Eine neue Kunst für eine neue Gesellschaft?“


„Die Kunst der nächs­ten Ge­sell­schaft ist leicht und klug. Sie weicht aus und bin­det mit Witz. Ihre Bil­der, Ge­schich­ten und Töne grei­fen an und sind es nicht ge­we­sen.“ – Dirk Ba­ecker, These 7 (zweite Fassung)

„[T]o use the word so­cial for such a pro­cess is le­gi­ti­ma­ted by the ol­dest ety­mo­logy of the word so­cius: ‚so­meone fol­lo­wing so­meone else‘, a ‚fol­lo­wer‘, an ‚as­so­ciate‘.“ – Bruno La­tour, Re­as­sem­bling the So­cial1


Eine (Ver-)Sammlung von Ge­dan­ken zur Kunst der nächs­ten Ge­sell­schaft. Im An­schluss an die jüngst on­line pu­bli­zier­ten The­sen Dirk Ba­eckers, eine daran an­schlie­ßende Be­mer­kung von Arne zur Funk­tion von Mu­sik in der Ro­man­tik, so­wie un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Tat­sa­che, dass die siebte der fünf­zehn The­sen, eben jene zur Kunst, kurz nach ih­rer Pu­bli­ka­tion eine nicht un­er­heb­li­che Übe­r­ar­bei­tung er­fah­ren hat. Zu­gleich: Die Spur ei­nes Ge­dan­ken­spiels (un­ter In­kauf­nahme ei­nes Um­wegs über China). Und nicht zu­letzt: die grobe Skizze ei­ner not­wen­di­gen Über­set­zung.

Das Aus­wei­chen der Kunst.

Wann, wo und wie ge­lingt Kunst oder kann Kunst gelingen? Diese Fra­gen stel­len sich nicht nur bei ih­rer Her­stel­lung oder Be­ur­tei­lung, son­dern auch bei Kunst-Beobachtung durch Theo­rie – und wir schla­gen für eine erste Nä­he­rung (und mög­li­cher­weise we­nig über­ra­schend) vor, hier­bei an Sys­tem­theo­rie zu den­ken. Dies be­deu­tet: Mit Kunst wird eine Form der Kom­mu­ni­ka­tion be­ob­ach­tet, „die es er­laubt, auf mehr oder min­der ela­bo­rierte Art und Weise zu in­sze­nie­ren, dass man wahr­nimmt, was man wahr­nimmt und wie man wahr­nimmt.“2 Ge­rade weil eine Mit­tei­lung (und es ist da­bei zu­nächst un­er­heb­lich, ob es sich um ein Ge­dicht, eine So­nate, eine Sta­tue, ein Thea­ter­stück, eine Cho­reo­gra­phie, ein Ge­mälde oder ein han­dels­üb­li­ches Uri­nal han­delt) als Kunst ver­stan­den wird oder im Me­dium der Kunst be­ob­ach­tet wird, ist Kunst im­mer schon aus­wei­chend: Sie wi­der­strebt ih­rer ein­deu­ti­gen Fest­le­gung. Das galt nicht im­mer und eine sol­che Les­art ist kei­nes­wegs vor­aus­set­zungs­frei – wir wer­den spä­ter auf die­sen Punkt zu­rück­kom­men.
Trotz­dem und ge­rade des­we­gen kön­nen sich Be­trach­ter ru­hi­gen Ge­wis­sens auf das An­ge­bot der Kunst ein­las­sen: Es han­delt sich um ein An­ge­bot von Be­ob­ach­tungs­be­ob­ach­tung in Form von Kunst­wer­ken, um eine „Eman­zi­pa­tion der Kon­tin­genz“, wie Ni­klas Luh­mann im Rück­griff auf Da­vid Ro­berts schreibt3 – also um eine (Re-)Aktivierung aus­ge­schlos­se­ner Mög­lich­kei­ten des Un­ter­schei­dens4, die Schaf­fung ei­nes dis­kur­si­ven Raums al­ter­na­ti­ver Po­ten­tiale. Not­falls ge­schieht das in ei­gens zu die­sem Zwe­cke aus­ge­wie­se­nen Schutz­zo­nen (also Kunst­mu­seen, Kon­zert­hal­len, Theatern).

Ru­hig­stel­len.

