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Macht’s gut und danke für den Leviathan

Leviathan

Eine Antwort auf den F.A.Z.-Blogs-Gastbeitrag »Das Internet, ein konstruierter Leviathan?« von Patrick Breitenbach vom 01.10. 2010.

Die Metapher des Leviathans ist bereits andernorts andiskutiert worden und soll hier nicht mehr Thema sein. Auch die Reduktionen auf wirtschaftlich bzw. machtpolitisch interpretierte Kritik (»Genau diese Leuchttürme sehen sich aber in ihrer Existenz bedroht«) am neuen Leitmedium ist mir an dieser Stelle egal – obwohl ich denke, dass solche Erklärungsversuche zu kurz greifen. Nach der Lektüre des Breitenbach-Beitrags stellt sich mir vor allem die Frage, ob die fast beiläufige Behauptung des Autors haltbar ist, derzufolge wir die Maschinen lenkten – und nicht etwa die Maschinen uns. Weiterlesen

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Show Media. [sic!]

slow

Am 02.01. 2010 erscheint ein kollaboratives »Slow Media Manifest«, auf das die Welt nicht gewartet hat. Gründe? Fehlanzeige. Eine Chronik.

Draw a distinction and create a universe.
Mit zunehmendem Abstand zum ersten Lesen des Manifests scheint sich für mich die diskursive Blase um ein neues (bzw. in den deutschen Sprachraum neu importiertes) Buzzword leider als eben solche zu erweisen: Vor allem Spannung an der Oberfläche. Medientheoretische bzw. -didaktische Gemeinplätze werden in modischer Manifest-Form unter neuem Label aggregiert, als “slow” bezeichnet und dann wird munter entlang einer neuen Unterscheidung operiert (»Medium x ist ›slow‹ (d.h. ›gut‹), gdw. es Kriterium y erfüllt oder in Weise z gehandhabt wird.«): Anstatt sich einer kritischen Diskussion der eigenen Forderungen zu stellen, kaprizieren sich die drei AutorInnen darauf, im eigens eingerichteten Blog an zahlreichen Beispielen die Definition vorzuführen und zu deklinieren. Weiterlesen

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(Neu-) Ordnungen der Massenmedien.

Nach einer ebenso spannenden wie inspirierenden Diskussion, auf die ich bereits im letzten Eintrag verwies, habe ich heute einen Gastartikel bei den Bielefelder ↳Sozialtheoristen verfasst, der die aus meiner Sicht zentralen Aspekte der Diskussion (mittlerweile auf drei Artikel mit insgesamt 46 Kommentaren verteilt) bündelt.

[…] Aber mit dem Aufkommen des Computers und des Internets als neues Hauptverbreitungsmedium ist die Gesellschaft mit Überschusssinn konfrontiert, auf den sie in der einen oder anderen Weise zu reagieren lernen wird. Erste Anzeichen beobachten wir auf Ebene der Organisation, deren klassisch-hierarchischer Aufbau schon seit geraumer Zeit nicht mehr angemessen erscheint; dies gilt dann insbesondere auch für die Administration der Wikipedia, die unter dem Deckmantel der Selbstverwaltung an hierarchisierter Autorität festhält und damit ein Zentrum und die Möglichkeit von Steuerung suggeriert – was aber geschieht, wenn alle Mitglieder zugleich handeln? […]

Den kompletten Artikel gibt es ↳hier…

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Sind wir Zeugen der Ausdifferenzierung eines neuen Funktionssystems?


Diese Frage kann man sich nach der Lektüre von Stefans lesenswertem ↳ Artikel über fehlende externe Selektionsmechanismen der Wikipedia nicht ganz unberechtigt stellen. Das erfordert aber insbesondere die Herausbildung eines exklusiven Codes und ggf. entsprechender Programme. Solche Fragen (und viele mehr) werden gerade angedacht in der anschließenden Diskussion. ↳ Mitmachen!

Tags: #Computergesellschaft #Hauptverbreitungsmedien #Code #Programme #Wikipedia #Selektion…

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„Nach wie vor können Wetten darauf abgeschlossen werden…“ oder: Irritation als Kommunikation.

Fahrstuhl (Alan Kay)

[Edit:] Ich habe heute Nachmittag die Fotografien, die ich für ↳ePUSH gemacht habe, bei flickr hochgeladen, habe sie hier aber bis auf dieses eine Plakat wieder herausgenommen. Die gesammelten Werke findet der interessierte Beobachter in meinem ↳flickr-Fotostream.

