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Baecker: „Ein Ausblick auf die [nächste] Gesellschaft“

Unter dem Titel „Observing Networks. Ein Ausblick auf die [nächste] Gesellschaft“ erweitert Dirk Baecker im Rahmen seiner Keynote auf der diesjährigen X-Mess die Basis seiner Analyse der Computergesellschaft. Das geschieht zunächst ganz im Geiste Marshall McLuhans, wenn Baecker den Computer und das Internet als Formen der Zähmung jener Turbulenzen (oder des bewältigenden Umgangs mit ihnen) beschreibt, mit denen die Gesellschaft in Folge der Einführung der Elektrizität vor 150 Jahren konfrontiert war – und nach wie vor ist.
Eine latente Unruhe und das vermehrte Auftreten von Überraschungen in verschaltungsreichen Möglichkeitsräumen konfrontiere den Beobachter im Netzwerk mit der Notwendigkeit einer „Theorie der Schaltungen“, so Baeckers Diagnose; zeitgenössische Beschreibungen der System- oder Netzwerktheorie können dabei als Übersetzungen von Schaltungen für soziale Phänomene gedacht werden. So lässt sich die vermeintlich futurisierende Rede von der nächsten Gesellschaft adäquat als Archäologie der Gegenwart ernst nehmen: Eine formale Heuristik begreift konkrete soziale Formen als Spannung erzeugende und so gleichsam markierte wie markierende Testsonden im Kontext unzuverlässigen Wissens. Ein experimenteller Einsatz solcher „Sonden der Unruhe“ erlaubt das provisorische Rechnen mit unbekannten Kontexten – die gegenwärtig schon tatsächlich sind. Die Beobachtungs- oder Formtheorie bietet ein zu dieser Herausforderung passendes Instrumentarium: Mit Verweis auf den Formkalkül George Spencer Browns und die operativen Figuren von cross und re-entry geht die implizite Aufforderung einher, sich über die Welt mit Hilfe sozialer Formen zu in-formieren. Spencer Browns Theorie der Schaltungen erlaubt es, die Empirie der Form als Form der Empirie zu denken: „Etwas, das man nur ausprobieren kann.“

8 Kommentare

  1. Pingback: Thomas Dolby (@thdolby)

  2. Wertvolle Überlegungen zum Gefährten „Schaltung“ finden sich nach wie vor bei:

    Brosziewski, Achim: Aufschalten: Kommunikation im Medium der Digitalität. Konstanz, Universitätsverlag, 2003, ISBN Nummer 3-89669-755-2

  3. @Wigbert Traxler:

    Danke für den Tipp, werde mal reinschauen. Du hast nicht zufällig Abbildung 1 (Seite 83) zur Hand? Die Form der Digitalität?

  4. Pingback: Die nächste Gesellschaft und ein komplexer Regalzufall « professorbunsens netzlabor

  5. Pingback: Richy B (@sociosyphos)

  6. Pingback: »They shall not pass…«Closed Access, Elsevier und die Jagd nach Reputation. — autopoiet/blog

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