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Baecker: „15 Thesen zur nächsten Gesellschaft“

 

Perspektive

„Das Individuum der nächsten Gesellschaft spielt, wettet, lacht und ist ratlos. Es zählt wie in der Stammesgesellschaft, fühlt wie in der Antike, denkt wie in der Moderne und muss sich dennoch jetzt und heute an der Gesellschaft beteiligen. Es vergewissert sich seiner Gruppe, träumt von seinem Platz, berechnet seine Chancen und muss dennoch erleben, wie bereits die nächste Verwicklung es überfordert.“ (Dirk Baecker, ebd.)

Unter dem Titel „Zukunftsfähigkeit: 15 Thesen zur nächsten Gesellschaft“ [edit: neuer Link!] hat Dirk Baecker soeben ein Thesen- und Diskussionspapier online verfügbar gemacht. Das Thesenpapier bündelt in wenigen Sätzen die theoretisch relevanten Prognosen zur „nächsten Gesellschaft“ (Kulturform, Strukturform, Integrationsform) und ihrer wichtigsten Subsysteme (Politik, Wirtschaft, Kunst, Wissenschaft, Religion) – sowie möglicher Implikationen für Technik, Moral und Reflexions- oder Negationsformen (Information bzw. Posse).

Es dient der Vorbereitung eines „Theorie-Updates zur Next Society“ im Rahmen des gemeinsam vom Lehrstuhl für Kulturtheorie und -Analyse der Zeppelin University und dem Management Zentrum X organisierten Summer Camp 11 (30. Juni bis 3. Juli, Friedrichshafen) – aber ebenso gut als Notizzettel zu Baeckers detaillierten Ausführungen (z.B. Studien zur nächsten Gesellschaft, Die Rede von der nächsten GesellschaftLayers, Flows and Switches).

(Grafik: Giacomo da Vignola, Perspective diagram, 1583; via)

40 Kommentare

  1. Das Individuum spielt nicht, wettet nicht, lacht nicht und ist nicht ratlos. Es zählt nicht, fühlt nicht, denkt nicht und beteiligt sich nicht. Es berechnet seine Chancen nicht, ist nicht überfordert und träumt auch nicht. Unter seinem Namen wettet die funktional differenzierte Gesellschaft auf ihre Überlebensfähigkeit im Netzwerk ihrer selbst. Sie setzt in ihm auf sich selbst in der Leere und Ungewissheit ihrer selbst, und sie bucht diesen Einsatz in einem Kalkül namens Bürokratie. Anders gesagt: Unter dem Namen des Individuums spielt die Gesellschaft (jede Gesellschaft) ein bürokratisches Spiel mit sich selbst, sie berechnet ihre Chancen in einer Wette auf ihr Ende. Wieder anders gesagt: Unter dem Namen des Individuums residiert die letztmögliche soziale Sachlichkeit unter nächstmöglichen sozialen Spannungen.

  2. @ Maren Lehmann:

    Ja. Ich habe mit Luhmann „Individuum“ auch immer als eine Ordnungskategorie, besser wohl: -größe, verstanden – insbesondere und in hohem Maße für organisatorische, politische und/oder rechtliche Zurechnungen und damit: Inklusion. Insofern ist sicher kein Zufall, dass es sich beim Individuum um eine moderne Erfindung handelt. Dass ein solches „Individuum“ modernen Zuschnitts der rationalen Programmatik seiner Zeit folgt (Mittel/Zweck-Relationen) und als solches beobachtet wird (praktisch: mit Register, Akte und CV; theoretisch mit methodologischem Individualismus, Rational Choice und als homo oeconomicus) erscheint ja nur… folgerichtig.

    Doch an und für sich muss die Stelle leer bleiben, aber form-alisiert: Die Wette läuft weiter und das Spiel bleibt riskant. Welche Alternative bleibt auch – gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die Form der Bürokratie und ihre Bezifferung laufend Pfadabhängigkeiten schaffen und der Preis des Ausstiegs den des prognostizierten Wettverlustes sicherlich übersteigt, nicht nur politisch? Oder anders: wenn jede Gesellschaft, die das Individuum kennt, unter und in seinem Namen das bürokratische Spiel mit sich selbst spielt – was geschieht dann, wenn am Spieltisch langsam die Erkenntnis Einzug hält, dass man mit Spielgeld zwar die Funktionsweise einer Speisekarte erklären kann, aber nicht satt wird?