[Edit2:] Anbei noch ein kurzer Text, den ich für das Vorlesungsverzeichnis der ↳Forschungs- und Le[ ]rstelle Kunst schrieb:

„Nach wie vor können Wetten darauf abgeschlossen werden…“ oder: Irritation als Kommunikation.

„Die Einsatzmöglichkeiten aktueller Informations- und Kommunikationstechnologien in Studium und Lehre an der Fakultät durch Bündelung und Kommunikation ins Bewusstsein der Lehrenden und Lernenden zu rufen und dadurch einen selbstverständlichen Umgang mit diesen Technologien zu befördern“, so lässt sich das Ziel des Hochschulentwicklungsprojekts ePUSH prägnant zusammenfassen.¹ Die Realisierung dieses Ziels wird dabei auf vielfältige Weise verfolgt – zunehmend gekennzeichnet durch ein Hinwegsetzen über die irreführende und nicht mehr zeitgemäße Grenze zwischen Online- und Offlinekommunikation.
Für eine ebenso sinnvolle wie selbstverständliche Einbindung digitaler Medien in den Universitätsalltag steht die Technik nur an zweiter Stelle: Zur Reflexion der Herausforderungen, insbesondere auf einer basal-kulturellen Ebene, muss zunächst eine Kommunikationsofferte stehen – ein Angebot, das irritiert, Neugier weckt und Anlass für weitere Fragen gibt.

Im Laufe des vergangenen Semesters entstand hierfür eine Serie von Plakaten, die zum generellen Nachdenken über den Einsatz aktueller Medien in Bildungszusammenhängen anregen sollte. Im Dilemma zwischen erhobenen Zeigefinger einerseits und abgegriffener (und damit wahrscheinlich: ignorierter) Werbeästhetik andererseits wurde bei der Konzeption der Posterreihe ein dritter Weg gewählt: Wir berücksichtigten die Rezeption der Nachricht als entscheidenden Teil des Kommunikationsprozesses,² respektierten Decodierungsarbeit und Verantwortlichkeit des Empfängers und verzichteten zunächst auf eine eindeutige Assoziation der Plakate mit dem Projekt. Die erste Auflage bestand aus der Kombination von Fotografien aus den Gebäuden der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft mit verschiedenen Zitaten, die auf kulturelle und gesellschaftliche Herausforderungen und Hoffnungen im Zuge des aktuellen Medienwechsels hinweisen – denn der alltägliche Lern- und Lehrbetrieb bleibt davon nicht unberührt.

Erst in einer zeitlich abgesetzten zweiten Runde wurden die neuen Motive neben Zitaten auch mit Logos, einer Webadresse sowie einem sog. QR-Code für mobile Geräte versehen; die Links führten den geneigten Betrachter auf eine eigens zu diesem Zwecke erstellte Seite des Webmagazins der Fakultät, life. Dort kann nach wie vor ein Überblick über das Projekt ePUSH und seine einzelnen Maßnahmen gewonnen werden.³


¹ Vgl. http://mms.uni-hamburg.de/blogs/epush

² Umberto Eco, Für eine semiologische Guerilla, in: ders. (Hg.) Über Gott und die Welt. Essays und Glossen, München 1998, S. 152, spricht mit Blick auf dieses Phänomen von der Interpretationsvariabilität. Niklas Luhmann, Soziale Systeme, Frankfurt/Main 1984, S. 194ff. vom kommunikativen Dreiklang aus Information, Mitteilung und Verstehen. Heinz von Foerster prägte das geflügelte Wort vom Empfänger, der den Sinn einer Botschaft bestimme.

³ Vgl. http://life.epb.uni-hamburg.de/epush

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#Snippet

previewEin kurzer Einblick in die Werkstatt: Ich habe am Multimedia-Snippet zur Visualisierung eines systemtheoretischen Medienbegriffes nach Luhmann gearbeitet, bin mir zum gegebenen Zeitpunkt aber nach wie vor nicht sicher, ob das Vorhaben als Flashfilm oder mittels einer Stop/Motion-Animation verwirklicht werden soll. Aus diesem Grund wird hier fürs Erste nur eine Konzeptskizze präsentiert, die auf die eine oder andere Weise realisiert werden kann. Zum Hintergrund des Medienbegriffes vgl. den Artikel #Medium.