Kunst weicht aus. Bei al­ler kom­mu­ni­ka­ti­ven Tur­bu­lenz, die sie ent­fal­ten kann, hat das ei­nen ähn­lich be­ru­hi­gen­den Ef­fekt, wie ihn Luh­mann zu­nächst mit Blick auf das Wirt­schafts­sys­tem be­schrie­ben hat. Es sei da­her ein ers­ter kur­zer Um­weg er­laubt: „Weil der Er­wer­ber zahlt, un­ter­las­sen an­dere ei­nen ge­walt­sa­men Zu­griff auf das er­wor­bene Gut. Geld wen­det für den Be­reich, den es ord­nen kann, Ge­walt ab – und in­so­fern dient eine funk­tio­nie­rende Wirt­schaft im­mer auch der Ent­las­tung von Po­li­tik. Geld ist der Tri­umph der Knapp­heit über die Ge­walt.“ Dies nennt Luh­mann die „un­wahr­schein­li­che fried­li­che Lö­sung“ durch das Geld­me­dium.5
Sehr auf­merk­sam weist Atha­na­sios Ka­ra­fil­li­dis auf eine sehr ähn­li­che Mo­ti­vie­rung zum Still­hal­ten durch Kunst hin: Das Han­deln des Künst­lers und das Er­le­ben des Be­trach­ters be­ru­hi­gen Dritte in An­be­tracht ab­wei­chen­der Un­ter­schei­dungs­rou­ti­nen – mög­li­cher­weise er­mu­ti­gen sie diese so­gar, sich auf Ab­wei­chun­gen ein­zu­las­sen. Die Kon­se­quen­zen wer­den in funk­tio­nal dif­fe­ren­zier­ten Ge­sell­schaf­ten in der Re­gel künst­le­risch ver­han­delt, Ge­fäng­nis– oder Geld­stra­fen stel­len Aus­nah­men dar: „Die Ak­zep­tanz­schwelle für das Zu­las­sen un­ge­wöhn­li­chen Han­delns und Er­le­bens ver­schiebt sich“.6 Kunst ist dann Kunst qua Kunst – und nicht etwa Er­re­gung öffent­li­chen Ärger­nis­ses (qua Recht – ob­schon sie na­tür­lich im­mer ein Ärger­nis dar­stel­len kann).

Zir­ku­lie­ren und Zittern.

Wenn Kunst in die­ser Hin­sicht be­reits in der Mo­derne aus­weicht – wie ist Dirk Ba­eckers These („Sie weicht aus und bin­det mit Witz. Ihre Bil­der, Ge­schich­ten und Töne grei­fen an und sind es nicht gewesen?“) unter Struk­tur­be­din­gun­gen des Netz­wer­kes zu ver­ste­hen?7 Was ist das Neue daran?
Die Kunst der nächs­ten Ge­sell­schaft „zit­tert im Netz­werk“, wie es in ei­ner ers­ten Fas­sung der 15 The­sen hieß.8 Wenn man zum bes­se­ren Ver­ständ­nis der These auf Ba­eckers Be­schrei­bung des Netz­wer­kes re­kur­riert, und da­mit ei­nen Pro­zess wech­sel­sei­ti­ger Kon­troll­ver­su­che von Iden­ti­täts­ent­wür­fen (von „Per­so­nen, In­sti­tu­tio­nen, Ideo­lo­gien und Ge­schich­ten“) zu Grunde legt9 – bei­spiels­weise also ei­ner com­mu­nity, was gilt dann un­ter Be­din­gun­gen der dau­ern­den Be­zug­nahme und des re­kur­si­ven Zu­sam­men­spiels für die Kunst? Wie wäre die „Eman­zi­pa­tion der Kon­tin­genz“, mit­hin Kunst, im Netz­werk zu be­grei­fen? Und was wäre daran wirk­lich neu?
„Eman­zi­pa­tion der Kon­tin­genz“ be­deu­tet, so soll der vor­läu­fige Vor­schlag lau­ten, un­ter struk­tu­rel­len Be­din­gun­gen des Netz­werks das Auf­zei­gen von Dif­fe­renz und Kon­troll­ver­lust. Und hier kann der eu­ro­päi­schen Mo­derne ein Ab­drif­ten hilf­reich sein: Ein Um­weg des Den­kens, wie ihn François Jul­lien über China so un­er­müd­lich vor­schlägt: „Das Ziel [des Um­wegs] ist also, zum Un­ge­dach­ten des Den­kens zu­rück­zu­keh­ren […]. Dies be­zeichne ich als eine De­kon­struk­tion von au­ßen.“10 Oder an­ders: „Wer Um­wege geht, wird orts­kun­dig.“

Ent-Schöpfung.

