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Ehen werden im Himmel geschlossen…

„Die Ehen werden im Himmel geschlossen, im Auto gehen sie auseinander. Denn derjenige, der m Steuer sitzt, richtet sich nach der Situation und fährt, wie er meint, auf Grund seines besten Könnens; aber der, der mitfährt und ihn beobachtet, fühlt sich durch die Fahrweise behandelt, führt sie auf Eigenschaften des Fahrers zurück. Er kann nur in einer Weise handeln, nämlich kommentieren und kritisieren; und es ist wenig wahrscheinlich, daß er dabei die Zustimmung des Fahrers findet.“ (Luhmann, Liebe als Passion, S. 42.)

Grafik von ↳robordw. Danke!

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Luhmann-Pop

anonyme-systemtheoretiker:

“Luhmann ist Pop”, schrieb unlängst die #Taz und machte die These an über 70.000 Klicks des #Zettelkasten-Videos auf YouTube fest. Als anonyme Systemtheoretiker meinen wir: Wenn schon Pop, dann richtig. Und haben ein paar angestaubte Ideen auf der Festplatte ausgegraben und für eine virtuelle Shirt-Kollektion aufbereitet. Bevor sich vermeintliche Puristen entrüsten: Neben seinem oft zitierten Bonmot vom Gag, der bekanntlich die Mittel heilige (Soziale Systeme, S. 459), ist folgender Ausspruch des Herrn Luhmann überliefert: “[Ich habe] das Bedürfnis, in jedes Buch mindestens einen Unsinn hineinzubringen. […] Ich will damit sagen, nehmt mich bitte nicht zu ernst oder versteht mich bitte nicht zu schnell.” (Interview in Horster: Niklas Luhmann, München 2005, S. 46). In diesem Sinne.

Mehr Lesenswertes zu Luhmanns Humor übrigens in einem Essay von Hans-Martin Kruckis (in Bardmann/Baecker: “Gibt es eigentlich den Berliner Zoo noch?” Erinnerungen an Niklas Luhmann), mehr zu den Shirts (ja, sie bleiben virtuell) bei Zeiten hier…

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„Nach wie vor können Wetten darauf abgeschlossen werden…“ oder: Irritation als Kommunikation.

Fahrstuhl (Alan Kay)

[Edit:] Ich habe heute Nachmittag die Fotografien, die ich für ↳ePUSH gemacht habe, bei flickr hochgeladen, habe sie hier aber bis auf dieses eine Plakat wieder herausgenommen. Die gesammelten Werke findet der interessierte Beobachter in meinem ↳flickr-Fotostream.

[Edit2:] Anbei noch ein kurzer Text, den ich für das Vorlesungsverzeichnis der ↳Forschungs- und Le[ ]rstelle Kunst schrieb:

„Nach wie vor können Wetten darauf abgeschlossen werden…“ oder: Irritation als Kommunikation.

„Die Einsatzmöglichkeiten aktueller Informations- und Kommunikationstechnologien in Studium und Lehre an der Fakultät durch Bündelung und Kommunikation ins Bewusstsein der Lehrenden und Lernenden zu rufen und dadurch einen selbstverständlichen Umgang mit diesen Technologien zu befördern“, so lässt sich das Ziel des Hochschulentwicklungsprojekts ePUSH prägnant zusammenfassen.¹ Die Realisierung dieses Ziels wird dabei auf vielfältige Weise verfolgt – zunehmend gekennzeichnet durch ein Hinwegsetzen über die irreführende und nicht mehr zeitgemäße Grenze zwischen Online- und Offlinekommunikation.
Für eine ebenso sinnvolle wie selbstverständliche Einbindung digitaler Medien in den Universitätsalltag steht die Technik nur an zweiter Stelle: Zur Reflexion der Herausforderungen, insbesondere auf einer basal-kulturellen Ebene, muss zunächst eine Kommunikationsofferte stehen – ein Angebot, das irritiert, Neugier weckt und Anlass für weitere Fragen gibt.

Im Laufe des vergangenen Semesters entstand hierfür eine Serie von Plakaten, die zum generellen Nachdenken über den Einsatz aktueller Medien in Bildungszusammenhängen anregen sollte. Im Dilemma zwischen erhobenen Zeigefinger einerseits und abgegriffener (und damit wahrscheinlich: ignorierter) Werbeästhetik andererseits wurde bei der Konzeption der Posterreihe ein dritter Weg gewählt: Wir berücksichtigten die Rezeption der Nachricht als entscheidenden Teil des Kommunikationsprozesses,² respektierten Decodierungsarbeit und Verantwortlichkeit des Empfängers und verzichteten zunächst auf eine eindeutige Assoziation der Plakate mit dem Projekt. Die erste Auflage bestand aus der Kombination von Fotografien aus den Gebäuden der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft mit verschiedenen Zitaten, die auf kulturelle und gesellschaftliche Herausforderungen und Hoffnungen im Zuge des aktuellen Medienwechsels hinweisen – denn der alltägliche Lern- und Lehrbetrieb bleibt davon nicht unberührt.