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#Esposito

Ich bin soeben bei der Lektüre des äußerst empfehlenswerten Sammelbandes „Was ist ein Medium?“[1. MÜNKER, Stefan, ROESLER, Alexander (Hg.): Was ist ein Medium, Frankfurt/Main 2008.] auf den Aufsatz von Elena Esposito gestoßen.[2. ESPOSITO, Elena: Die normale Unwahrscheinlichkeit der Medien: der Fall des Geldes, S. 112 – 130.] gestoßen. Sie beginnt mit der Feststellung, dass wir gegenwärtig über eine Vielzahl von Medientheorien verfügen, ohne eine echte Theorie des Mediums zu haben.[3. Vgl. ebd, S. 112.] Im Anschluß votiert Esposito für einen abstrakten Medienbegriff, der von Dringlichkeiten und scheinbaren Selbstverständlichkeiten Abstand nehmen kann – jenseits von unterkomplexen Vorstellungen des Mediums als Kanal.[4. Ebenda.] Wir werden auf diesen Aufsatz zurückkommen – zunächst ein Hinweis auf einen Vortrag Espositos vom 21.05.2008 im Rahmen des Bochumer Kolloquiums Medienwissenschaft.

Post Scriptum: Auch Friedrich Kittler gehörte zu den Referenten der Tagung. Sein Beitrag „Ontologie der Medien“ findet sich hier.


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#Debray

debray

#McLuhan und Debray

„Clearly, my classification resembles his in so far as each historical period is governed by major shifts in the technologies of transmission“, antwortet Régis Debray im Interview mit Andrew Joscelyne auf die Frage, wie er sich zur Theorie Marshall McLuhans verorte.[1. „Revolution in the Revolution“, Interview in Wired Digital. Aufruf am 03.05. 2009.] Debrays Konzept der „Mediosphären“ schließt konzeptuell an McLuhans Epochenabgrenzungen durch unterschiedliche Leitmedien an. Mit Blick auf den Begriff des Mediums selbst aber distanziert sich Debray von der „verschwommenen“[2. „I also feel that McLuhan blurred over some fairly complex issues in his famous „the medium is the message“ sound bite.“, vgl. ebenda.] und „verwirrlichen“[7. DEBRAY, Régis: Einführung in die Mediologie, Bern u.a. 2003, S. 45.] Konzeption McLuhans („the medium ist he message“), die seiner komplexeren Definition nicht gerecht wird und gleichsam nur das Erdgeschoß[7. DEBRAY, Régis: Für eine Mediologie, in: VOGL, Jospeh, PIAS, Claus (Hg.): Kursbuch Medienkultur, Stuttgart, 1999, S. 67.] beim Errichten des mediologischen Gedankengebäudes bilden dürfe. Die Tatsache, dass es ohne Medium keine Botschaft gebe, bezeichnet er als trivial; ein Sophismus sei es jedoch, aus diesem Umstand zu schließen, beides sei dasselbe.[4. Ebenda, S. 46. Dennoch, und das gesteht DEBRAY ein, verifiziere gerade die Sloganhaftigkeit des McLUHAN’schen Diktums und seine allgegenwärtige Verbreitung die Bedeutung des Mediums – eine self-fulfilling prophecy!] Das Verständnis des Mediums als Mittler für Botschaften sei zwar notwendig für eine vollständige Analyse, alleine jedoch nicht hinreichend; verbliebe man auf diese Weise im Erdgeschoß, gerate man förmlich in eine „substanzialistische Falle“: „Die Objekte und Werke zählen nämlich weniger als die Operationen. Hüten wir uns vor der substanzialistischen Falle, indem wir das Medium als Dispositiv in die Mediation als Disposition integrieren.“[9. DEBRAY, Für eine Mediologie, S. 67.]

Hier geht Régis Debray über das an McLuhan anschließende Konzept vom Medium als technischem Mittel zur Beförderung einer Botschaft hinaus; seine Dekomposition des Begriffs unterscheidet verschiedene Ebenen des Mediums, die sich ebenso wenig widersprechen wie sie deckungsgleich sind. Es sind vielmehr Überschneidungen möglich, Dazwischen-Räume . Debray unterscheidet

  • allgemeine Symbolisierungsverfahren: (gesprochene) Worte, Schrift, analoge Bilder, digitales Rechnen)
  • soziale Kommunikationscodes (natürliche Sprache)
  • materieller Einschreibe- und Speicherträger (Ton, Papyrus, Papier, Festplatte)
  • Aufzeichnungsdispositiv (Buchdruck, Foto, Fernsehen, Informatik, Digitalisierung).

