrei­bung der Do­ku­ment­form von Klaus Ku­s­a­now­sky (↳Link) Hy­per­text aus? »Das Do­ku­ment ent­steht als Form durch die Un­ter­schei­dung von dokumentierbar/nicht-dokumentierbar (al­ter­na­tiv: referenzierbar/nicht-referenzierbar), eine Form, die Wahr­heit kon­tin­gent be­rück­sich­tigt, wo­durch Ma­ni­pu­la­tion aus­schlos­sen wird und als Pro­blem durch Aus­schluss wie­der auftaucht.« Eine tref­fende Be­schrei­bung von Daten­ban­ken – nicht zu­letzt dem Hy­per­text Luh­manns Zet­tel­kas­ten. Was recht­fer­tigt, mit Blick auf das In­ter­net, die Um­stel­lung auf so­ge­nannte »Performate«?


Edit (13:53): ↳An­schluss bei Klaus Ku­s­a­nowsky.