  3. Auch wenn ich den voran gegangenen Kommentaren von @Maren Lehmann und @Sebastian etwas Besseres abgewinnen kann als sie „nur“ hinsichtlich eines Meinungsstandpunkts zu betrachten, so scheinen mir, wenn auch nicht schlecht und mit passendem Witz formuliert, diese Thesen von D. Baecker eigentümlich antiquiert. Leider haben wir den Fortschritt, Bemerkungen dieser Art nicht mehr als Ausdruck der Geringschätzung zu betrachten, noch nicht erreicht: Antiquiert, weil sie an dem Verfahren festhalten, Gesellschaft und die Welt, die sie entfaltet, sei noch immer interpretierbar: mein schreibt seine Gedanken auf ein Stück Papier und nagelt sie an die Kirchentür. Nicht, dass man es in diesem Fall tatsächlich damit zu tun hätte, aber so möchte sich das immer noch interpretieren lassen. Der Autor und seine Gedanken, seine Meinung, seine Schrift und schließlich auch sein Publikum, dass darüber anschließend verschiedene Interpretationen verbreitet. Wenn man aber annehmen kann, dass die nächste Strukturform sich durch Netzwerk-Differenzierung ergibt, dann könnte man sicher auch annehmen, dass damit Bedingungen geschaffen werden, die sich auch auf die Möglichkeit einer Beschreibung und Erklärung von Gesellschaft erstrecken, was insbesondere heißen könnte, dass auch eine Theorie dieser Gesellschaft das Individuum nicht einfach vergisst oder vernachlässigt oder beseite drängt, sondern auf die durch die Beobachtung von Individuen erzeugten Formen in der Weise reagiert, dass die Netzwerke das Indviduelle unter veränderten Bedingungen noch schätzen müssen. Aber: ein beschriftetes Stück Papier an die Kirchentur zu nageln (oder auch nur ein PDF auf einem Server abzulegen) wäre etwa zu vergleichen mit dem magischen Ritual eines Priesters, der seiner Gottheit ein Opfer darreicht.
    Soziale Systeme sind Selbsterfahrungssysteme. Aber wenn man sich die Soziologie anschaut, hat man manchmal den Eindruck, es müsste ihr, um relevant bleiben zu können, entweder gelingen, sich selbst zu monumentieren, um überleben zu können, oder sie muss mit der Art einer Gesellschaftsstruktur untergehen, durch welche sie erfunden wurde. Aber wie auch immer: die Wissenschaft als bürokratisches Verfahren zur Selbstverwaltung dürfte sich bald überlebt haben. Nur kann die Soziologie dies nicht in Erfahrung bringen: denn welches System könnte seinen eigenen Tod beschreiben? Kurz: die Soziolgie hat sich in ihrer Lernfähigkeit erschöpft und verbleibt allenfalls als folkloristische Trivalform für die Netzwerke interessant. Sie feiert ihr Happyend als ob sie alles wäre was der Fall ist.

  4. Lieber @kusanowsky,

    die Herausforderung, die mit den Unterscheidungsroutinen der modernen Wissenschaft so schwer zu fassen ist (weil diese Teil der Herausforderung sind), ist doch die Garantie einer minimalen Verläßlichkeit des produzierten Wissens: Wenn schon nicht Gott, dann wenigstens eine Zurechenbarkeit auf dafür bestens aus-gebildete und reputationsreiche Sachverständige – so unterscheidet man schon zu Zeiten der Erfindung des Labors den Quacksalber vom Gentleman und nach der Erfindung der modernen Universität den besten- und schlimmstenfalls halbwissenden Laien vom wissenschaftlich gebildeten Profi. Die hartnäckige Herausforderung besteht in besonderem Maße auch für die Reflexionstheorien der Wissenschaft, sogar wenn man sich dabei auf die ambitionierteren Versuche beschränkt und Absurditäten ausblendet. So viel ist klar.

    Nun kann nicht nur die Soziologie nicht in Erfahrung bringen, wie zukünftig beobachtet worden sein muss – und gerade daher tut sie meines Erachtens gut daran, eine möglichst voraussetzungsfreie Beobachtungsroutine in Stellung zu bringen; beispielsweise durch die Produktion von Metadaten, und Metadaten zu eben jenen Metadaten… usf. Empirisch lassen sich entsprechende Bemühungen fassen (Latours ANT-Programm, Baeckers Umstellung auf Formtheorie etc.). Eine „Erschöpfung ihrer Lernfähigkeit“ sehe ich (noch) nicht. Aber das ist möglicherweise genau das, wovon Du sprichst. Oder sprechen wir am Ende gar nicht mehr von Soziologie?

