Permalink

14

„Eine neue Kunst für eine neue Gesellschaft?“


„Die Kunst der nächsten Gesellschaft ist leicht und klug. Sie weicht aus und bindet mit Witz. Ihre Bilder, Geschichten und Töne greifen an und sind es nicht gewesen.“ – Dirk Baecker, These 7 (zweite Fassung)

„[T]o use the word social for such a process is legitimated by the oldest etymology of the word socius: ‚someone following someone else‘, a ‚follower‘, an ‚associate‘.“ – Bruno Latour, Reassembling the Social1


Eine (Ver-)Sammlung von Gedanken zur Kunst der nächsten Gesellschaft. Im Anschluss an die jüngst online publizierten Thesen Dirk Baeckers, eine daran anschließende Bemerkung von Arne zur Funktion von Musik in der Romantik, sowie unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die siebte der fünfzehn Thesen, eben jene zur Kunst, kurz nach ihrer Publikation eine nicht unerhebliche Überarbeitung erfahren hat. Zugleich: Die Spur eines Gedankenspiels (unter Inkaufnahme eines Umwegs über China). Und nicht zuletzt: die grobe Skizze einer notwendigen Übersetzung.

Das Ausweichen der Kunst.

Wann, wo und wie gelingt Kunst oder kann Kunst gelingen? Diese Fragen stellen sich nicht nur bei ihrer Herstellung oder Beurteilung, sondern auch bei Kunst-Beobachtung durch Theorie – und wir schlagen für eine erste Näherung (und möglicherweise wenig überraschend) vor, hierbei an Systemtheorie zu denken. Dies bedeutet: Mit Kunst wird eine Form der Kommunikation beobachtet, „die es erlaubt, auf mehr oder minder elaborierte Art und Weise zu inszenieren, dass man wahrnimmt, was man wahrnimmt und wie man wahrnimmt.“2 Gerade weil eine Mitteilung (und es ist dabei zunächst unerheblich, ob es sich um ein Gedicht, eine Sonate, eine Statue, ein Theaterstück, eine Choreographie, ein Gemälde oder ein handelsübliches Urinal handelt) als Kunst verstanden wird oder im Medium der Kunst beobachtet wird, ist Kunst immer schon ausweichend: Sie widerstrebt ihrer eindeutigen Festlegung. Das galt nicht immer und eine solche Lesart ist keineswegs voraussetzungsfrei – wir werden später auf diesen Punkt zurückkommen.
Trotzdem und gerade deswegen können sich Betrachter ruhigen Gewissens auf das Angebot der Kunst einlassen: Es handelt sich um ein Angebot von Beobachtungsbeobachtung in Form von Kunstwerken, um eine „Emanzipation der Kontingenz“, wie Niklas Luhmann im Rückgriff auf David Roberts schreibt3 – also um eine (Re-)Aktivierung ausgeschlossener Möglichkeiten des Unterscheidens4, die Schaffung eines diskursiven Raums alternativer Potentiale. Notfalls geschieht das in eigens zu diesem Zwecke ausgewiesenen Schutzzonen (also Kunstmuseen, Konzerthallen, Theatern).

Ruhigstellen.

Kunst weicht aus. Bei aller kommunikativen Turbulenz, die sie entfalten kann, hat das einen ähnlich beruhigenden Effekt, wie ihn Luhmann zunächst mit Blick auf das Wirtschaftssystem beschrieben hat. Es sei daher ein erster kurzer Umweg erlaubt: „Weil der Erwerber zahlt, unterlassen andere einen gewaltsamen Zugriff auf das erworbene Gut. Geld wendet für den Bereich, den es ordnen kann, Gewalt ab – und insofern dient eine funktionierende Wirtschaft immer auch der Entlastung von Politik. Geld ist der Triumph der Knappheit über die Gewalt.“ Dies nennt Luhmann die „unwahrscheinliche friedliche Lösung“ durch das Geldmedium.5
Sehr aufmerksam weist Athanasios Karafillidis auf eine sehr ähnliche Motivierung zum Stillhalten durch Kunst hin: Das Handeln des Künstlers und das Erleben des Betrachters beruhigen Dritte in Anbetracht abweichender Unterscheidungsroutinen – möglicherweise ermutigen sie diese sogar, sich auf Abweichungen einzulassen. Die Konsequenzen werden in funktional differenzierten Gesellschaften in der Regel künstlerisch verhandelt, Gefängnis- oder Geldstrafen stellen Ausnahmen dar: „Die Akzeptanzschwelle für das Zulassen ungewöhnlichen Handelns und Erlebens verschiebt sich“.6 Kunst ist dann Kunst qua Kunst – und nicht etwa Erregung öffentlichen Ärgernisses (qua Recht – obschon sie natürlich immer ein Ärgernis darstellen kann).