Wir haben es aus mediologischer Perspektive also mit einem hochkomplexen Zusammenspiel von Mittlern (im Sinne Bruno Latours) zu tun, denen es von Fall zu Fall auf die Spur zu kommen gilt. Dass diese Entfaltung der Beziehungen zwischen Technik und Kultur nicht mit einem substanziellen Medium vereinbar ist, dürfte einleuchten: „Das Medium an sich existiert ebenso wenig wie das Zeichen an sich“ resümiert Frank Hartmann.[6. HARTMANN, Frank: Medien und Kommunikation, Wien 2008, S. 96.] Mit Debrays Beschreibung von Medien als einem System von „Dispositiv – Träger – Prozeß“ [7. DEBRAY, Für eine Mediologie, S. 69.] geht dieser über den Begriff des Mediums als Träger von Information hinaus: So wie die alleinige Fixierung auf den technologischen Träger auf Kosten der Symbolisierungsverfahren und Codes zu kurz greife, wie Debray wiederum mit Blick auf McLuhan festhält, sei der entgegengesetzte Fall für die Analyse konsequenterweise auch nicht hinreichend: „Semitiocans do the opposite – they glorify the code at the expense of what it is really used for in a specific milieu.“[6. Wired Digital.] Das Milieu ist folglich für die mediologische Analyse eine ebenso notwendige Bedingung wie das technische Einschreibemedium, der Mittler für Botschaften oder die performative und codierte Anwendung.

„Der gleiche Mechanismus kann sich in einem Fall als epidemisch, in einem anderen Fall als völlig wirkungslos erweisen. Im China des 11. Jahrhunderts vermochte man nicht, die beweglichen Lettern fruchtbar zu machen und sich anzueignen, die dann im 15. Jahrhundert am anderen Ende der Welt wieder aufgetaucht sind und sich weiterentwickelt haben und dabei vom Holz zum Blei übergegangen sind. Der chinesische Holzdruck hat ausgereicht, um der begrenzten Nachfrage nach Gedrucktem nachzukommen, er benötigte keine großen Investitionen und war vielmehr dazu geeignet, die kalligraphischen Eigenheiten wiederzugeben.“[8. DEBRAY, Für eine Mediologie, S. 70.]

Dieselbe Technologie kann sehr unterschiedliche Effekte in unterschiedlichen Milieus (beziehungsweise historischen  Mediasphären) haben. Hinreichende Bedingung für eine mediologische Analyse ist die Berücksichttigung von Trägern, Netzen und Prozessen gleichermaßen. Wir haben es also nicht mehr mit linearen Kausalitäten zu tun, sondern vielmehr mit verzweigten Netzwerken von Mittlern, Spuren, Milieus und Prozessen – mit Systemen, die durch Kommunikationen konstituiert und aufrechterhalten oder verändert werden. Diese Entitäten beeinflussen sich wechselseitig: „if a book like Das Kapital had an influence, then it was because the technologies of print, the networks of distribution, and libraries worked together to create a fertile milieu – what I call a „mediosphere‘ – for its operation.“[8. Wired Digital.] In diesem Zusammenhang macht m.E. die Erinnerung an Heinz von Foersters Unterscheidung zwischen trivialen und nicht-trivialen Maschinen Sinn: Die Vorgänge bei der Transmission sind nicht kausal determiniert und vorhersagbar; bemerkenswert, dass Debray seine Analyse als „Black Box-Problem“ beschreibt: „If the input is sounds, words, letters, even photons, and the output is leislation, institutions, police forces, and so on, then inside the black box must be what I call „the act of transmission“, the whole set of technologies and environments that translate the input into the output.“[12. Ebenda.]