Die alteuropäisch-essentialistische Tra­di­tion de­nun­ziert (aus­ge­hend von der rei­nen Idee, über die Furcht vorm Ab­glanz der blo­ßen Ab­bil­dung und dem re­sul­tie­ren­den Mimesis-Verbot) die Ko­pie als man­gel­haft – als bloße „Nach­äf­fung“11, die der Ori­gi­na­li­tät des Ge­nies min­der­wer­tig ge­gen­über­steht. Ganz an­ders da­ge­gen die chi­ne­si­sche Tra­di­tion und ihre Vor­stel­lung von Ori­gi­na­li­tät: Das Ori­gi­nal ist im klas­si­schen Chi­ne­sisch eine „echte Spur“ (zhen-ji bzw. 真跡).12
Das Ver­fol­gen der Spur schließt Mo­di­fi­ka­tio­nen, Um­schrif­ten oder neue Un­ter­schrif­ten des Vor­aus­ge­gan­ge­nen ex­pli­zit ein. Das Kunst­werk bleibt ein wand­lungs­fä­hi­ges Me­dium, un­be­seelt13 – und darum er­neu­er­bar. Diese fas­zi­nie­rende Hal­tung zur Kunst kann hier nicht wei­ter the­ma­ti­siert wer­den – le­dig­lich ihre Er­zeu­gung von Dif­fe­ren­zen durch Ite­ra­tion, Va­ria­tion und Mo­du­la­tion14, ihr Über­set­zen von Mit­tei­lun­gen durch Ket­ten von Ak­teu­ren (im Sinne Bruno La­tours), ihre Trans­sub­stan­tia­tion15 ist für die vor­lie­gende Frage be­son­ders auf­schluss­reich und theo­re­tisch in ho­hem Maße an­schluss­fä­hig.
Das Shanz­hai (山寨), ur­sprüng­lich ein chi­ne­si­scher Neo­lo­gis­mus für ge­fälschte Mar­ken­pro­dukte (und mitt­ler­weile so­gar de­ren CEOs), schöpft aus dem Vor­rat vor­han­de­ner For­men, bleibt stets vor­läu­fig („al­ways beta“), ver­zich­tet auf den in­di­vi­du­el­len He­ro­is­mus der Au­tor­schaft, er­reicht ge­ge­be­nen­falls sub­ver­si­ves Po­ten­tial und schafft Hy­bride.16
Da­bei geht nichts Es­sen­ti­el­les ver­lo­ren, denn auf sol­che Hy­po­the­ken wird von Be­ginn an dan­kend verzichtet.

Weg-Weisen.

Ur­he­ber­schaft wird in­vi­si­bi­li­siert, Ein­schnitte wer­den ver­mie­den, der Iden­ti­tät eine Dif­fe­renz, bes­ser: das ak­tive Dif­fe­rie­ren, ent­ge­gen­ge­setzt.17 Mit Bruno La­tour ist ein Netz­werk dann nicht mehr als et­was Äußer­li­ches zu be­grei­fen, das die Über­set­zun­gen der Ak­teure kon­trol­liere – son­dern als eben das, „was mit­tels die­ser Über­set­zun­gen […] auf­ge­zeich­net wird.“18
Es gilt, die „Be­zie­hungs­ge­schichte“19 zu le­sen, As­so­zia­tio­nen zu ver­fol­gen – und das scheint mit der oben er­wähn­ten Netzwerk-Beschreibung Ba­eckers durch­aus ver­ein­bar: Er ver­merkt, dass man „jede Nu­an­cie­rung der Wort­wahl, je­den Wech­sel in der In­ten­si­tät der Zu­wen­dung, je­des Zö­gern und je­des Un­ter­strei­chen, jede Ver­wir­rung und jede Be­geis­te­rung als Ar­beit an der Va­ria­tion ei­ner Iden­ti­tät im Kon­text der Va­ria­tion von Kon­troll­ver­su­chen in­ner­halb ei­nes Netz­werks les­bar ma­chen kann.“20 Die Re­so­nan­zen des Netz­wer­kes des­avou­ie­ren die Un­ter­schei­dun­gen von Sub­jekt und Ob­jekt („die Ver­fas­sung der Mo­derne“), von Künst­ler und Pu­bli­kum, von Pro­du­zent und Kon­su­ment – übe­r­all fin­den sich Ver­stär­ker, Faker, Laut­spre­cher, Mit-Teiler, Fol­lo­wer, Prosumenten.

