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Perpetuum Mobile


Eine Maschine befindet sich beständig in Bewegung. Zeitlos, irritationsresistent, indifferent, gleichsam autistisch. Sie operiert ohne Reibungsverluste, ohne Kraftquelle und generiert Energie aus dem Nichts.

Die Vorstellung des perpetuum mobile entfaltet ihre Wirksamkeit zunächst im Milieu einer harmonisch gestalteten Ordnung, angetrieben von kosmischen Mächten oder einem „unbewegten Beweger“, und später in der abstrakten Zeitunabhängigkeit des Newton’schen Universums. Scharen von Erfindern, Forschern und Wissenschaftlern arbeiten – ohne den gewünschten Erfolg – an den Grenzen der Physik. Die Erkenntnisse moderner Thermodynamik markieren schließlich den Übergang von suchender Produktion zu produktiver Suche und bringen Gewissheiten: Energie wird übertragen, nicht erzeugt. Es lassen sich keine Maschinen mit einem hundertprozentigen Wirkungsgrad bauen. Das perpetuum mobile ist ein Un-Ding; seine Funktion bestenfalls Funktionsunfähigkeit.

Was hat das nun mit „Medien & Bildung“ zu tun? Vermutlich viel. Ein stiller Protagonist dieser Geschichte ist das Thermometer; nicht ein Hauptsatz der Thermodynamik (oder „Wärmelehre“, wie man im deutschsprachigen Raum noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zu sagen pflegte) hätte ohne ein zuverlässiges Verfahren der Temperaturmessung formuliert werden können. Das gewohnheitsmäßige Übersehen der Bedeutung des Thermometers mag ein Anlass sein, die Aufmerksamkeit auf noch grund-legendere Medien (z.B. Kausalität, Technik, wissenschaftliche Erklärung) zu richten. Denn wer das Medium für selbstverständlich hält oder gar unterschlägt, wird entscheidende Spuren übersehen, falsch übersetzen oder Flexibilität einbüßen.
Und wer unaufhörlich(e) Leistung fordert, sollte brauchbare Thermometer besitzen.

(Textentwurf für das Editorial des nächsten Vorlesungsverzeichnisses „Medien & Bildung“ mit dem Oberthema Mobilität/Mobiles. Grafik: Wikipedia)

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