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„Die Erziehung der nächsten Gesellschaft bleibt ratlos“

Während im Netz-Feuilleton noch der Jargon der hier kürzlich diskutierten 15 Thesen Dirk Baeckers Gegenstand wortgewaltiger Kritik ist, die Form der Kritik ihrerseits Kritik erfährt (vgl. ebd., Kommentar-Abschnitt) und das wiederum eine ganze Kaskade kontroverser Kommentare und Beobachtungen nach sich zieht (die ihrerseits durchaus von Interesse sind, weil sie unter diesen Laborbedingungen von Internetkommunikation eine ebenso exemplarische wie präzise Soziologie des Konflikts erlauben1 – dabei aber nur noch indirekt mit den Thesen selbst zu tun haben), legt Dirk Baecker noch einmal nach und erhöht auf nunmehr 16 Thesen zur nächsten Gesellschaft.
Interessanterweise hat der Nachrücker, im Dokument eingereiht als Nummer 10, die Erziehung zum Gegenstand:

(10) Die Erziehung der nächsten Gesellschaft bleibt ratlos. Sie verlässt sich auf eine Zweiseitenform, der gemäß wichtig nur sein kann, was nicht in der Schule vorkommt.

Im Kontext der übrigen Thesen nachzulesen hier.
Bemerkenswert – und möglicherweise unerwartet – ist auf den ersten Blick die anhaltende Bedeutung von Schule für die Erziehung der Computergesellschaft. Aufschlussreich und „zukunftsfähig“ (im Sinne der Überschrift von Baeckers Thesenpapier) stellen sich dann Fragen nach Möglichkeiten projektförmiger Erweiterung der dargelegten Zweiseitenform – hin zu einem produktiven Umgang mit Formen selbst. Darauf wird beizeiten zurückzukommen sein.

 


Abbildung:
Ausschnitt aus „Ten Thousand Miles of the Yangtze River“, unbekannter Urheber. Quelle: Wikipedia.

Anmerkungen

  1. Eine Auswahl:

19 Kommentare

  1. Erstaunlich. Meine Tochter ist gerade mal 14 Monate und ich mache mir jetzt schon Gedanken darüber, wie die Schule leisten soll, was ich als Erziehung verstehe. Diese These trifft mein privates Problembewußtsein auf den Punkt.

  2. @Stefan:
    In der Tat, meins auch.
    Die Schocktherapie: Die Theoriekrise der Erziehungswissenschaft nutzen, weniger um Klassikerauslegung kümmern, Schulleitungen weiterhin mit Hilfe von Incentives klassisch konditionieren. Vor allem aber wohl: Die Einsicht, dass Lernen Zufall bleibt. Und außerhalb des Erziehungssystems ebenso wahrscheinlich ist wie innerhalb…

  3. Ich hab sogar ne Konzeptidee für eine Schule. Ich werde es demnächst mal auf dem üblichen Wege ausformulieren – es wird „Team- und Themenschule“ heissen.

  4. verstehe deine hinweise unter „anmerkungen“ nicht ganz…

    – „privatmeinung des einzelnen“
    – „troll“
    – „grenzgänger“

    eieiei… also… ähm… solches würde ich umstandlos mit #AIBS labeln ;-)

    mir scheint, du fällst in einen „subtraktionismus“ zurück. (um ein zweites wort aus „die form der unruhe“, band 2, zu brauchen.) das wort „zurück“ sehr bewusst… geht es doch um was „nächstes“ ;-)))

  5. Pingback: #dfdu /sms ;-) (@sms2sms) (@sms2sms)

  6. @sms:

    Das ist schnell erklärt! Wenn Dir die obige Listenform der Hyperlinks mit Datumsangabe „subtraktionistischer“ Aufarbeitung verdächtig ist, ahne ich, warum. Tatsächlich handelt es sich dabei vorrangig um Verweise auf drei unterschiedliche, teils sehr unterschiedliche Artikel, die nur noch entfernt mit Baeckers neuerdings 16 Thesen zu tun haben (darum auch die Fußnote). Sie beschäftigen sich mit einer Kontroverse, die zwar bei den Thesen ihren Anfang nahm, mittlerweile und bestenfalls aber nur noch auf einen zweiten, „soziologischen“ Blick mit ihnen zu tun haben – und zwar, wenn Du so willst, mit einem „konfliktsoziologischen Blick für die nächste Gesellschaft“. Was geschah, ist – kurz skizziert – folgendes:

    1. Baecker publiziert seine (damals noch 15) Thesen.
    2. Sie werden hier und dort rezipiert (u.A. hier, dort, bei Stefan, schließlich bei Telepolis).
    3. Jörg Wittkewitz zweitverwertet seinen TP-Artikel bei den Netzpiloten. Eine kontroverse Diskussion entsteht, die sich aber mehr und mehr als Diskussion über die Diskussion herausstellt.
    4. Aus der Kontroverse selbst ist lehrbuchartig hochintegrierende Konfliktkommunikation geworden: Sie bleibt relativ überschaubar und ist gut mit Tracern nachzuzeichnen. Sie eignet sich damit besonders als Gegenstand weiterer Kommunikation, teils wertend, teils nicht.
    5. Solche Kommunikation wird produktiv und mehr oder weniger abgekühlt als empirisches Datum für Konfliktbeobachtung unter Bedingungen der Internetkommunikation genutzt.
    6. Die Linkliste oben bündelt die ersten Kommentare. Zu Dokumentationszwecken und/oder für weitere, produktive Nutzung.