Die Kunst der Com­pu­ter­ge­sell­schaft ist mög­li­cher­weise „leicht und klug“, wie Dirk Ba­eckers siebte These na­he­legt, sie „weicht aus und bin­det mit Witz“. Sie sollte sich vor Feig­heit hü­ten – aber das ist eine an­dere Ge­schichte.21 „Ihre Bil­der, Ge­schich­ten und Töne grei­fen an…“ – und jetzt er­gänze man im Sinne des be­schrit­te­nen Um­we­ges ei­nen Bin­de­strich – „… und sind es nicht ge–we­sen.“
Die Posse, die com­mu­nity, das „Pro­jet als Su­jet“22, die Über­set­zungs­ket­ten oder das In­ter­vi­du­elle – sie alle  set­zen auf den Weg, nicht auf das We­sen. An ih­ren Kon­tro­ver­sen – und nur dort! – wird Zir­ku­la­tion sicht­bar, und hier be­ginnt dann die ei­gent­li­che Ar­beit des Ana­ly­ti­kers. Ach­ten wir auf die Spuren.

(PDF-Download: „Eine neue Kunst für eine neue Ge­sell­schaft?“ (119 kB). Ver­wen­dete Grafik: Katsushika Ho­ku­sai, Aus­schnitt aus „Kaijo no Fuji“, 1834)



Li­te­ra­tur.

  • Ah­rens, Sönke: Ex­pe­ri­ment und Ex­plo­ra­tion. Bil­dung als ex­pe­ri­men­telle Form der Welt­er­schlie­ßung, Bie­le­feld 2011.
  • Ba­ecker, Dirk: Form und For­men der Kom­mu­ni­ka­tion, Frankfurt/Main 2007.
  • Ba­ecker, Dirk: „Pos­sen im Netz“, Bei­trag zur Ta­gung „Net­wor­king: Zur Per­form­anz dis­tri­bu­ier­ter Ästhe­tik”, Ludwig-Maximilians-Universität Mün­chen, 9.-11. Ok­to­ber 2009.
  • Han, Byung-Chul: Shanz­hai 山寨. De­kon­struk­tion auf Chi­ne­sisch, Ber­lin 2011.
  • Jul­lien, François: Um­weg über China, in: Dirk Ba­ecker u.a. (Hg.): Kon­tro­verse über China, Ber­lin 2008.
  • Kant, Im­ma­nuel: Kri­tik der Ur­teils­kraft, hg. v. Wil­helm Wei­sche­del, Frankfurt/Main 1974.
  • Ka­ra­fil­li­dis, Atha­na­sios: So­ziale For­men. Fort­füh­rung ei­nes so­zio­lo­gi­schen Pro­gramms, Bie­le­feld 2010.
  • Ker­ler, Frie­der: Spur, Re­kon­struk­tion, Me­dium, in: Meyer, Tors­ten, Tan, Wey-Han, Schwalbe, Chris­tina, Ap­pelt, Ralf (Hg.): Me­dien & Bil­dung. In­sti­tu­tio­nelle Kon­texte und kul­tu­rel­ler Wan­del, Wies­ba­den 2011.
  • La­tour, Bruno: Eine neue So­zio­lo­gie für eine neue Ge­sell­schaft, Frankfurt/Main, 2007.
  • Luh­mann, Ni­klas: Die Kunst der Ge­sell­schaft, Frankfurt/Main 1997.
  • Luh­mann, Ni­klas: Die Wirt­schaft der Ge­sell­schaft, Frankfurt/Main 1994.
  • Meyer, Tors­ten: Pro­jet Sup­posé Savoir, in: Pazzini, Karl-Josef, Schuller, Ma­ri­anne, Wim­mer, Mi­chael (Hg.): Leh­ren bil­det? Vom Rät­sel un­se­rer Lehranstalten, Bielefeld 2010.