#Materie und Organisation

Debray differenziert also zwischen den technischen Aspekten der Übermittlung und ihrer soziopolitischen Dimension; erstere bezeichnet er als organisierte Materie, letztere als materialisierte Organisation.[5. Vgl. DEBRAY, Einführung, S. 60.] Die Unterscheidung von Trägern der Überlieferung und den Milieus, Sphären, Institutionen trennt einen materiellen von einem sozialen Pol.[6. Vgl. ebd., S. 52.] Hierbei wird erneut deutlich, wie die mediologische Konzeption sich vom Fokus auf das bloße substanzielle Trägermedium emanzipiert hat: Das Zusammenspiel unterschiedlichster Sinnträger (und damit von Medien, wie ich sie unter Zuhilfenahme systemtheoretischen Vokabulars in Artikel #Medium skizziert habe) bei den Übertragungs- und Überlieferungsprozessen ist sowohl technischer als auch sozialer und kultureller Art. „Der Ansatz des mediologischen Geistes besteht nun darin, den Finger auf die Überschneidungen zwischen intellektuellem, materiellem und sozialen Leben zu legen und diese allzu gut geschmierten Scharniere zum Quietschen zu bringen.“[9. DEBRAY. Für eine Mediologie, S. 73.] Ebenso wie Bruno Latour mit seiner Akteur-Netzwerk-Theorie votiert Debray im Rahmen der Mediologie für einen Panoramablick, der disziplinäre Scheuklappen ablegt und beobachtet, statt schon im Vorfeld Grenzen aufzuzeigen.

Ein möglicher Gegenstand für eine exemplarische mediologische Analyse wäre demnach eine konventionelle Seminararbeit. Diese bedient sich aller medialer Ebenen (zumeist der Schrift als allgemeines Symbolisierungsverfahren, in den häufigsten Fällen der Muttersprache in einer wissenschaftlichen Sonderform als Kommunikationscode, des bedruckten Papiers als finales Einschreibemedium über den Umweg des Textverarbeitungsprogramms eines Computers) und hat damit gleichsam einen materiell-technischen Pol (kann also mit Debray als organisierte Materialität beschrieben werden), ist aber ebenso in das sozio-politische Netzwerk der Universität als Institution mit ihren Leistungsscheinen oder Creditpoints eingeflochten und den Dozenten, die Seminararbeiten häufig auch lesen. Dieses System muß wiederum als historisches Produkt sozialer Kommunikationen erachtet werden – ebenso das in einer Seminararbeit transportierte „Wissen“: „Es wäre nicht ganz abwegig, [das Buch selbst wie einen Autor sprechen zu lassen], denn schließlich stammt, jedenfalls wo es „wissenschaftlich“ zugeht, nur sehr weniges, was in einem Buch zu lesen ist, von dem Autor selbst“, schreibt Niklas Luhmann.[10. LUHMANN, Niklas: Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt/Main 1992, S. 11, Fußnote 1.]

Das Beispiel ließe sich wesentlich detaillierter aufschlüsseln, wäre dann aber einen eigenen Beitrag wert. Aber bereits durch die Andeutungen dürfte der etwas nebulöse Zusammenhang zwischen Symbolischen, Sozialem und Technischem sichtbar geworden sein, deren Schnittstellen zu untersuchen die Aufgabe der Mediologie eines Régis Debray ist.


#Bonustrack. Das philosophische Mau Mau

Das folgende Netzfundstück zeigt eine fiktive Debatte über den Medienbegriff, Debray diskutiert mit Theodor W. Adorno, Erving Goffman und dem Literaturwissenschaftler Joseph Vogl. Das Video scheint als „Kreativaufgabe“ aus einem Einführungskurs in die Medienkultur hervorgegangen zu sein und könnte unter diesem Gesichtspunkt für Seminarteilnehmer von Interesse sein, die mit der Konzeption eines Multimedia-Snippets liebäugeln.


Die verwendete Fotografie gilt aufgrund eines ausgelaufenen Copyrights als public domain.

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#Medium

Substantiv, n. Silbentrennung: Me·di·um, Plural: Me·di·en. Aussprache: [‚meːdi̯ʊm], Plural: [‚meːdi̯ən], Herkunft: von medium → lat. – Mitte, Mittelpunkt, Zentrum, dazwischen liegend, in der Mitte befindlich. 1
„Licht ist der Begriff für das Medium, in dem wir etwas sehen. Ohne Licht, das kann man sehr schnell ausprobieren, sehen wir nichts.“ Niklas Luhmann 2