Zirkulieren und Zittern.

Wenn Kunst in dieser Hinsicht bereits in der Moderne ausweicht – wie ist Dirk Baeckers These („Sie weicht aus und bindet mit Witz. Ihre Bilder, Geschichten und Töne greifen an und sind es nicht gewesen?“) unter Strukturbedingungen des Netzwerkes zu verstehen?7 Was ist das Neue daran?
Die Kunst der nächsten Gesellschaft „zittert im Netzwerk“, wie es in einer ersten Fassung der 15 Thesen hieß.8 Wenn man zum besseren Verständnis der These auf Baeckers Beschreibung des Netzwerkes rekurriert, und damit einen Prozess wechselseitiger Kontrollversuche von Identitätsentwürfen (von „Personen, Institutionen, Ideologien und Geschichten“) zu Grunde legt9 – beispielsweise also einer community, was gilt dann unter Bedingungen der dauernden Bezugnahme und des rekursiven Zusammenspiels für die Kunst? Wie wäre die „Emanzipation der Kontingenz“, mithin Kunst, im Netzwerk zu begreifen? Und was wäre daran wirklich neu?
„Emanzipation der Kontingenz“ bedeutet, so soll der vorläufige Vorschlag lauten, unter strukturellen Bedingungen des Netzwerks das Aufzeigen von Differenz und Kontrollverlust. Und hier kann der europäischen Moderne ein Abdriften hilfreich sein: Ein Umweg des Denkens, wie ihn François Jullien über China so unermüdlich vorschlägt: „Das Ziel [des Umwegs] ist also, zum Ungedachten des Denkens zurückzukehren […]. Dies bezeichne ich als eine Dekonstruktion von außen.“10 Oder anders: „Wer Umwege geht, wird ortskundig.“

Ent-Schöpfung.

Die alteuropäisch-essentialistische Tradition denunziert (ausgehend von der reinen Idee, über die Furcht vorm Abglanz der bloßen Abbildung und dem resultierenden Mimesis-Verbot) die Kopie als mangelhaft – als bloße „Nachäffung“11, die der Originalität des Genies minderwertig gegenübersteht. Ganz anders dagegen die chinesische Tradition und ihre Vorstellung von Originalität: Das Original ist im klassischen Chinesisch eine „echte Spur“ (zhen-ji bzw. 真跡).12
Das Verfolgen der Spur schließt Modifikationen, Umschriften oder neue Unterschriften des Vorausgegangenen explizit ein. Das Kunstwerk bleibt ein wandlungsfähiges Medium, unbeseelt13 – und darum erneuerbar. Diese faszinierende Haltung zur Kunst kann hier nicht weiter thematisiert werden – lediglich ihre Erzeugung von Differenzen durch Iteration, Variation und Modulation14, ihr Übersetzen von Mitteilungen durch Ketten von Akteuren (im Sinne Bruno Latours), ihre Transsubstantiation15 ist für die vorliegende Frage besonders aufschlussreich und theoretisch in hohem Maße anschlussfähig.
Das Shanzhai (山寨), ursprünglich ein chinesischer Neologismus für gefälschte Markenprodukte (und mittlerweile sogar deren CEOs), schöpft aus dem Vorrat vorhandener Formen, bleibt stets vorläufig („always beta“), verzichtet auf den individuellen Heroismus der Autorschaft, erreicht gegebenenfalls subversives Potential und schafft Hybride.16
Dabei geht nichts Essentielles verloren, denn auf solche Hypotheken wird von Beginn an dankend verzichtet.

Weg-Weisen.

