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»They shall not pass…«
Closed Access, Elsevier und die Jagd nach Reputation.

»At the risk of stating the obvious, we in the academic community create the ideas in our papers. We write the papers. We typeset the papers. We review the papers. We proofread the papers. We accept or reject the papers. We electronically archive and distribute the papers. If commercial publishers once played an essential role in this process, today their role is mostly to own the copyrights and to collect money from the universities.«
– Scott Aaronson

Der folgende Artikel wird so oder ähnlich im nächsten KVV »Medien & Bildung« erscheinen, das Titelthema heisst diesmal »Zugänge«. Weil das Thema Open Access nun schon seit einiger Zeit vehement diskutiert wird, möchte ich die Chance nutzen und den Artikel hier vor Druck zur Diskussion stellen. Er geht von folgenden Fragen aus…

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Zukunftsfähige Zukünfte

Im Anschluss an vorläufige Fazite und offene Fragen des Kölner „What’s next“-Symposiums und an die Diskussion meiner Replik auf Michael Seemanns Telepolis-Artikel soll im Folgenden die von Niklas Luhmann eingeführte Unterscheidung von gegenwärtiger Zukunft und zukünftiger Gegenwart aufgegriffen werden. Eine Unterscheidung, die für adäquate Analysen von Krisen und Zukünften unverzichtbar ist und in meinem Kölner Vortrag am Rande, im anschließenden Workshop aber an zentraler Stelle auftauchte – aber leider nicht vertieft werden konnte. Konkreter Anlass, diese Spur hier noch einmal aufzunehmen, ist die Lektüre der soeben erschienenen neu(nt)en Ausgabe der Revue für postheroisches Management. Sie trägt passenderweise den Titel „Zukunftsfähigkeit“. Ein Postscriptum. Weiterlesen

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„Märkte sind dumm, ungerecht und moralfrei…“

Der Kapitalismus ist, so betrachtet, nicht Problem, sondern Lösung – wenn auch eine Lösung, die neue Probleme schafft.

Fritz B. Simon hat in der FAZ-Reihe zur “Zukunft des Kapitalismus” einen ↳sehr lesenswerten Artikel geschrieben, der die systemtheoretischen Beobachtungen des Wirtschaftssystems im Rahmen einer Tageszeitungen angemessenen Komplexität zusammenfasst. Das metaphorische Fazit zur rezenten Krise:

Um zu der Metapher, mit der wir unsere Überlegungen begonnen haben, zurückzukommen: Die Wirtschaft ist das Boot, in dem wir alle sitzen. Deswegen müssen wir auch die Löcher stopfen, die seinen Untergang zur Folge hätten. Aber die Sinnfrage: Wohin wollen wir mit diesem Kahn fahren? – oder realistischer: Wo wollen wir auf keinen Fall landen? – muss öffentlich diskutiert und politisch entschieden werden. Dabei sollten wir uns darüber klar sein, dass Boote, die nicht gesteuert werden, an Ufer getrieben werden können, die man lieber nie entdeckt hätte.

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Wirt-schaft, Plural: Wirt-schaf-ten.

Im Gegensatz zum Wirtschaftssystem leistet sich das Erziehungssystem kaum Entropie.  Dies kann anhand der top down/bottom up-Unterscheidung symbolisiert werden.

Im Wirtschaftssystem garantieren basale Ereignisse eine hinreichende Instabilität zur Reproduktion: Geld, als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium, ermöglicht diese Zahlungsereignisse; sie bilden den Code des Wirtschaftssystems entlang der Differenz von Zahlung und Nichtzahlung.  Somit reproduziert sich das System quasi „von unten“ und ist in hohem Maße dynamisch: „Märkte erlauben eine soziale Ordnungsbildung ohne Interaktion und mit hohem Reaktionstempo. Das System reagiert nicht auf Strukturvorgaben, sondern auf Ereignisse und deren Antizipation.“ ((BRÜSEMEISTER, Thomas: Das Erziehungssystem zwischen Code und regionaler Differenzierung. Vergleiche mit dem Wirtschaftssystem, in: EHRENSPECK, Yvonne, LENZEN, Dieter (Hg.): Beobachtungen des Erziehungssystems. Systemtheoretische Perspektiven, 2006, S. 198.))

