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Luhmann lesen. Ein Vorschlag.

Soziale Systeme
„Labyrinthisch, unverständlich, anstrengend.“ Mit einer gewissen Regelmäßigkeit lassen sich Beschreibungen wie diese nach dem Erstkontakt mit den Schriften Niklas Luhmanns beobachten. Bücher wie „Soziale Systeme“ oder „Die Gesellschaft der Gesellschaft“ dürften zu den meistgekauften und am wenigsten vollständig gelesenen Büchern¹ zählen. Natürlich zu Unrecht. In persönlichen Gesprächen mit Lesern, die nicht resignieren, begegnet mir regelmäßig die Frage „Wie beginne ich eine systematische Luhmann-Lektüre?“ Da sie auch immer häufiger in digitaler Form gestellt wird, soll dieser kurze Artikel eine entsprechende Antwort geben – aus der Position eines immanenten Beobachters, versteht sich. Weiterlesen

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Die Ordnung der … Bücher.

“… denn wenn ich eine besondere Bedeutung für »ordentlich« habe, dann werden mir einige »Ordnungen« anderer Leute als Durcheinander vorkommen – selbst wenn wir uns über das meiste einig sind, was wir als Durcheinander bezeichnen -” Gregory Bateson¹

Bücher

Gestern spielte ich kurzfristig mit dem Gedanken, für (neue) Ordnung in meiner (zugegebenermaßen recht bescheidenen) Büchersammlung zu sorgen. Enthusiastisch begab ich mich zum Regal; dort fand der Enthusiasmus aber alsbald ein jähes Ende: Wenn schon ordnen, dann richtig. Aber welche Ordnung ist die richtige? Mir schwante, dass diese Frage zu groß für ein kurzes Ordnungsprojekt am frühen Sonntagabend sein könnte. Ich beschloss, einen Hilferuf über Twitter zu senden (ärgerlich: Der Rechtschreibfehler. Eigentlich kann ich “Bücherregal” schreiben).

Regaltweet

Mittlerweile zweifelte ich an der Verhältnismäßigkeit der Mittel. Aber Menschen mit einer Passion für Bücher (oder wahlweise: Schallplatten, CDs etc.) werden das Problem kennen: Eine Sortierung nach Verlagen korrumpiert jede thematische Ordnung, thematische Ordnungen sind mit Blick auf einzelne Bücher kontingent (Spencer Brown: “Philosophische Logik” oder “Systemtheorie/Konstruktivismus”?) – und überhaupt: wieso dann bei groben Vereinfachungen wie wissenschaftlichen Disziplinen stehenbleiben? Warum nicht einfach nach ästhetischen Prämissen vorgehen und die elegante “schwarze Reihe” von Suhrkamp als Basis nehmen und dann weiter nach Farbe (oder Format) sortieren? Nein – das würde die geliebte Luhmann-Abteilung zerfleddern. Gleiches gilt übrigens für die Verlags-Sortierung (Suhrkamp, Carl Auer, Merve, VS und einige mehr). Macht es heute (nach Chaostheorie, Theorien selbstorganisierender Systeme und Kommunikationen mit Zettelkästen) überhaupt noch Sinn, nach einer Ordnung des Ganzen, dem kata logos, zu suchen? “Triff eine Unterscheidung und du erschaffst ein Universum”, fasst Felix Lau die “Laws of Form” von Spencer Brown zusammen.² – Mir würde zunächst ein ordentliches Regal reichen.

Inzwischen gibt es Resonanzen auf den Hilferuf: Ich erhalte Antworten von ↳@FriederK, ↳@euboii, ↳@wruge und ↳@xenzen, die im Laufe des Abends die Frage sogar – und das beeindruckt mich wirklich – als Anlass für einen Artikel im ↳Stabi-Blog nimmt. Dort wird auf den indischen Bibliothekswissenschaftler ↳Ranganathan verwiesen, dessen fünftes Gesetz der Bibliothekswissenschaft eine Bibliothek als einen wachsenden Organismus bezeichnet („A library is a growing organism“). Also doch Selbstorganisation?

xenzen

Das Fazit: Das “Projekt: Neuordnung” liegt auf Eis. Nicht zuletzt auch, weil Anne mich in einem ↳letzten Tweet auf ein Buch hinwies, das vor einiger Zeit ganz oben auf meiner Leseliste stand (ich dann aber wie so oft aus den Augen verlor und das nun glücklicherweise wieder präsent ist): ↳”Zettelwirtschaft : die Geburt der Kartei aus dem Geiste der Bibliothek” von Markus Krajewski. Bis dahin: Mut zu losen Kopplungen: “Will man einen Kommunikationspartner aufziehen, ist es gut, ihn von vornherein mit Selbstständigkeit auszustatten”, schreibt Luhmann.³

Vielen Dank an all jene, die mir mit Ratschlägen zur Seite standen. Vielleicht reihen sich hier ja auch noch Interessierte ein?


¹ Gregory Bateson: Ökologie des Geistes, Frankfurt/Main 1985, S. 33.

² Felix Lau: Die Form der Paradoxie, Heidelberg ³2008, S. 195.