Urheberschaft wird invisibilisiert, Einschnitte werden vermieden, der Identität eine Differenz, besser: das aktive Differieren, entgegengesetzt.17 Mit Bruno Latour ist ein Netzwerk dann nicht mehr als etwas Äußerliches zu begreifen, das die Übersetzungen der Akteure kontrolliere – sondern als eben das, „was mittels dieser Übersetzungen […] aufgezeichnet wird.“18
Es gilt, die „Beziehungsgeschichte“19 zu lesen, Assoziationen zu verfolgen – und das scheint mit der oben erwähnten Netzwerk-Beschreibung Baeckers durchaus vereinbar: Er vermerkt, dass man „jede Nuancierung der Wortwahl, jeden Wechsel in der Intensität der Zuwendung, jedes Zögern und jedes Unterstreichen, jede Verwirrung und jede Begeisterung als Arbeit an der Variation einer Identität im Kontext der Variation von Kontrollversuchen innerhalb eines Netzwerks lesbar machen kann.“20 Die Resonanzen des Netzwerkes desavouieren die Unterscheidungen von Subjekt und Objekt („die Verfassung der Moderne“), von Künstler und Publikum, von Produzent und Konsument – überall finden sich Verstärker, Faker, Lautsprecher, Mit-Teiler, Follower, Prosumenten.

Die Kunst der Computergesellschaft ist möglicherweise „leicht und klug“, wie Dirk Baeckers siebte These nahelegt, sie „weicht aus und bindet mit Witz“. Sie sollte sich vor Feigheit hüten – aber das ist eine andere Geschichte.21 „Ihre Bilder, Geschichten und Töne greifen an…“ – und jetzt ergänze man im Sinne des beschrittenen Umweges einen Bindestrich – „… und sind es nicht ge-wesen.“
Die Posse, die community, das „Projet als Sujet“22, die Übersetzungsketten oder das Interviduelle – sie alle  setzen auf den Weg, nicht auf das Wesen. An ihren Kontroversen – und nur dort! – wird Zirkulation sichtbar, und hier beginnt dann die eigentliche Arbeit des Analytikers. Achten wir auf die Spuren.

(PDF-Download: „Eine neue Kunst für eine neue Gesellschaft?“ (119 kB). Verwendete Grafik: Katsushika Hokusai, Ausschnitt aus „Kaijo no Fuji“, 1834)



Literatur.

  • Ahrens, Sönke: Experiment und Exploration. Bildung als experimentelle Form der Welterschließung, Bielefeld 2011.
  • Baecker, Dirk: Form und Formen der Kommunikation, Frankfurt/Main 2007.
  • Baecker, Dirk: „Possen im Netz“, Beitrag zur Tagung „Networking: Zur Performanz distribuierter Ästhetik”, Ludwig-Maximilians-Universität München, 9.-11. Oktober 2009.
  • Han, Byung-Chul: Shanzhai 山寨. Dekonstruktion auf Chinesisch, Berlin 2011.
  • Jullien, François: Umweg über China, in: Dirk Baecker u.a. (Hg.): Kontroverse über China, Berlin 2008.
  • Kant, Immanuel: Kritik der Urteilskraft, hg. v. Wilhelm Weischedel, Frankfurt/Main 1974.
  • Karafillidis, Athanasios: Soziale Formen. Fortführung eines soziologischen Programms, Bielefeld 2010.
  • Kerler, Frieder: Spur, Rekonstruktion, Medium, in: Meyer, Torsten, Tan, Wey-Han, Schwalbe, Christina, Appelt, Ralf (Hg.): Medien & Bildung. Institutionelle Kontexte und kultureller Wandel, Wiesbaden 2011.
  • Latour, Bruno: Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft, Frankfurt/Main, 2007.
  • Luhmann, Niklas: Die Kunst der Gesellschaft, Frankfurt/Main 1997.
  • Luhmann, Niklas: Die Wirtschaft der Gesellschaft, Frankfurt/Main 1994.
  • Meyer, Torsten: Projet Supposé Savoir, in: Pazzini, Karl-Josef, Schuller, Marianne, Wimmer, Michael (Hg.): Lehren bildet? Vom Rätsel unserer Lehranstalten, Bielefeld 2010.