  5. @Sebastian Eine Garantie der Verlässlichkeit haben wir mit der Wissenschaft nicht, müssten wir sie haben, ging jede Art von Reputation sofort verloren (cf. Plagiatsaffären). Die Repuation kann ja nur angehäuft werden, weil eine Vielzahl von Überprüfungen gar nicht vorgenommen werden, schon gar nicht von Menschen (egal welcher Rollenerwartung sie unterliegen). Minimale Verlässlichkeit? Verlaß ist allenfalls nur darauf, dass alle Umweltbedingungen ausreichend stabil sind. Und der interessante Fall ist der hier zu beobachtende: wenn sie es (schon oder bald) nicht mehr sind. Für die Soziologie gilt, dass das, also die Veränderung ihrer Funktionsbedingungen, nicht relevant ist. Sie beschreibt und erklärt ihre Umwelt gemäß ihrer kommunikativen Eigenwilligkeit und dies nur solange, solange sie sich darauf verlassen kann, dass alle anderen nicht anfangen, ihren blinden Flecke zu entdecken. Solange ist es ihr erlaubt, ihren eigenen zu behalten. Aber nicht länger! Beobachten wir also ihre Reproduktionsfähigkeit unter der Bedingung, dass Professoren bereits anfangen, sich des Internets zu bedienen. Das Internet kann so nur als Verbreitungsmedium verstanden werden und hat sich – so könnte man sagen – „wissenschaftlich“ zu verhalten. Nunmher stellen Wissenschaftler Texte ins Netz und pflegen ansonsten ein Wissenschaftsbeamtentum, das aller Trolligkeit, wie sie im internet enorm weit verbreitet ist, traditionell mit höchsten Empfindlichkeiten begegnet. Sie wagen sich mit der Zehenspitze hinein, aber ganz vorsichtig und so, dass es bloß nicht auffällt, nicht bemerkend, dass das Beobachtungsproblem ganz woanders liegt, nämlich im Wissenschaftsbeamtentum selbst, das sich treu auf die Zahlungsfähigkeit von Staaten verlässt. Aber das ist ein anderes Thema.
    Aber bemerkenswert ist dein Hinweis deshalb, da man von Ferne riechen kann, wie bald eine Erklärungstheorie wie die soziologische Systemtheorie in eine Rechtfertigungstheorie umgearbeitet werden könnte: (Marxismus, ick hör dir trapsen…) Aber wir wollen nicht Schwarzmalen: die Soziologie wird so schnell nicht abgeschafft, aber die Frage kann schon gestellt: was wird aus ihr, wenn ihre Fachdifferenzen in der Umwelt einerseits nicht mehr finanzierbar sind, und andererseits von Internet-Trollen nach eigenem Gusto umgeändert werden dürfen?

  6. @kusanowsky:

    1) Was die Bürokratie anbelangt: Ja. Sie muss (ihrem Selbstverständnis nach) der internettypischen Trolligkeit mit Skepsis begegnen. Da wiederholt sich das priesterliche Muster… Heros bleibt Heros, die konkrete Rolle ist variabel.

    2) Rechtfertigungtheorie? Wofür?

    3) Zahlungsunfähigkeit. Das ist ein weiterer spannender Punkt. Vorallem in Anbetracht der Tatsache, dass die Universität sich künftig kaum noch als Ort des Betreibens von Wissenschaft eignet – hatten wir das nicht letztens schon mal?

  7. Eigentlich hatte ich heute Abend was anderes zu tun aber jetzt schreib ich nen Sozialtheoristenartikel zum Thesenpapier. Is ja ungeheuerlich, was Baecker da schreibt ;-)

  8. @Stefan

    Vermutlich geht Dirk Baeckers Rechnung auf: sein Thesenpapier erfüllt die Funktion von Thesenpapieren, sorgt für eine mehr oder weniger kontroverse Auseinandersetzung mit dem Thesen schon vor Beginn des „Summer Camps“ – und am Ende fahren alle, obwohl sie eigentlich was anderes zu tun (und zu bezahlen haben mit 1.250,– EUR, möglicherweise ja Urlaub) für vier Tage nach Friedrichshafen… bin gespannt. Jetzt erst einmal auf das Ergebnis Deiner neuen Abendplanung.

  9. Ich zitiere den Genossen @kusanowsky von oben (#6):

    „[…] nicht bemerkend, dass das Beobachtungsproblem ganz woanders liegt, nämlich im Wissenschaftsbeamtentum selbst, das sich treu auf die Zahlungsfähigkeit von Staaten verlässt. […]
    Aber wir wollen nicht Schwarzmalen: die Soziologie wird so schnell nicht abgeschafft, aber die Frage kann schon gestellt: was wird aus ihr, wenn ihre Fachdifferenzen in der Umwelt […] nicht mehr finanzierbar sind […]?“

    Privatvergnügen! Da haben wir’s, mit Preisangabe.
    Alternativ: man könnte sich anderswo Sponsoren besorgen… Vereine. Unternehmen. Mäzene… ;-)

  10. Ich würde hier gerne ein paar laienhafte (nicht bürokratisch legitimierte) Beobachtungen testen.

    So wie ich das verstehe (und was mein Alltagsverständnis mir nahe legt), löst eine neue Gesellschaftsform die alte nicht ab, sie überlagert sie nur. Dabei prägt sie sich als Form in die Elemente ein, die die nun überlagerte Gesellschaftsform erzeugte und nach wie vor produziert. Ohne Familie keine Stratifikation. Gleiches gilt – wie auch sonst – für die Verbreitungsmedien (denen hier ja, so wie ich das verstehe, eine Schlüsselrolle zukommt). Ohne Schrift kein Buchdruck.