Erst in einer zeitlich abgesetzten zweiten Runde wurden die neuen Motive neben Zitaten auch mit Logos, einer Webadresse sowie einem sog. QR-Code für mobile Geräte versehen; die Links führten den geneigten Betrachter auf eine eigens zu diesem Zwecke erstellte Seite des Webmagazins der Fakultät, life. Dort kann nach wie vor ein Überblick über das Projekt ePUSH und seine einzelnen Maßnahmen gewonnen werden.³


¹ Vgl. http://mms.uni-hamburg.de/blogs/epush

² Umberto Eco, Für eine semiologische Guerilla, in: ders. (Hg.) Über Gott und die Welt. Essays und Glossen, München 1998, S. 152, spricht mit Blick auf dieses Phänomen von der Interpretationsvariabilität. Niklas Luhmann, Soziale Systeme, Frankfurt/Main 1984, S. 194ff. vom kommunikativen Dreiklang aus Information, Mitteilung und Verstehen. Heinz von Foerster prägte das geflügelte Wort vom Empfänger, der den Sinn einer Botschaft bestimme.

³ Vgl. http://life.epb.uni-hamburg.de/epush

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„Hello world“ – esoterisch…

… oder in fünf Schritten von Räucherstäbchen zu nicht-trivialen Maschinen.

„Esoterik“ ist für gewöhnlich ein Wort, dass müdes Abwinken oder Fluch(t)reflexe bei mir hervorruft. Umso überraschter war ich, als ich vorhin über den Wikipedia-Artikel zu „Piet“ stolperte – eine sogenannte „esoterische Programmiersprache“. Und weiterlas…

Nun bedeutet εσωτερική (esōterikós) zunächst nicht mehr als „innerlich“ und hat folglich noch nicht viel mit Mystik oder Spiritualität zu tun. Vielmehr bezog sich der Begriff in der Geistesgeschichte auf Formen des Wissens, die im Gegensatz zum öffentlichen (exoterischen) Gedankengut nur einem kleinen Teil von Eingeweihten zugänglich war; somit kann für die Form des Wissens eine Unterscheidung zwischen innen und außen, zwischen eso- und exoterischem Wissen getroffen werden. Unterscheidung ist dabei immer notwenig eine Form mit zwei Seiten, wobei eine der beiden Seiten angezeigt wird („esoterisch!“). Die Einheit von Unterscheidung und Anzeige nennen wir Beobachtung. Werfen wir also einen Blick auf esoterische Programmiersprachen:

Im Gegensatz zu praktischen und für den alltäglichen Einsatz konzipierten Programmiersprachen folgt in diesen Fällen die Form nicht der Funktion. Hacker, Informatiker, Code-Poeten und Computer-Ästhetiker testen die Grenzen von Sprache und Design aus, praktische Anwendbarkeit („usability“) tritt in den Hintergrund. Es werden bespielsweise sogenannte „nicht-deterministische Sprachen“ genutzt; diese machen es unmöglich, vom aktuellen Stand des Programms aus einen Folgezustand zu antizipieren. Das Konzept erinnert an Heinz von Foersters nicht-triviale Maschinen. Dass Zufälligkeit für Computerprogramme nur schwer marktfähig ist, ist leicht einzusehen. Ihre Bedeutung liegt eher im Kontext der Designentwicklung von Sprachen oder Systemen; Gesichtspunkte, unter denen sie insbesondere in Forschung und Lehre zum Einsatz kommen.

Die Abbildung zeigt übrigens das berühmte „Hello World“-Programm in der oben schon erwähnten esoterischen Programmiersprache Piet. Der Name ist eine Reminiszenz an den niederländischen Künstler Piet Mondrian, einen Pionier der abstrakten Kunst. Die kleinste semantische Einheit der Sprache sind sogenannte „Codels“, ein Kompositum auf Basis von „Code“ und „Pixel“ – grafische Beispiele finden sich auf der Homepage des Piet-Erfinders David Morgan-Mar.

Das alles hat nichts von Transzendenz oder Räucherstäbchen. Wir können beruhigt sein.