#McLuhan

mcluhan

McLuhan

Nach Marshall McLuhan beeinflusst Medialität die Kulturhistorie der Menschheit paradigmatisch; er unterscheidet hierbei vier Phasen: „die Epoche der oralen Stammeskultur, darauf folgend die Manuskript-Kultur, die ‚Gutenberg-Galaxis‘ sowie das elektronische Zeitalter. Medientechnisch entspricht dieser Aufreihung die Abfolge Sprache – Schrift – Buchdruck – Elektrizität.“ 3 Das jeweils aktuelle Medium bewirkt dabei eine Veränderung der Grenzen und Formen der Kultur, in die es eingebettet ist. 4 Die Möglichkeiten der Welterschließung und -wahrnehmung werden folglich durch Medien determiniert, wobei dem jeweils rezenten Leitmedium eine dominante (allerdings nicht: ausschließliche) Wirkung zuschrieben wird. Vor diesem Hintergrund ist auch McLuhans berühmtes Bonmot zu verstehen, wonach das Medium die Botschaft sei; die Botschaft eines Mediums oder jeder Technik demnach „[…] die Veränderung des Maßstabs, Tempos oder Schemas, die es der Situation des Menschen bringt.“ 5 Somit ist dem kanadischen Medientheoretiker folgend der Inhalt eines Mediums seiner Form nachgeordnet; entsprechend kann McLuhan den Inhalt eines jeden Mediums iterativ wieder als Medium begreifen. „Medien schaffen neue symbolische Ebenen und generieren völlig neue Umwelten – »The new media«, sagt McLuhan in einem seiner vielen Interviews, »are not bridges between man and nature, they are nature«. Dass Medien die Wirklichkeit nicht wiedergeben oder vermitteln, sondern diese erst definieren, das hat McLuhan in aller Radikalität vorgeführt.“ 6

#Kittler

kittler

Kittler

Unter dem Aspekt der Welterschließung schließt Friedrich Kittler an McLuhan an. Kittler rekonstruiert als „Medienarchäologe“ (Hartmann) „[…] die Moderne unter den Bedingungen der medialen Diskurse, die sie ermöglicht haben“; 7 anonyme Aufschreibesysteme trugen mit Kittler entscheidend zur Genese der Moderne bei – ihre Kultur sei demnach immer als Konglomerat von Datenverarbeitungsprozessen zu begreifen: „Kulturelle Erscheinungsformen wie die Künste und die Wissenschaften sind an bestimmte Kulturtechniken gebunden“ 8, jene Aufschreibesysteme als ein „Netzwerk von Techniken und Institutionen […], die einer gegebenen Kultur die Adressierung, Speicherung und Verarbeitung relevanter Daten erlauben.“ 9  Kittler modifiziert den berühmten „Homo Mensura“-Satz (den der griechische Philosoph Platon in seinem Dialog Theaitetos 10 dem Protagoras zuschrieb und nach dem der Mensch das Maß aller Dinge sei) indem er die Medien zum Maß aller Dinge erhebt: Die Schaltungen der Systeme, nicht mehr Menschen oder „Subjekte“ bestimmten die Wirklichkeit. Ähnlich wie McLuhan beschreibt Kittler somit ein „technisch-mediales Aprori“, das allen gesellschaftlich-kulturellen Strukturen als Bedingung ihrer Möglichkeit vorausgesetzt ist 11 – eine konsequente Zuspitzung des oben zitierten McLuhan’schen Slogans vom Medium als message. Gleichwohl lassen sich hier Differenzen in den Ansätzen der beiden Theoretiker aufzeigen: Bleibt McLuhan („Extensions of Man“) weitgehend in einer anthropozentrischen „Prothesentheorie“ (Hartmann) befangen, die Technik als Ausweitungen der Körperorgane, des neuronalen Systems, als Werkzeug begreift, dreht Kittler das Verhältnis um, und beschreibt den Menschen von seinen Kulturtechniken ausgehend. 12 Vielleicht haben wir es aber auch nur mit einer begrifflichen Unschärfe McLuhans zu tun, wie Benjamin Joerissen anregt, der eher Invasionen als Extensionen ausmacht und Kultur dann auch für McLuhan als „Epiphänomen des jeweilig kursierenden Leitmediums“ skizzieren kann. 13