An­mer­kun­gen

  1. La­tour, Bruno: Re­as­sem­bling the So­cial. An In­tro­duc­tion to Actor-Network-Theory, Ox­ford 2005, S. 108. In der deut­schen Über­set­zung: „[D]as Wort so­zial für ei­nen sol­chen Pro­zeß zu ver­wen­den [ist] durch die älteste Ety­mo­lo­gie des Wor­tes so­cius ge­recht­fer­tigt: ‚je­mand, der je­mand an­de­rem folgt‘, ein ‚Ge­folgs­mann‘, ein ‚Ge­fährte‘, Ge­sell­schaf­ter (as­so­ciate).“ Vgl. ders.: Eine neue So­zio­lo­gie für eine neue Ge­sell­schaft, Frankfurt/Main, 2007, S. 188.
  2. Ba­ecker, Dirk: Form und For­men der Kom­mu­ni­ka­tion, Frankfurt/Main 2007, S. 190.
  3. Luh­mann, Ni­klas: Die Kunst der Ge­sell­schaft, Frankfurt/Main 1997, S. 498.
  4. Vgl. dazu das von Arne be­schrie­bene „Kunst­lied“: Die zuckrig-süße Form des ro­man­ti­schen Rei­mens er­füllt ober­fläch­lich den tra­di­tio­nel­len Ästhe­tik­code der Kunst, schön/häßlich – der sei­ner­seits zeit­li­chen Mo­den un­ter­liegt. Die me­ta­pho­ri­sche Iro­nie des Ro­man­ti­schen ver­weist al­ler­dings über diese Eng­füh­rung hin­aus auf eine im Kunst­werk selbst ge­ne­rierte An­schluss­fä­hig­keit: Ihre Ana­lo­gie zu den Schick­sals­schlä­gen des Dich­ters kann, ent­spre­chende Kennt­nis des Kon­tex­tes vor­aus­ge­setzt, als In­for­ma­tion ei­gene Ord­nung (und da­mit: ima­gi­näre Rea­li­tät) ge­ne­rie­ren. Wie im­mer gilt auch hier: Kom­mu­ni­ka­tion rea­li­siert sich im Ver­ste­hen und die An­schluss­fä­hig­keit für das Be­grei­fen der Mit­tei­lungs­form als In­for­ma­tion kann nicht ga­ran­tiert wer­den. Zur Form der Iro­nie und zum pro­duk­ti­ven Um­gang mit ih­rer Pa­ra­do­xie vgl. holz­schnitt­ar­tig: Plön­ges, Se­bas­tian: Post­iro­nie als Ent­fal­tung, in: Meyer, Tors­ten, Tan, Wey-Han, Schwalbe, Chris­tina, Ap­pelt, Ralf (Hrsg.): Me­dien & Bil­dung. In­sti­tu­tio­nelle Kon­texte und kul­tu­rel­ler Wan­del, Wies­ba­den 2011.
  5. Luh­mann, Ni­klas: Die Wirt­schaft der Ge­sell­schaft, Frankfurt/Main 1994, S. 253.
  6. Ka­ra­fil­li­dis, Atha­na­sios: So­ziale For­men. Fort­füh­rung ei­nes so­zio­lo­gi­schen Pro­gramms, Bie­le­feld 2010, S. 320.
  7. Wenn man die dritte These Ba­eckers ak­zep­tiert, wo­nach die Struk­tur­form der Com­pu­ter­ge­sell­schaft nicht mehr funk­tio­nale Dif­fe­ren­zie­rung sei, son­dern das Netz­werk: „An die Stelle sach­li­cher Ra­tio­na­li­tä­ten tre­ten he­te­ro­gene Span­nun­gen, an die Stelle der Ver­nunft das Kal­kül, an die Stelle der Wie­der­ho­lung die Va­ri­anz.“
  8. Vgl. zum Up­date der sieb­ten These die zweite Hälfte die­ses Kom­men­tars.
  9. Vgl. Ba­ecker, Form und For­men, S. 226.
  10. Jul­lien, François: Um­weg über China, in: Dirk Ba­ecker u.a. (Hg.): Kon­tro­verse über China, Ber­lin 2008, S. 10.
  11. Kant, Im­ma­nuel: Kri­tik der Ur­teils­kraft, §49, hg. v. Wil­helm Wei­sche­del, Frankfurt/Main 1974, S. 255.
  12. Vgl. Han, Byung-Chul: Shanz­hai 山寨. De­kon­struk­tion auf Chi­ne­sisch, Ber­lin 2011, S. 19.
  13. Vgl. ebd., S. 60.
  14. Vgl. ebd., S. 71.
  15. Vgl. dazu nur die für eu­ro­päi­sche Oh­ren ver­wun­der­li­che Kon­ser­vie­rung des shin­tois­ti­schen Ise-Schreins in Ja­pan. Wahl­weise bei Ah­rens, Sönke: Ex­pe­ri­ment und Ex­plo­ra­tion. Bil­dung als ex­pe­ri­men­telle Form der Welt­er­schlie­ßung, Bie­le­feld 2011, S. 186 oder Han, Shanz­hai, S. 63ff.
  16. Man denke nur an die stille Wand­lung vom Mao­is­mus, mit Han streng ge­nom­men in Er­man­ge­lung ei­nes chi­ne­si­schen Ar­bei­ter­pro­le­ta­ri­ats be­reits selbst „Shanzhai-Marxismus“, zum hy­per­ka­pi­ta­lis­ti­schen Po­li­tik­hy­bri­den der Ge­gen­wart!
  17. Vgl. Han, Shanz­hai, S. 84
  18. La­tour, Neue So­zio­lo­gie, S. 188.
  19. Vgl. Ker­ler, Frie­der: Spur, Re­kon­struk­tion, Me­dium, in: Meyer, Tors­ten, Tan, Wey-Han, Schwalbe, Chris­tina, Ap­pelt, Ralf (Hg.): Me­dien & Bil­dung. In­sti­tu­tio­nelle Kon­texte und kul­tu­rel­ler Wan­del, Wies­ba­den 2011, S. 283: „Spuren ge­ben ihre Be­deu­tung nur dem preis, der sie so­zu­sa­gen als ‚Be­zie­hungs­ge­schichte‘ zu le­sen ver­mag, der ihre Re­la­tio­nen, ihre Bedeutungs-Bezüge her­zu­stel­len weiß; kurz: ih­ren Kon­text kennt.“
  20. Ba­ecker, Form und For­men, S. 232. Zur Ver­wen­dungs­weise der Be­griffe Iden­ti­tät und Kon­trolle vgl. ebd, S. 228ff.
  21. Es muss aber hei­ßen: Witz nicht mit Iro­nie zu ver­wech­seln. Vgl. dazu aus­führ­lich: Ah­rens, Ex­pe­ri­ment und Ex­plo­ra­tion, S. 193f. oder den Blog-Artikel „Hu­mor als ela­bo­rierte Form“.
  22. Vgl. Meyer, Tors­ten: Pro­jet Sup­posé Savoir, in: Paz­zini, Karl-Josef, Schuller, Ma­ri­anne, Wim­mer, Mi­chael (Hg.): Leh­ren bil­det? Vom Rät­sel un­se­rer Lehranstalten, Bielefeld 2010. Vgl. dazu auch die An­kün­di­gung zur Ta­gung „Sub­jekt, Me­dium, Bil­dung“.