Anmerkungen

  1. Latour, Bruno: Reassembling the Social. An Introduction to Actor-Network-Theory, Oxford 2005, S. 108. In der deutschen Übersetzung: „[D]as Wort sozial für einen solchen Prozeß zu verwenden [ist] durch die älteste Etymologie des Wortes socius gerechtfertigt: ‚jemand, der jemand anderem folgt‘, ein ‚Gefolgsmann‘, ein ‚Gefährte‘, Gesellschafter (associate).“ Vgl. ders.: Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft, Frankfurt/Main, 2007, S. 188.
  2. Baecker, Dirk: Form und Formen der Kommunikation, Frankfurt/Main 2007, S. 190.
  3. Luhmann, Niklas: Die Kunst der Gesellschaft, Frankfurt/Main 1997, S. 498.
  4. Vgl. dazu das von Arne beschriebene „Kunstlied“: Die zuckrig-süße Form des romantischen Reimens erfüllt oberflächlich den traditionellen Ästhetikcode der Kunst, schön/häßlich – der seinerseits zeitlichen Moden unterliegt. Die metaphorische Ironie des Romantischen verweist allerdings über diese Engführung hinaus auf eine im Kunstwerk selbst generierte Anschlussfähigkeit: Ihre Analogie zu den Schicksalsschlägen des Dichters kann, entsprechende Kenntnis des Kontextes vorausgesetzt, als Information eigene Ordnung (und damit: imaginäre Realität) generieren. Wie immer gilt auch hier: Kommunikation realisiert sich im Verstehen und die Anschlussfähigkeit für das Begreifen der Mitteilungsform als Information kann nicht garantiert werden. Zur Form der Ironie und zum produktiven Umgang mit ihrer Paradoxie vgl. holzschnittartig: Plönges, Sebastian: Postironie als Entfaltung, in: Meyer, Torsten, Tan, Wey-Han, Schwalbe, Christina, Appelt, Ralf (Hrsg.): Medien & Bildung. Institutionelle Kontexte und kultureller Wandel, Wiesbaden 2011.
  5. Luhmann, Niklas: Die Wirtschaft der Gesellschaft, Frankfurt/Main 1994, S. 253.
  6. Karafillidis, Athanasios: Soziale Formen. Fortführung eines soziologischen Programms, Bielefeld 2010, S. 320.
  7. Wenn man die dritte These Baeckers akzeptiert, wonach die Strukturform der Computergesellschaft nicht mehr funktionale Differenzierung sei, sondern das Netzwerk: „An die Stelle sachlicher Rationalitäten treten heterogene Spannungen, an die Stelle der Vernunft das Kalkül, an die Stelle der Wiederholung die Varianz.“
  8. Vgl. zum Update der siebten These die zweite Hälfte dieses Kommentars.
  9. Vgl. Baecker, Form und Formen, S. 226.
  10. Jullien, François: Umweg über China, in: Dirk Baecker u.a. (Hg.): Kontroverse über China, Berlin 2008, S. 10.
  11. Kant, Immanuel: Kritik der Urteilskraft, §49, hg. v. Wilhelm Weischedel, Frankfurt/Main 1974, S. 255.
  12. Vgl. Han, Byung-Chul: Shanzhai 山寨. Dekonstruktion auf Chinesisch, Berlin 2011, S. 19.
  13. Vgl. ebd., S. 60.
  14. Vgl. ebd., S. 71.
  15. Vgl. dazu nur die für europäische Ohren verwunderliche Konservierung des shintoistischen Ise-Schreins in Japan. Wahlweise bei Ahrens, Sönke: Experiment und Exploration. Bildung als experimentelle Form der Welterschließung, Bielefeld 2011, S. 186 oder Han, Shanzhai, S. 63ff.
  16. Man denke nur an die stille Wandlung vom Maoismus, mit Han streng genommen in Ermangelung eines chinesischen Arbeiterproletariats bereits selbst „Shanzhai-Marxismus“, zum hyperkapitalistischen Politikhybriden der Gegenwart!
  17. Vgl. Han, Shanzhai, S. 84
  18. Latour, Neue Soziologie, S. 188.
  19. Vgl. Kerler, Frieder: Spur, Rekonstruktion, Medium, in: Meyer, Torsten, Tan, Wey-Han, Schwalbe, Christina, Appelt, Ralf (Hg.): Medien & Bildung. Institutionelle Kontexte und kultureller Wandel, Wiesbaden 2011, S. 283: „Spuren geben ihre Bedeutung nur dem preis, der sie sozusagen als ‚Beziehungsgeschichte‘ zu lesen vermag, der ihre Relationen, ihre Bedeutungs-Bezüge herzustellen weiß; kurz: ihren Kontext kennt.“
  20. Baecker, Form und Formen, S. 232. Zur Verwendungsweise der Begriffe Identität und Kontrolle vgl. ebd, S. 228ff.
  21. Es muss aber heißen: Witz nicht mit Ironie zu verwechseln. Vgl. dazu ausführlich: Ahrens, Experiment und Exploration, S. 193f. oder den Blog-Artikel „Humor als elaborierte Form“.
  22. Vgl. Meyer, Torsten: Projet Supposé Savoir, in: Pazzini, Karl-Josef, Schuller, Marianne, Wimmer, Michael (Hg.): Lehren bildet? Vom Rätsel unserer Lehranstalten, Bielefeld 2010. Vgl. dazu auch die Ankündigung zur Tagung „Subjekt, Medium, Bildung“.