    Vielleicht redet man zu häufig davon, wie die funktionale Differenzierung alles so anders gemacht habe, ohne zu bemerken, wie vieles doch gleich geblieben ist: Die Zentrum/Peripherie Differenz ist genauso erhalten geblieben wie auch die vertikale Schichtung der Gesellschaft. Das zeigt die Empirie jedem Beobachter, auch wenn mancher dafür weit reisen muss. Die funktionale Differenzierung kann das nur erklären, wenn dabei mitgeführt wird, was sie überhaupt erst ermöglicht hat, die (nicht vorgelagerte sondern) überlagerte Gesellschaftsform.

    Ich denke, folgerichtig sollte man annehmen: Die Netzwerke überlagern die Funktionssysteme, und sie benutzen dafür die Elemente, die die Funktionssysteme hervorbringen. Die nächste Gesellschaft „zerstört“ die funktionale Differenzierung ebensowenig wie die Moderne die soziale Schichtung zerstören konnte, ebensowenig wie die soziale Schichtung die Familie hinfällig gemacht hat. Im Gegenteil: die Überlagerung festigt die zu Grunde liegende Struktur. Also: kein Ende der Soziologie, kein Ende der Wissenschaft an Universitäten, kein Ende der Bürokratie. Netzwerke sind an der funktionalen Differenzierung interessiert, wie die Bürokratie an der vertikalen Schichtung. Was wäre ein Netzwerk ohne Adressen, denen man Fähigkeiten zuschreiben kann? Ein Individuum ohne Inklusion in die Wissenschaft ist kein Wissenschaftler, da kann er das tollste Netzwerk haben. Aber ein Individuum, dass zusätzlich zur hierarchisierenden Inklusion in ein Funktionssystem auch positionierende Inklusion in ein Netzwerk erfährt, begegnet gesteigerten Möglichkeit, evtl. wird ihm letzteres genauso unverzichtbar wie ersteres sein. Auf die Gefahr hin, stark trivialisiert zu haben…

  11. Pingback: Sozialtheoristen » Soziologie zum Spaß

  12. …hab meine Überlegungen fertig. Sind kritischer geworden, als ich sie geplant hatte. Naja. ;-) Sportliche Grüße

  13. @ Jonas Mieke

    Die Idee ist richtig aber man darf sich das nicht so logisch-rational denken. Die funktionale Diff. hat die Stratifikation nicht davon gefegt. Aber die Hierarchie, wie man sie in Organisationen oder zwischen Organisationen vorfindet, hat mit der Ständelogik der Vormoderne, trotz der konzeptionellen Ähnlichkeit, kaum etwas gemein.

    Und so wenig wird die funkt. Diff. der Moderne etwas mit einer „untergeordneten funkt. Diff.“ einer nächsten Gesellschaft gemein haben. Vielleicht ist es bloße Arbeitsteilung in einer in Ethnien differenzierten Gesell. vielleicht was ganz anderes…

  14. Thorsten Kogge 18. Mai 2011 um 00:06

    Nur ein kurzer Einwurf zu der historischen Bemerkung von Klaus:

    „Aber wenn man sich die Soziologie anschaut, hat man manchmal den Eindruck, es müsste ihr, um relevant bleiben zu können, entweder gelingen, sich selbst zu monumentieren, um überleben zu können, oder sie muss mit der Art einer Gesellschaftsstruktur untergehen, durch welche sie erfunden wurde.“