Kommentare

  1. (RT @autopoiet) „Eine neue Kunst für eine neue Ge­sell­schaft?“ http://t.co/Sy7wkBk #Kunst #next­so­ciety #15Thesen #DirkBaecker

  2. RalfLippold sagt:

    … heute mor­gen ganz frisch zu Bal­lett als mo­der­ner Kunst­form ge­b­loggt. Grüße aus Dres­den, der Stadt am Rande der Re­pu­blik, die es in sich hat…

  3. Ver­dammt gu­ter Ar­ti­kel von @autopoiet über die Kunst der na­echs­ten Ge­sell­schaft: http://t.co/V2EVJBv

  4. Sebastian sagt:

    Post scrip­tum: Archäologie.

    Ku­s­a­now­sky be­zeich­net die künf­tige Auf­gabe un­ter Zu­hil­fe­nahme ei­ner m.E. sehr tref­fen­den Me­ta­pher eine Form der „nächs­ten Ar­chäo­lo­gie“ – ih­res Zei­chens Daten­spu­ren– und Ser­ver­ar­chäo­lo­gie. Die Me­ta­pher ge­fällt mir aus­ge­spro­chen gut, ins­be­son­dere wenn man in Rech­nung stellt, dass die Ar­chäo­lo­gen und ihre Werk­zeuge selbst wie­derum Spu­ren hin­ter­las­sen – und da­mit für Fra­gen der wech­sel­sei­ti­gen Kon­troll­ab­frage durch das net­work nicht pri­vi­le­giert be­han­delt wer­den. (Wa­rum soll­ten sie auch?)