#Medium

„Fleck oder Loch?“

Figur/Grund

Die McLuhan’sche Formulierung, dass Inhalt eines Mediums immer ein anderes Medium sei, verweist auf die grundlegende Selbstreferenzialität des Konzepts. Zudem kann, ohne direkte Links zwischen den Autoren, auf Basis der strukturbildenden Zusammenhangs zwischen Leitmedien und Gesellschaft 14 eine Überleitung zur modernen Systemtheorie versucht werden. Hier wird unter maßgeblichem Einfluß von Niklas Luhmann insbesondere auf einen Medienbegriff rekurriert, der auf den österreichischen Gestaltpsychologen Fritz Heider zurückgeht und erst im Anschluss an Luhmann wieder Beachtung erfährt. Heider zeichnet in einem erstmalig 1926 veröffentlichten Aufsatz unter Verwendung der Begriffe „Grund“ und „Figur“ die später bei Luhmann ausgearbeitete Konzeption von „Medium“ und „Form“ vor: „Figur bedeutet sachlich: ein fester Körper, der vor etwas Anderem ist. Grund ist etwas, das nur in Bezug auf die Figur einheitlich ist; es ist das, was hinter der Figur ist, gleichgültig, ob [das] nun eine Vielheit von Gegenständen oder eine weiße Wand ist.“ 15 Luhmann bezieht sich später implizit auf die Konzeption Heiders: „Von »Medium« sollte nur die Rede sein, wenn eine Menge nur lose gekoppelter Elemente bezeichnet wird, die für Formenbildung zur Verfügung stehen.“ 16

luhmann

Luhmann

Luhmann zieht einen Vergleich mit dem Schachspiel: Angesichts einer spezifischen, selbsterzeugten Stellung betrachtet man das Spiel (als Möglichkeitsraum, der im Laufe des bisherigen Spiels eingeschränkt wurde) und entscheidet den nächsten Zug. Im Medium des Spiels wird die eine oder die andere Form realisiert. 17 Das Medium muss aus aktuellen Gegebenheiten laufend neu konstruiert werden. Es ist auch augenscheinlich, dass Medium und Form keine Gegenbegriffe im strengen Sinne sind: Das Medium begrenzt vielmehr die Menge der möglichen Formen. So kann dann beispielsweise ein Wort als Formbildung im Medium der Buchstaben begriffen werden. Weil der Medienbegriff aber „re-entrant“ (Joerissen in Anlehnung an die Spencer Brown’sche Figur des re-entry) ist, kann das Wort iterativ als Formbildung im Medium des Satzes begriffen werden, dieser als Form im Medium der Sprache etc. Das Medium selbst wird dabei nicht wahrgenommen, ist formenlos beziehungsweise durch eine nur lose Kopplung von Elementen charakterisiert: „Die Formen »verdichten« ihrerseits die Verbindungen zwischen den Elementen des Mediums in rigidere Kopplungen, die wahrgenommen werden.“ 18 Wir begreifen mit Luhmann unter Formbildung in einem Medium also den Übergang von loser zu fester Kopplung von Elementen.

#Definition

Nach diesen Vorbemerkungen kann als erstes und vorläufiges Fazit eine Definition des Medienbegriffes versucht werden. Diese bezieht sich wohlgemerkt auf den allgemeinsten und weitesten Begriff eines Mediums. 19

Def. Medium. Ein M. ist loser Elementzusammenhang, der sich zu festeren Formen kondensieren läßt. Ein M. kann nur unter Bedingungen der Formbarkeit als ein solches gelten. Es gibt kein M. an sich, sondern ein M. immer nur relativ zu einer sich durchsetzenden Form.

Ein solch offener systemtheoretischer Begriff erlaubt entsprechend Formbildungen in einer Vielzahl von Medien: Wahrheit, Recht, Macht, Geld, Sprache, Sinneswahrnehmung, Kausalität, Glaube, Sinn… Wie der von Benjamin Joerissen entlehnte Begriff des „re-entranten“ Mediums anzeigt, kann die Differenz von Medium und Form dabei selbst wiederum zu einem Medium werden, wenn sie zur Beschreibung von Medien/Form-Differenzen genutzt wird (Form der Beobachtung).

#Post Scriptum

Inwiefern ein Zusammenhang zwischen Kittlers „Medium Mensura“-Satz und Luhmanns Realität der Massenmedien herauszuarbeiten ist, muss in einer eigenständigen Behandlung herausgefunden werden, erscheint mir aber als spannende Fragestellung.
Edit [27.04.]: Bitte auch den #Nachtrag beachten!

 


Bildnachweise: Die McLuhan-Grafik ist ein Ausschnitt der Zeichnung „The Seer“ von Alex Veness unter unterliegt folgender CC-Lizenz. Die Kittler-Grafik basiert auf einer Fotografie von flickr-Userin Sabinesabine (ebenfalls eine CC-Lizenz). Danke! Bei den anderen beiden Abbildungen handelt es sich um eigene Grafiken, die ebenfalls einer CC-Lizenz unterliegen.