14 Kommentare

  1. … heute morgen ganz frisch zu Ballett als moderner Kunstform gebloggt. Grüße aus Dresden, der Stadt am Rande der Republik, die es in sich hat…

  2. Pingback: Reflexivität statt Rationalität #systemtheorie #netzwerktheorie « Differentia

  3. Post scriptum: Archäologie.

    Kusanowsky bezeichnet die künftige Aufgabe unter Zuhilfenahme einer m.E. sehr treffenden Metapher eine Form der „nächsten Archäologie“ – ihres Zeichens Datenspuren- und Serverarchäologie. Die Metapher gefällt mir ausgesprochen gut, insbesondere wenn man in Rechnung stellt, dass die Archäologen und ihre Werkzeuge selbst wiederum Spuren hinterlassen – und damit für Fragen der wechselseitigen Kontrollabfrage durch das network nicht privilegiert behandelt werden. (Warum sollten sie auch?)

    „[…] Das geht vermutlich durch Herausbildung einer Form von Erfahrung, die nicht mehr Rationalität in Aussicht stellt, sondern Reflexivität permanent überprüft. Es wäre dann Reflexivität, die Anschlussfähigkeit integriert. Das bedeutet, dass nicht mehr danach gefragt wird, von welchem Fach man ist, welchen Beruf man hat, welche Methoden man bevorzugt; und schon gar nicht, dass Bekenntnisfragen abgeprüft werden müssten. Stattdessen dürfte die Paradoxiehaltigkeit von Sinnangeboten von Erwartbarkeit in performative Indifferenz überführt werden. Und wer da nicht mithalten kann, wer sich als reflexiv untauglich erweist, den daraus resultierenden „Schwachsinn“ auszuhalten, scheidet aus durch Verlust von Anschlussfähigkeit. Funktionieren könnte dies gerade dann, wenn die technikintensiven Voraussetzungen für die Kommunikation durch Technik selbst erweitert und eingeschränkt werden, dass für Rationalität allein Roboter und Software zuständig wären, weil diese Verfahrensweisen die einzigen sind, auf die man sich tatsächlich verlassen kann. Ob das dann immer zum Vorteil einzelner Mensch ist, sei dahin gestellt.[…]“

    (weiterlesen)

  4. Pingback: systemtheorie (@systemtheorie) (@systemtheorie)

  5. Pingback: unterscheider (@unterscheider)

  6. Was bedeutet das für andere Systeme als Kunst? Lässt sich diese Relativierung des Originals auf andere Systeme übertragen, Wissenschaft z.B.? Oder ist das einfach typisch postmodern? Muss man nicht auch die „Shanzhai-Dissertation“ vom Exminister Guttenberg als zeitgemäßen „Remix“ alter Forschungsfragmente begreifen statt als Betrug?

  7. Pingback: „Der Weise hängt an keiner Idee“ — autopoiet/blog

  8. Pingback: » Die Utopie: Netztheater für eine globale Öffentlichkeit Postdramatiker

  9. Pingback: Online-Zeitschrift Kunst Medien Bildung — autopoiet/blog

  10. Pingback: raumlabor » DAS GUTE UND DAS ÖFFENTLICHE

  11. Pingback: Eine neue Kunst für eine neue Gesellschaft?* | zkmb

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.