    Soziologie entstand als Reflexionstheorie einer sich immer schneller urbanisierenden, arbeitsteilenden und – wahlweise nach Beobachterperspektive – funktional differenzierenden Gesellschaft. Fragen nach dem Verhältnis von System- und Sozialintegration (Gemeinschaft/Gesellschaft bei Tönnies; Anomie und Moral bei Durkheim) konnten hier ebenso reflektiert werden wie das Verhältnis von Kapital und Arbeit, die von Marx zu Weber und Simmel verläuft: die Bedeutung von zweckrationalem Handeln im Prozess der Rationalisierung, die Bedeutung von Geld und die religiöse Fundierung der Idee des absoluten Reichtums im Calvinismus und seiner Ermöglichung kapitalistischen Unternehmertums waren hier dominante Themen. Die „sociale Frage“ und der Verein für Sozialpolitik waren vielleicht die Geburtsstunde dessen, was später die institutionalisierte Soziologie werden sollte. Die „Selbstdisziplinierung der Soziologie“ ging einher mit einem Verlust des revolutionären Duktus seiner Vertreter. Organisationen standen nunmehr im Zentrum der Frage, wie Gesellschaft und vor allem demokratische Verfasstheit möglich sind, man denke an Robert Michels Soziologie des Parteiwesens (das eherne Gesetz der Oligarchie) oder Schumpeters dynamische Sichtweise „kreativer Zerstörung“ unter Marktbedingungen. Als politisch klar, dass in Deutschland weder Kommunismus, Sozialismus, direkte Demokratie noch Liberalismus siegen werden, musste die Frage nach Hybridformen entstehen und damit die Frage nach deren Steuerungsfähigkeit und Legitimation (wenn schon nicht „systemrein“ selbstgesteuert und damit selbst legitimiert, ohne weitere Erklärung). Zu dieser Zeit war die institutionelle Trennung noch brüchig, da wurde noch mehr integriert gedacht und weniger in den disziplinären Kategorien: Kein Sozialwissenschaftler in dieser Zeit wäre auf den Gedanken gekommen, das Ökonomische ohne das Soziale zu denken! Erst in der „bürokratischen Rechtfertigung“ der Soziologie nach dem Krieg kam es zu den bekannten Bindestrichsoziologien, die im Prinzip als Dauerreflexion der Wohlfahrtsgesellschaft konzipiert waren: Familien, Verbände, Staaten, Rollen, Stratifikation, Werte (Parsons trennte zwischen „value“ und sah hier die Wirtschaftswissenschaft gefragt während er „values“ als Gegenstand der Soziologie begriff), sozialer Aufstieg, Modernisierung, Probleme der Industriearbeit – alles sich emanzipierende Diskurse, die irgendwann zu Beginn der 80er Jahre, womöglich als Luhmann „Soziale Systeme“ schrieb, den Befund der Theoriekrise rechtfertigten und die Erstarrung der Sozialwissenschaft im universitären Betrieb kenntlich machten. Vor allem die Trennung zur Wirtschaftswissenschaft (und zur Rechtswissenschaft), die doch wie keine zweite Disziplin unbedingt zu einer soziologischen Reflexionstheorie dazugehört, wurde in der neoliberalen Epoche seit den 80er Jahren zu einem echten Hemmschuh der eignenen Möglichkeiten von Gesellschaftstheorie und von Zeitdiagnosen. Inzwischen haben Soziologen verschiedener „Herkunft“ die Bedeutung der Ökonomie wieder entdeckt und es immerhin geschafft, insbesondere den Märkten wieder verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen. Ob das reicht, um nicht mit der Gesellschaft unterzugehen, lass ich dahingestellt aber eigentlich fühlt es sich so an, als würde die Soziologie gerade wieder zu ihren Ursprungsfragen zurückkehren. Und ganz persönlich: ich sehe die Bürokratisierung und den Wettlauf um Rechtfertigung inzwischen genauso kopfschüttelnd zu wie andere außerhalb des Fachs – andererseits bleibt zu fragen, ob die Sprache der Soziologie außeruniversitär (also zum Beispiel in den Blogs hier) überleben kann. Denn wenn wir ehrlich sind: alle die hier Blogs schreiben haben eine Sozialisation, eine soziologische „Ich-Werdung“, in diesem System gehabt (sonst wäre es ja gar nicht so kenntnisreich zu kritisieren). Die nächste Gesellschaft beschreiben immer noch die, die die alte Gesellschaft kennen. Nur so kann es auch gehen!

  15. @Jonas Mielke:

    Im Großen und Ganzen stimme ich Dir zu: es ist dem alteuropäischen Beobachtungsschema geschuldet, dass Ereignisse, Umbrüche, Revolutionen und heroische Subjekte gegenüber Prozessen, Entwicklungen, kontinuierlichen Wandlungen präferiert werden. Von einer notwendigen „Festigung“ der vorangegangenen Gesellschaftsstruktur würde ich nicht sprechen – eher wohl von einem „Genpool“ für Rekombination, um eine etwas passendere Analogie zu bemühen. Die Erbanlagen (hier: Segmentation und Stratifikation) verschwinden nicht – verlieren aber relativ zur funktionalen Differenzierung an Bedeutung. Oder diese relativ zum Netzwerk, wenn sich Dirk Baeckers Thesen bewahrheiten sollten…

    @ Stefan

    Gewaltig. Und witzige Picard-Geschichte. Ob sie auf Baeckers Thesen zur nächsten Gesellschaft (nicht notwendig gleichzusetzen mit den verkürzten Statements aus seinem hier verlinkten Paper) übertragbar ist, müsste man im Einzelfall prüfen. Dass seine Soziologie den „Kontakt zu ihrem Gegenstand“ verloren hat, kann man m.E. zumindest pauschal nicht behaupten. Sicher geht man Risiken ein, wenn man die notwendige Empirie (und hier heißt das wohl: die Empirie gesellschaftlicher Unterscheidungen) als hypothetisch setzt und auf Basis von Prognosen arbeitet. Aber (und das muss für heute erst einmal genügen): wer um die latente Dysfunktionalität der Funktionssysteme weiß – beispielsweise, weil er (auch und gerade vor den Plagiatsaffären) den Wissenschaftsbetrieb an deutschen Unis aus der Nähe kennt oder als Cop in Baltimore daran verzweifelt, keine Polizeiarbeit verrichten zu können –, der ahnt auch, dass mit funktionaler Differenzierung nicht alles gesagt ist.

    Daraus folgt nicht, dass Luhmanns Theorie sozialer Systeme mit dem Übergang in Baeckers Computergesellschaft ihre Eignung für Erklärungen verlöre – im Gegenteil. Daraus folgt keinesfalls, dass man ihre Terminologie hastig über Bord werfen müsste. Man muss, und da gebe ich Dir Recht, noch genauer hinschauen…

  16. Also zwischen den „Studien zur nächsten Gesellschaft“ und dem Thesenpapier sehe ich auch recht wenig Zusammenhang. (Hab das auch nochmal kurz in meinem Text ergänzt.)