  7. nicht zu schnell. weder beim beobachten, schon gar nicht beim bewerten und grad gar nicht beim so tun, als wäre irgend eine als praxis zur darstellung gebrachte praxis irgend eine als theorie zur darstellung gebrachte theorie bestätigt worden.

    „subtraktionistisch“ meint u.a. auch, so zu tun, als wäre eine erfolglreich linear-kausale darstellung von komplexen prozeduren ein beweis. im bereich der kompliziertheit, der mechanik, ein wunder; im bereich der komplexität aber, er_findet solches mir bloss schwachen sinn. weil es uns (ok: mir!) nach einem stärkeren sinn steht, wenden wir (ok: ich!) den trick mit dem so tun, als entwickelte sich eine #nextsociety an.

    noch einmal: ohne die drei texte zu kennen: wenn ich „worte“ – welche freilich „konzepte“ re-präsentieren! – lese wie

    – pri­vat­mei­nung des ein­zel­nen
    – troll
    – digitale grenzgänger

    dann weiss ich, dass diese eine gänzlich andere „baustelle“ vertreten. eine vorherige. eine alte. jaja: #buchdruck. eben: eine andere. mich interessiert die „nächste“. jaja: #computer.

    möglichst einfach. aber nicht einfacher.

  8. @sms:

    Nein, keine Sorge: weniger lineares Ordnern, eher notizartiges Verweisen. Ich befürchte übrigens, dass Du den drei Texten Unrecht tust, wenn Du sie thematisch auf eine komplett andere Baustelle verschiebst (möglicherweise auch ein Fall für #dfdu, Bd.2, Kap.3?): Ich verfolge zumindest die Blogs von Klaus und Stefan seit geraumer Zeit und schätze die Arbeit von beiden sehr. Bei dem Projekt der „Trollforschung“ und den Gedanken zum „Privatmeinungsinternet“ handelt es sich m.E. nicht um generalisierendes „Internet-Bashing“, sondern um ebenso präzise wie lesenswerte Beobachtungen des alltäglichen kommunikativen Geschehens im Netz sowie der daraus resultierenden Herausforderungen. Und die sind gerade unter Gesichtspunkten der next society beachtens- und bedenkenswert.

  9. Pingback: Michael Wald (@Filterraum) (@Filterraum)

  10. Herr Seydel, wie wollen sie denn die nächste Gesellschaft erkunden, wenn sie sich soweit aus der Resonanz (Ihre Unruhe) zur jetzigen Gesellschaft verabschieden, dass sie Sebastian nicht vertrauen, sondern von ihm zur Lektüre überredet werden müssen, nachdem! sie ihr Urteil schon gefällt hatten?

    Ich kenne ihre rebell.tv Videos (von früher) und bin etwas erschrocken über den Grad an Gesättigtsein, den sie hier offenbaren.

    Grüße aus Bielefeld (hier sind wir noch am Ball).

  11. @stefan bitte verstehe mich nicht zu schnell.

    (ich habe nicht über dich, sondern über wörter und die für mich damit verbundenen konzepte eine aussage versucht.)

    tut mir leid, wenn ich sie damit verletzt habe! aber das war ganz unf gar nicht mrine intention.

    herzliche grüsse aus disentis / cordials salids da mustér

  12. Pingback: Die Internetkommunikation versäumt ihre Möglichkeiten « Differentia

  13. @sms

    Sie haben mich nicht verletzt und ich weiss, dass sie nicht über mich geurteilt haben, sondern über die Worte die sie oben fanden.

    Ich wiederum habe aber, darauf will ich noch einmal hinweisen, meinen Kommentar tatsächlich auf ihre Person bezogen.

    (Und sie wissen, was ich mit „ihre Person“ meine: Meine Erwartungen, die sie mit rebell.tv vor langer Zeit verursacht hatten.)

  14. Pingback: Felix Schaumburg (@schb) (@schb) (@schb)

  15. „Dar­auf wird bei­zei­ten zu­rück­zu­kom­men sein.“

    bist du da noch dran?

    unter tag #erziehung? odr besser ein anderer?

    (sehe auch, dass ich stefan nie mehr reagiert habe. sry)

  16. @sms:

    »Erziehung« oder #Erziehung sind wohl Verlegenheitsbegriffe. Ich würde derzeit eher fragen, wie #Nichtwissen (im positiven Sinne) anschlussfähig gemacht bzw. gedacht werden kann.

  17. ob @bazonbrock dann rufen würde: „souverän ist, wer den normalfall garantiert.“?

    hänge noch immer an einer fortsetzung der lsten der gelöschten unterscheidungen. #dfdu bd2

    dort sähe ich gerne #kindheit

    und darum kämen mir der verlegene begriffe #erziehung grad recht… ;-)

  18. Für die Erziehung hat der Kindheitsbegriff ja schon seit geraumer Zeit keine zentrale Bedeutung mehr (nicht zuletzt verwarf Luhmann seinerzeit ja noch das zu enge Konzept der Kindheit als Medium der Erziehung…). Es stellen sich doch zunächst die Fragen nach der a) Selektionsleistung des Systems und b) nach dem Umgang mit Wissen und Nicht-Wissen (mithin: Bildung).

  19. Pingback: Über die moderne Form der Empirie 9 @mkarbacher | Differentia

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