³ Niklas Luhmann: Kommunikation mit Zettelkästen. Ein Erfahrungsbericht, in: ders.: Universität als Milieu, Bielefeld 1992, S. 58.

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Seltsame Schleifen


Mein systemisch-konstruktivistisches Weblog ↳”seltsame-schleifen.com” liegt offensichtlich in einem sommerlichen Dornröschenschlaf. Es gibt leider gerade (zu) viel zu tun und die Arbeit am Blog erfordert Passion und disponible Zeit gleichermaßen; an letzterem mangelt es momentan leider.

Trotzdem habe ich heute seit längerer Zeit mal wieder die von ↳”Google Analytics” aggregierten Daten in Augenschein genommen und war in zwei Aspekten positiv überrascht: Zum einen gibt es trotz der Sendepause einen kontinuierlichen Besucherstrom (über die im Durchschnitt 40 Besucher/Tag im letzten Monat mögen manche Blogger nur müde lächeln; in Anbetracht der sehr speziellen Thematik der “Seltsamen Schleifen” und des rezenten Mangels an neuen Artikeln macht mich die Zahl sehr zufrieden. Ich hatte mit weniger Lesern gerechnet).

Zum anderen überraschte mich die Tatsache, dass viele Besucher verhältnismäßig lange auf den unterschiedlichen Blogseiten verweilen (was ich einfach wohlwollend als Bestätigung des Credos von Qualität statt Quantität betrachte). Besonders interessant für mich ist dabei die Teilgruppe der Besucher, die über Suchmaschinen den Weg auf mein Blog gefunden haben, denn diese Analyse ermöglicht Rückschlüsse auf die Interessenlagen meiner Leser. Folgende Suchanfragen bescherten dem Blog in den letzten 30 Tagen Besucher mit einer Verweildauer zwischen 30 und 10 Minuten:

– paradoxe fragen

– paradoxie der rueckbezueglichkeit

– luhmann takt und zensur im erziehungssystem

– wir sehen nicht, dass wir nicht sehen, was wir nicht sehen luhmann

– double-bind kommunikation

– luhmann pädagogik

– luhmann das medium der kunst

– laufende beobachtungen blog

– paradoxie selbstreferenz

– medium umwelt system

– paradoxien schule

– symbolisch generalisierte kommunikationsmedien des erziehungssystems

– paradoxie des geldes dirk baecker

– differenzmethode spencer brown

Ich danke allen Besuchern für ihr Interesse und verspreche die Arbeit am Blog wieder aufzunehmen, sobald eine kontinuierliche Veröffentlichung zeitlich möglich ist.

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Mediologie & Zen

„Die Zen-Übung nun soll bewirken, daß das Bewußtsein frei werden kann, indem das Aufnehmen und Verarbeiten ständig neuer Sinneseindrücke unterbunden wird. Statt dessen konzentriert sich das Bewußtsein auf sich selbst, d.h. auf einen in ihm selbst wirkenden Strom von achtsamem Gewahrsein. Andernfalls würden neue Sinneseindrücke zu immer neuen Begriffsbildungen führen, und die Begriffe und Gedanken würden dann wiederum «verdinglicht», sie würden, wie ein Zen-Spruch aus dem Laṅkāvatāra-Sūtra sagt, für den Mond selbst gehalten, obwohl sie nur der Finger seien, der auf den Mond zeigt.“ (Michael von Brück: Zen. Geschichte und Praxis, München 2. Aufl. 2007.)

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Bots & Baustellenprinzip

Ein kurzer Werkstattbericht im Sinne der „always beta“-Philosophie

(ein vollständiger Bericht folgt im ePUSH-Blog, wenn das Vorhaben geglückt ist).

Das Problem ist schnell erklärt: Im *mms steht neuerdings dank Ole ein Buzzer, an dem interessierte Studierende per Knopfdruck Antworten auf die Frage des Tages geben können; weil wir die vermeintliche Grenze zwischen „Realität“ und „Virtualität“ ja bekanntlich nicht so rigoros ziehen (und in Folge dessen auch weitgehend derealisierungsangstfrei leben), funktioniert das Prinzip online wie offline. Zusätzlich informiert ein Twitteraccount über die aktuelle Frage.

Der nächste Schritt lag auf der Hand:

Und was die Arbeit im fünften Stock so großartig macht: dass fixe Ideen schnell konkrete Formen annehmen:

Gesagt – getan. Zumindest den ersten Schritt:

Mit „Yahoo Pipes“ lassen sich RSS-Feeds erstellen, indem die Twitter-Suche nach definierten Begriffen gescannt wird (in unserem Fall: „@epush_buzzer“) und die Ergebnisse weiter gefiltert werden (beispielsweise nach unseren beiden Antwortoptionen: „ja“ oder „nein“).

Die Feeds stehen jetzt also bereit und können als Input für eine (vermutlich) simple Routine genutzt werden, die Drupal interpretieren muss: IF „Feed=yes“ THEN „+1 für JA“ bzw. IF „Feed=no“ THEN „+1 für NEIN“. Leider kenne ich Drupal nicht – die Baustelle braucht Jonas oder entsprechend hilfreiche Kommentare.

Zusammengefasst und schnell visualisiert (es fehlen die roten Bereiche):