Baecker: „Ein Ausblick auf die [nächste] Gesellschaft“

Un­ter dem Ti­tel „Ob­ser­ving Net­works. Ein Aus­blick auf die [nächste] Ge­sell­schaft“ er­wei­tert Dirk Ba­ecker im Rah­men sei­ner Keynote auf der dies­jäh­ri­gen X-Mess die Ba­sis sei­ner Ana­lyse der Com­pu­ter­ge­sell­schaft. Das ge­schieht zu­nächst ganz im Geiste Mar­shall McLu­hans, wenn Ba­ecker den Com­pu­ter und das In­ter­net als For­men der Zäh­mung je­ner Tur­bu­len­zen (oder des be­wäl­ti­gen­den Um­gangs mit ih­nen) be­schreibt, mit de­nen die Ge­sell­schaft in Folge der Ein­füh­rung der Elek­tri­zi­tät vor 150 Jah­ren kon­fron­tiert war – und nach wie vor ist.
Eine la­tente Un­ruhe und das ver­mehrte Auf­tre­ten von Über­ra­schun­gen in ver­schal­tungs­rei­chen Mög­lich­keits­räu­men kon­fron­tiere den Be­ob­ach­ter im Netz­werk mit der Not­wen­dig­keit ei­ner „Theo­rie der Schal­tun­gen“, so Ba­eckers Dia­gnose; zeit­ge­nös­si­sche Be­schrei­bun­gen der Sys­tem– oder Netz­werk­theo­rie kön­nen da­bei als Über­set­zun­gen von Schal­tun­gen für so­ziale Phä­no­mene ge­dacht wer­den. So lässt sich die ver­meint­lich fu­tu­ri­sie­rende Rede von der nächs­ten Ge­sell­schaft ad­äquat als Ar­chäo­lo­gie der Ge­gen­wart ernst neh­men: Eine for­male Heu­ris­tik be­greift kon­krete so­ziale For­men als Span­nung er­zeu­gende und so gleich­sam mar­kierte wie mar­kie­rende Test­son­den im Kon­text un­zu­ver­läs­si­gen Wis­sens. Ein ex­pe­ri­men­tel­ler Ein­satz sol­cher „Son­den der Un­ruhe“ er­laubt das pro­vi­so­ri­sche Rech­nen mit un­be­kann­ten Kon­tex­ten – die ge­gen­wär­tig schon tat­säch­lich sind. Die Be­ob­ach­tungs– oder Form­theo­rie bie­tet ein zu die­ser Her­aus­for­de­rung pas­sen­des Instrumentarium: Mit Ver­weis auf den Form­kal­kül Ge­orge Spen­cer Browns und die ope­ra­ti­ven Fi­gu­ren von cross und re-entry geht die im­pli­zite Auf­for­de­rung ein­her, sich über die Welt mit Hilfe so­zia­ler For­men zu in–for­mie­ren. Spen­cer Browns Theo­rie der Schal­tun­gen er­laubt es, die Em­pi­rie der Form als Form der Em­pi­rie zu den­ken: „Et­was, das man nur aus­pro­bie­ren kann.“