    So wie ich es sehe, kann man mit vielen soziologischen Theorien gelassen auf die Verwirrung in der Gesellschaft reagieren ohne große Beobachtungsverluste fürchten zu müssen (aus den üblichen konstruktivistischen Ansprüchen & Prinzipien). Vielleicht steckt in dem Thesenpapier ein Experiment, die Wirrungen in der Gesellschaft in die Theorie zu holen… ;-) Ich bin mal gespannt, was ihr berichten werdet.

  17. @ Stefan:

    Ich will nicht „performativer Widerspruch!“ rufen – aber fänd‘ es schon spannend zu fragen, wie sich Dirk Baecker verhalten haben würde, hätte er seine Thesen nicht nur als funktional und streitbar, sondern auch als normativ begriffen. Anders: ich kann und will seine Thesen hier nicht verteidigen und Herr Baecker wird mutmaßlich nicht kommentierend in diesem Kommentarstrang auftauchen (vgl. „[Wissenschaftler] wagen sich mit der Zehenspitze hinein, aber ganz vorsichtig und so, dass es bloß nicht auffällt“, Kusanowsky oben, #6) und seine Thesen verteidigen – dafür gibt es ja am Ende wohl auch das erwähnte Sommer-Camp. ;-)

    Nur zwei Dinge: Zum einen sprechen wir, wie oben von Jonas erwähnt, von Überlagerungen, nicht Ersetzungen. Die nächste Gesellschaft ist folglich nicht „totale Situation“ (wie in Deiner Kritik der ersten These angedeutet); aber relativ zur modern-linearen Form der bürokratischen Dokumentation (Akte, Protokoll, Monographie) gewinnen Performanz, Gleichzeitigkeit und Vernetzungsgrad an Bedeutung. Ähnliche Erwartungen wird man mit Blick auf Erwartungsstrukturen haben können: Laufend getriggert von prognostizierten Krisen, die ja eh der Normalzustand sind. Hey, die Kulturform bezeichnet Baecker als „System“! Der Autopoiesis ist’s egal, ob Du auf Basis von historischer Erfahrung oder zukünftig zu erwartender Krise rechnest…

    Zum anderen hat Dirk Baecker offenkundig die Netz-Spielregeln erkannt: Sein Paper und der resultierende Furor sind mustergültige Kennzeichen viraler Werbung. Was erzeugt Dynamik in Netzwerkstrukturen? Kontoversen. Tusch! Dieser zweite Punkt kann (und soll!) nicht für die Richtigkeit der 15 Thesen sprechen – eine solche Lesart erinnerte dann auch eher an die Volte des Ironikers – aber ein Feldforschungs-Testlauf Dirk Baeckers unter dem Gesichtspunkt eines „Kontroverse-Stresstests“ („Controversies, like projects but with a negative twist, probe for what is possible, for who can muster what kind of power, what issues and what people may endure to either argue or be argued about and for how long.“ ders., Layers, Flows, and Switches: Individuals in Next Society, 2011) ist nicht undenkbar.

    @ Torsten Kogge:

    Danke für die umfangreichen soziologiehistorischen Ergänzungen! Sie belegen in gewisser Weise, daß auch künftig mit Geschichte gerechnet werden wird – nicht nur, weil diese bei der Unterscheidung und Bezeichnung von Zukunft koproduziert wird. Ob das dann hinreicht, um die Disziplin zu retten, ist eine ganz andere Frage. Luhmann entschied sich meines Wissens zu Beginn seiner akademischen Karriere für die Soziologie, weil man alles mit einem Bindestrich versehen und so Rechts-, Religions-, Wirtschaftssoziologie etc. pp. betreiben konnte. Mit einer Geschichtswissenschaft wird genau das wohl weiterhin möglich sein – inwiefern sie relevant (und bezahlbar, s.o.) sein wird, ist die anschließende Frage.

