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SZ: Schanze, Gentrification, tertiumdatur

»Die „Schanze“ ist mittlerweile eine feste Adresse für jede Klassenreise nach Hamburg sowie der Stolz der Hamburg-Werbung. Diesen Ruhm verdankt sie vor allem dem Vergnügungs- und dem Krawall-Tourismus. Auf letztlich sechs Straßen im nördlichen St. Pauli ballt sich ein Angebot an Läden, Kneipen, Friseuren und Imbissen, das 362 Tage im Jahr von jungen Besuchern lebt, drei Tage aber von angereisten Autonomen attackiert wird, die gegen den Staat und die „Gentrification“ kämpfen wollen. Obwohl das Viertel einst als Kreativreaktor der Stadt galt, geprägt von Musikern, Künstlern, Netzaktivisten, Modemachern und Architekten, hat die Polarisierung zwischen Schaufenster-Glotzen und -Einschmeißen bedenklich zugenommen. Als Einkaufszentrum für Jugendmoden und Kampfplatz für Schrebergarten-Anarchismus ist das kulturelle Flair der Schanze stark verblasst.« (SZ vom 21.07. 2009, S. 13)

Die Kontrastierung von „Schaufenster-Glotzen und -Einschmeißen∑ gefällt mir. Mit Blick auf den pop-autonomen Dresscode sollte man sich aber die Frage stellen, ob es sich dabei wirklich um eine eine strikte Entweder/Oder-Unterscheidung handelt – oder ob nicht wahlweise auch tagsüber gezahlt und des Nachts eingeschmissen werden kann…

(Foto: Auschnitt aus dem Bild „Himmel über Flora“ von Jan Koch)