Das Erziehungssystem, insbesondere das Subsystem Schule, traut diesem entropischen bottom up-Verfahren nicht. Es richtet sich nach der „Governanceform“ Hierachie ((Ebd.)), einer top down-Regulierung von Seite des Staates. Nicht der Schüler bestimmt, was er lernen will; nicht einmal der Lehrer, sondern Kultusministerkonferenzen. Man muss nicht neoliberaler Marktfundamentalist sein, um sowas bedenkenswert zu finden.


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Ausblick

Mit dem Zwischenfazit ist nach einem Monat die Ouvertüre zu diesem Blog beendet. Der Problemkreis um Selbstreferenz, Paradoxien und strukturelle Defizite Ist (mit Blick auf das Erziehungssystem) angedeutet. In naher Zukunft werden die Beiträge in eine andere Richtung gehen; natürlich ohne das bisher Gesagte außer Acht zu lassen, im Gegenteil: Paradoxien und seltsame Schleifen werden uns als Grundlage immer begleiten. Nur wird der Blick sich in der nächsten Zeit auf eher praktische Fragen zur Verflüssigung der Paradoxien richten, die zahlreichen Anschluss-möglichkeiten im Résumé lassen erahnen, worüber zu sprechen sein wird.

Als Basis für den weiteren Weg soll eine Gegenüberstellung von Wirtschafts- und Schulsystem dienen, die ich ähnlich bei Thomas Brüsemeister fand. ((BRÜSEMEISTER, Thomas: Das Erziehungssystem zwischen Code und regionaler Differenzierung. Vergleiche mit dem Wirtschaftssystem, in: EHRENSPECK, Yvonne, LENZEN, Dieter (Hg.): Beobachtungen des Erziehungssystems. Systemtheoretische Perspektiven, 2006, S. 206.)) Ausgehend von der Unterscheidung zwischen bottom up und top down nähern wir uns der grassroots-Bewegung an, um im Anschluss Fragen nach dem generalisierten Kommunikationsmedium zu fokussieren.

Wirtschaftssystem Schulsystem
1. Das System reproduziert sich über… Ereignisse (bottom up) Governance (top down)
1.1. Basale Elemente Zahlungen/Nichtzahlungen „organisierte Interaktion“
1.2.  Bezugsproblem „Erzeugung und Regulierung von Knappheiten zur Entproblematisierung künftiger Bedürfnisbefriedigung.“ Selektion von Lebenschancen von Schülern für die Teilhabe an gesellschaftlicher Kommunikation (selektiver Umgang mit Personen/Karrieren)
2. Sekundärordnung nachgeordnet (z.B. Banken), stattdessen: Markt, der Ungleichheiten bei Bedürfnissen und Knappheiten voraussetzt und diese reproduziert (hohe Entropie) an erster Stelle Hierarchie, Steuerung im Sinne einer Inklusion aller (hohes Steuerungsbedürfnis)
3. Symbolisch generalisiertes Kommunikations-medium Geld bislang keines
4. Regionale Differenzierungen kommen vor (spielen jedoch in Luhmanns Beobachtungen kaum eine Rolle) sind störend für das Gleichgewichtspostulat einer Inklusion aller
5. Neuere Entwicklung (hier ausgeblendet) formative Leistungsbeurteilungen als neues Medium?

Eine letzte verfahrenstechnische Anmerkung: Da ich in den nächsten Wochen viel zu tun haben werde, kann der (fast) tägliche Erscheinungstakt vorerst nicht beibehalten werden. Statt dessen werden regelmäßig alle zwei bis drei Tage neue Beiträge auf seltsame-schleifen.com veröffentlicht.


Grafik | flickr-User Evan Lane | cc-Lizenz | Danke!