  18. Nur zum Verständnis, bevor man sich an der Unterstellung „ungeheuerlicher Antiquiertheiten“ und dem Ende der Soziologie berauscht: Bürokratie ist eine der witzigsten, subversivsten Herrschaftsformen, die es gibt – sie war es immerhin, die den Absolutismus kalkuliert, dadurch relativiert und dadurch der stratifizierten Gesellschaft mit deren eigenen Mitteln den festen Boden entzogen hat. Sie ist der Gegenspieler der Aristokratie in deren eigenem Feld (und dieses Spielfeld nennt Luhmann, mit einer ironischen Wendung einer Formulierung von Otto Brunner, „Alteuropa“, ohne im mindesten zu meinen, dies sei „antiquiert“).
    Die Frage ist demnach, ob es einen Gegenspieler der Bürokratie gibt. In Frage kommt bereits die funktional differenzierte Gesellschaft selbst, die den Triumph der Bürokratie darzustellen scheint und tatsächlich nichts weiter ist als das Feld, in dem die Bürokratie den Leuten (auch das eine These Baeckers) begegnet. Der Aristokratie war sie gewachsen, den Leuten nicht. Man muss wohl ernst nehmen, dass sich dies am deutlichsten in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts gezeigt hat, weltweit. Kein Grund, auf die Toleranz der Leute zu hoffen und der Ignoranz der Bürokratie zu misstrauen. Aber „Leute“ sind instantane Resonanzen, mit deren Instabilität die Bürokratie nicht zurecht kommt, weil es ihr Proprium (ihre Posse) ist, Stabilität in Instabilität bzw. Status in Variabilität zu übersetzen. Leute sind nicht Individuen, man sollte vielleicht sogar sagen: Nicht-Individuen (von Un-Individualität hatte Luhmann in einem seiner dramatischsten Aufsätze gesprochen). Was also ist die Posse der Leute?
    Vernunft kann es nicht sein, die ist der Einwand – das Medium – der Bürokratie. Rausch kann es nicht sein, der ist die andere Seite der Vernunft im Spiel der Bürokratie mit der Aristokratie. Bleiben Kalkül und – als dessen andere Seite – Passion. Das waren die beiden Seiten der Form der Theorie. Sind sie das noch immer? Gibt es eine Theorie der Leute, eine Nicht-Wissenschaft, vgl. These 8, die nichts anderes ist als die Kommunikationsform der „nächsten Gesellschaft“? Wenn diese Theorie die Posse der Leute wäre: Ist das Netzwerk ihre Form?
    (Und war nicht exakt dies Marx‘ Konzept eines möglichen negativen Repräsentanten der Gesellschaft, der den Untergang zu organisieren vermag, weil die Leere sein Medium ist? Weil er also in Kenogrammatiken schreiben, weil er also rechnen kann?)

  19. @Jonas Mieke:
    Würde ich sagen, ja: Sie rechnen mit ihr, in einer „Mathematik der rekursiven Komplexität“ (Baecker; nur dass ich auch dies ein Kalkül nennen würde).

  20. Pingback: Sozialtheoristen » Was könnte die Politik noch leisten?

  21. @ Maren Lehmann:

    „Bürokratie ist eine der witzigsten, subversivsten Herrschaftsformen“

    Ja und nein. Vielleicht sollte man „potentiell“ ergänzen? Bürokratie ist zunächst indifferent gegen Normativität und Humor, mit Luhmann konzentriert sie Willkür zugunsten der Vermeidung auf allen Ebenen an ihrer Spitze. Sie stellt damit Möglichkeiten zur Ausformung einer „witzigen und kreativen Herrschaftsform“ bereit – experimentell hat Luhmann das chaotisch-subversive Potential der Bürokratie selbst ausgetestet, unter Laborbedingungen quasi. Den Versuchsaufbau schildert er in seinem Erfahrungsbericht über Kommunikation mit Zettelkästen.
    Sie hat aber zugleich Potential zur gut geölten und „banal bösen“ Befehlsmaschine (in dieser Hinsicht irritiert der obige Passus zu den Diktaturen des 20. Jahrhunderts ein wenig: funktionierten diese nicht gerade wegen ihrer Durchsetzungsfähigkeit im bürokratischen Medium?).

    „Die Frage ist demnach, ob es einen Gegenspieler der Bürokratie gibt.“

    Wenn die Unterscheidung von Personen und Leuten mit der der Unterscheidung von Zurechenbarkeit und Nicht-Zurechenbarkeit zu parallelisieren ist – der Begriff „Leute“ also auf Diffusion und Flüchtigkeit abstellt – dann stimme ich zu.
    Weil Personen narrativ fixiert werden können (mit Hilfe von Medien wie Personalakten, Kirchenregistern oder Lebensläufen, s.o., #3), ist das Problem der Bürokratie nicht der Mangel, sondern ein Überangebot von Schriftlichkeit und Dokumenten: „Das muss alles noch bearbeitet werden.“ Bloße Interaktionssysteme lassen immer noch die Möglichkeit der Protokollierbarkeit offen (und seien es „Gedächtnisprotokolle“) – ein Overflow der Protokolle dagegen nicht. Dies gilt umso mehr, wenn zu prozessierende Dokumente und/oder Anträge unablässig und in höherer Zahl eintreffen, als sie von der Verwaltung bearbeitet werden können. Oder zweifelhaft werden. Zwar steigt die Effizienz datenverarbeitender Technologie – aber damit immer auch die Möglichkeit für Hacks: Botnetze, Stuxnet-Programme, Simulationen von Anträgen und Simulationen von Simulationen sind künftig für bürokratische Ordnungen eine un-stete Gefahr – Denial of Service? Als (Zweck-)Rationalitätsgarant schließt Bürokratie Unordnung aus. Was, wenn sie diese aber selbst im Übermaß erzeugt? Die Strukturform des Netzwerkes mit ihrer unruhigen Varianz begünstigt diese Möglichkeit – weil dabei weder Interaktionen noch Organisationen notwendig sind. Netzwerke rechnen ohne Zweifel mit der Bürokratie – aber gilt das vice versa?