    […] Das geht ver­mut­lich durch Her­aus­bil­dung ei­ner Form von Er­fah­rung, die nicht mehr Ra­tio­na­li­tät in Aus­sicht stellt, son­dern Re­fle­xi­vi­tät per­ma­nent über­prüft. Es wäre dann Re­fle­xi­vi­tät, die An­schluss­fä­hig­keit in­te­griert. Das be­deu­tet, dass nicht mehr da­nach ge­fragt wird, von wel­chem Fach man ist, wel­chen Be­ruf man hat, wel­che Me­tho­den man be­vor­zugt; und schon gar nicht, dass Be­kennt­nis­fra­gen ab­ge­prüft wer­den müss­ten. Statt­des­sen dürfte die Pa­ra­do­xie­hal­tig­keit von Sinn­an­ge­bo­ten von Er­wart­bar­keit in per­for­ma­tive In­dif­fe­renz über­führt wer­den. Und wer da nicht mit­hal­ten kann, wer sich als re­fle­xiv un­taug­lich er­weist, den dar­aus re­sul­tie­ren­den „Schwach­sinn“ aus­zu­hal­ten, schei­det aus durch Ver­lust von An­schluss­fä­hig­keit. Funk­tio­nie­ren könnte dies ge­rade dann, wenn die tech­nik­in­ten­si­ven Vor­aus­set­zun­gen für die Kom­mu­ni­ka­tion durch Tech­nik selbst er­wei­tert und ein­ge­schränkt wer­den, dass für Ra­tio­na­li­tät al­lein Ro­bo­ter und Soft­ware zu­stän­dig wä­ren, weil diese Ver­fah­rens­wei­sen die ein­zi­gen sind, auf die man sich tat­säch­lich ver­las­sen kann. Ob das dann im­mer zum Vor­teil ein­zel­ner Mensch ist, sei da­hin gestellt.[…]“

    (wei­ter­le­sen)

  5. zu 3/15: http://magazin.rebell.tv aus­gabe 5 RT @autopoiet: () http://t.co/phxWnZe #Sys­tem­theo­rie #nextsociety

  6. Michael sagt:

    Was be­deu­tet das für an­dere Sys­teme als Kunst? Lässt sich diese Re­la­ti­vie­rung des Ori­gi­nals auf an­dere Sys­teme über­tra­gen, Wis­sen­schaft z.B.? Oder ist das ein­fach ty­pisch post­mo­dern? Muss man nicht auch die „Shanzhai-Dissertation“ vom Ex­mi­nis­ter Gut­ten­berg als zeit­ge­mä­ßen „Re­mix“ al­ter For­schungs­frag­mente be­grei­fen statt als Betrug?

  1. […] hat ei­nen sehr schö­nen Ar­ti­kel ge­schrie­ben über eine neue Kunst für eine neue Ge­sell­schaft, den zu le­sen ich sehr emp­feh­len möchte.Wenn man dem, was in dem Ar­ti­kel un­ter „Emanzipation […]

  2. (RT @sms2sms) zu 3/15: http://magazin.rebell.tv aus­gabe 5 RT @autopoiet: () http://t.co/phxWnZe #Sys­tem­theo­rie #nextsociety

  3. Ganz ex­zel­len­ter Es­say von @autopoiet über die Kunst im Netz­werk der nächs­ten Ge­sell­schaft: http://t.co/XJDJ7Zm („Lob der Ko­pie“! @dvg)

  4. […] Video-Fundstück. Glei­cher­ma­ßen pas­send als Ape­ri­tif oder An­schluss zum vor­an­ge­gan­ge­nen Arti­kel, der un­ter Inkauf­nahme ei­nes Um­wegs über China die siebte der fünf­zehn The­sen Dirk Baeckers […]

  5. […] hat mit der sieb­ten sei­ner 15 The­sen ge­rade eine ganz lau­nige Dis­kus­sion un­ter Sys­tem­theo­re­ti­kern (au­to­po­iet und Dif­fe­ren­tia) an­ge­sto­ßen, die sich dar­über un­ter­hal­ten, wie denn wohl eine sol­che Kunst […]

  6. […] fin­det sich auf der Home­page der zkmb auch eine aktua­li­sierte Ver­sion mei­nes zu­vor hier im Blog publi­zier­ten Arti­kels „Eine neue Kunst für eine neue Gesell­schaft“ – jetzt also ganz […]

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