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Versuch über Hacking als soziale Form


Die Rede vom „Hacking“ und ihrem Protagonisten, dem Hacker, feiert seit einiger Zeit ein bemerkenswertes Comeback. Das ist sicher kein Zufall, wenn man mit Dirk Baecker in Rechnung stellt, dass sich der Hacker anschickt, den Intellektuellen der modernen Buchdruckgesellschaft in einer Weise zu beerben, wie jener einst den Priester antiker Hochkulturen beerbte. Grund genug, genauer hinzuschauen. Weiterlesen

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Auf ein Wort: grassroots!

„An epic is unfolding at the grassroots“, schreiben Esteva und Prakash. ((ESTEVA, Gustavo, PRAKASH, Madhu Suri: Grassroots Post-modernism. Remaking the soil of cultures, New York  1998.)) „People at the grassroots are reinventing or creating afresh intellectual and institutional frameworks without necessarily getting locked into power disputes.“ ((Ebd., S. 1)). Die Graswurzel-Metapher ist zunächst sehr ambivalent; sie besitzt vor allem eine politische Konnotation und bezeichnet die Idee basisdemokratischer („herrschaftsfreier“) Selbstorganisation. ((Vgl. beispielsweise die Selbstbeschreibung der Monatszeitung „graswurzelrevolution“:  „Graswurzelrevolution bezeichnet eine tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzung, in der durch Macht von unten alle Formen von Gewalt und Herrschaft abgeschafft werden sollen.“))

Hier soll der Begriff jedoch weiter gefasst werden, denn auch jenseits dieser engen Definition entwickelten und entwickeln Netzwerker und Softwaretüftler selbstorganisierte Initiativen nach dem grassroots-Prinzip, so beispielsweise die ersten Hacker-Generationen in den Computerlaboren der Universitäten, in ihren Tech- oder Homebrew Computer-Clubs. Die Idee schlägt sich in der sogenannten „Hacker-Ethik“ ((z.B. „Mistrust Authority – Promote Decentralization.“ ((LEVY, Steven: Hackers – Heroes of the computer revolution, New York 2001, S. 40. Vgl. die deutsche Übersetzung auf der Seite des CCC)) nieder und in den ersten lokalen Computer-Netzwerken: „The hobbyists who interconnect personal computers via telephone lines to make computer bulletin-board systems, known as BBSs, have home-grown their part of the Net, a true grassroots use of technology.“ ((RHEINGOLD, Howard: The Virtual Community: Homesteading on the Electronic Frontier, Cambridge 2000, S. xxii. Eine Seite später führt Rheingold die Metapher weiter aus: „Real grassroots, the kind that grow in the ground, are a self-similar branching structure, a network of networks. Each grass seed grows a branching set of roots, and then many more smaller roots grow off those; the roots of each grass plant interconnect physically with the roots of adjacent plants, as any gardener who has tried to uproot a lawn has learned. There is a grassroots element to the Net that was not, until very recently, involved with all the high-tech, top-secret doings that led to ARPANET–the BBSers.“ Ebd., S. xxiii.))

Grundsätzlich beschreibt die Metapher also eine Seite der Differenz von top down/bottom up: Governance oder Masterplan auf der einen und Emergenz auf der anderen Seite. Dreh- und Angelpunkt ist die Selbstorganisation von (sozialen) Systemen ohne Reglementierung durch eine höhere Instanz oder Ordnungsebene. ((In diesem Sinne kann auch wissenschaftliche oder journalistische Selbstorganisation in Blogs durchaus treffend mit dem grassroots-Bild beschrieben werden.))


Grafik  | flickr-Userin Claire Pentecost | cc-Lizenz | Danke!