  22. Post Scriptum (@ Maren Lehmann and to whom it may concern)

    1. Bürokratie
    Das Filtern aus dem Dokument-Overflow (vgl. #25) ist dann womöglich das Kerngeschäft der Computergesellschaftsbürokratie. Erschwert durch genau das, was beispielsweise auch hier gerade geschieht: Rauschverstärkung. Oder wie Dirk Baecker in einem seiner zuletzt publizierten Aufsätze (wenngleich mit anderer Zielrichtung – aber doch passend) notiert: „[…] daß wir nicht mehr bloße Beobachter [sic!] bleiben können, sondern zu Akteuren werden, die ihrerseits in ihren Blogs, auf den Kommentarseiten der Onlineportale der Massenmedien, in ihren elektronischen Netzwerken mit weiteren Kommentaren weitere Dokumente schaffen“ („Falscher Alarm“, in: Wikileaks und die Folgen, Frankfurt/Main 2011, S. 225). Wenn man dazu die Erkenntnis in Rechnung stellt, dass ein Überangebot an Protokollen zwar selbst protokolliert werden kann, das Prozessieren dieser und aller anderen Daten aber – wie seit jeher – als kontingent betrachtet werden muss, dann gewinnt die These #8 eine besondere Wendung:
    „[Die Wissenschaft] allein ist zuständig für das Neue.“ Da die Massenmedien in Baeckers Prognose Gesellschaft reflektierend Information primär zu Orientierungszwecken generieren werden (These #12), wird sich nunmehr die Wissenschaft des Neuen annehmen. Dies kann einerseits als Emanzipation von ihren metaphysischen Altlasten begriffen werden, andererseits als konkrete Aus-formung letztmöglicher „sozialer Sachlichkeit“ (Maren Lehmann, vgl oben, #1) – und einer experimentellen Haltung bzw. Disposition, wie sie in Labors schon lange gepflegt und als solche von der Wissenschaftsforschung beschrieben wird (und somit durchaus, aber das nur als Fußnote, kompatibel ist mit dem oben referenzierten Versuchsaufbau Luhmanns und einem rekursiven Rechnen mit Komplexität).

    2. Kunst
    Nur, weil es gestern als produktives Mißverständnis im Rahmen einer Diskussion auftauchte (danke Frieder):
    These #7, zur Kunst der nächsten Gesellschaft, hat ein stilles Update erfahren. In der ursprünglichen Fassung (vom 16.05.) lautet sie:
    (7) Die Kunst der nächsten Gesellschaft ist wild und dekorativ. Sie zittert im Netzwerk, vibriert in den Medien, faltet sich in Kontroversen und versagt vor ihrer Notwendigkeit. Wer künstlerisch tätig ist, sucht für seinen Wahn-Sinn ein Publikum.
    Die aktuelle These (streng genommen also 7′ – spätestens vom 20.05.) unterscheidet sich wie folgt:
    (7) Die Kunst der nächsten Gesellschaft ist leicht und klug. Sie weicht aus und bindet mit Witz. Ihre Bilder, Geschichten und Töne greifen an und sind es nicht gewesen.

    @Stefan M. Seydel / sms:
    Habt ihr das gestern aufgezeichnet? Sehe, dass Du auf Torstens Buch verwiesen hast…

  23. Es ist wohl unfair, im Folgenden Maren Lehmanns Kommentare mit „der Universität“ gleichzusetzen, aber aus der Dynamik dieser spannenden Diskussion erscheint mir das fast unausweichlich. Es gibt hier jede Menge Botschaften neben ihrer ersten Botschaft, die uns zunächst (unnötigerweise) belehrt, was das Individuum nicht ist. Und diese anderen Botschaften finde ich sehr spannend. Ich zumindest habe dies als Reflex eines alten (kühlen) Mediums aufgefasst, das versucht, das neue (heiße) abzukühlen. Die Soziologie an der Universität hat hier offenbar (berechtigte) Verlust- und Derealisierungsängste. Ein Stück weit würde ich @kusanowskys Idee vom Ende der Soziologie also zustimmen. Ich empfinde diesen Versuch, sich dergestalt zu monumentalisieren, als übergriffig, als Ordnungsruf. Aber gut, wie sollte sie auch anders reagieren können? Und mehr noch, vielleicht wird sie gerade in dieser Funktion gebraucht?

    Hier beginnt meine Ratlosigkeit und endet der Horizont eines Musikwissenschaftlers, doch so ist die Universität für mich nicht Teil der nächsten Gesellschaft, wie ich diese bisher verstanden habe (in den „Studien“). Aber wenn ich mir Baeckers neue Thesen ansehe, habe ich offenbar noch nicht einmal annähernd verstanden, was er meint.

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