Anmerkungen

  1. Vgl. den Eintrag „Medium“ in: Wiktionary. Das freie Wörtebuch (Abruf am 26.04. 2009).
  2. LUHMANN, Niklas: Einführung in die Systemtheorie, Heidelberg ²2004, S. 226.
  3. JOERISSEN, Benjamin: Beobachtungen der Realität. Die Frage nach der Wirklichkeit im Zeitalter der Neuen Medien, Bielefeld 2007, S. 199.
  4. Vgl. HARTMANN, Frank: Techniktheorien der Medien, in: WEBER, Stefan (Hrsg.): Theorien der Medien. Von der Kulturkritik bis zum Konstruktivismus, Konstanz 2003, S. 57.
  5. McLUHAN, Marshall: Die magischen Kanäle. Understanding Media, Düsseldorf 1968, S.  14, zit. n. JOERISSEN, Beobachtungen, S. 200.
  6. HARTMANN, Frank: Medienphilosophische Theorien, in: EBER, Stefan (Hrsg.): Theorien der Medien. Von der Kulturkritik bis zum Konstruktivismus, Konstanz 2003, S. 307. Das McLuhan-Zitat belegt Hartmann a.a.O. wie folgt: Audio Quotes: http://www.webcorp.com/sounds/mcquote.htm – die Seite ist offensichtlich aber nicht mehr online.
  7. HARTMANN, Techniktheorien, S. 59.
  8. 5. HARTMANN, Techniktheorien, S. 59f.
  9. Vgl. KESHMA: Aufschreibesysteme (26.04. 2009)
  10. PLATON: Theaitetos 152 a.
  11. Vgl. HARTMANN, Techniktheorien, S. 62.
  12. Gewissermaßen wendet Kittler McLuhans „the medium is the message“ damit in einer radikalen Auslegung („streng nach McLuhan“, wie Kittler schreibt) gegen seinen Urheber.
  13. JOERISSEN, Beobachtungen, S. 202f.
  14. „Jedes neue Verbreitungsmedium konfrontiert die Gesellschaft mit neuen und überschüssigen Kommunikationsmöglichkeiten. Für dieses neue „Mehr“ an Kommunikation reichen Struktur und Kultur einer Gesellschaft nicht immer aus,  so dass umwälzende Verbreitungsmedien entsprechende Modifikationen der Gesellschaftsstruktur erfordern und erwirken: Die selektive Handhabung des überschüssigen Sinnes kann auf Basis der etablierten Struktur und Kultur nicht mehr gehandhabt werden, das heisst Struktur und Kultur einer Gesellschaft müssen entsprechend angepasst werden.“ Vgl. den Artikel „Computergesellschaft“.
  15. HEIDER, Fritz: Ding und Medium, Berlin 2005, S. 113. Ursprünglich erschienen in: Symposion. Philosophische Zeitschrift für Forschung und Aussprache Jg. 1, H. 2, Berlin 1926, S. 109 – 157.
  16. LUHMANN, Niklas: Die Gesellschaft der Gesellschaft, Frankfurt/Main 1998, S. 1098.
  17. LUHMANN, Niklas. Das Erziehungssystem der Gesellschaft, Frankfurt/Main 2002, S. 89.
  18. CORSI, Giancarlo, ESPOSITO, Elena: Form/Medium, in: BARALDI, Claudio, CORSI, Giancarlo, ESPOSITO, Elena: GLU. Glossar zu Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme, Frankfurt/Main 1997, S. 59.
  19. Also noch nicht ihre konkrete Funktion abtastend, was mit Blick auf sogenannte „Erfolgsmedien“ (symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien), Verbreitungsmedien oder Massenmedien relevant wird.
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Computergesellschaft

computergesellschaft

Wir müssen in Voranschreiten der Analyse dezidiert Medien des Unterrichts und das symbolisch generalisierte Kommunikationsmedium des Erziehungssystems unterscheiden, viel genauer als dies bislang der Fall war. Systemtheoretisch bewanderten Lesern mag dieser Hinweis redundant erscheinen, er ist dennoch von größter Bedeutung; dieser Unterschied (der einen Unterschied macht!) muss mit notwendiger Trennschärfe betont werden. ((

Es gibt kein Medium „an sich“, sondern ein Medium immer nur in Relation zu einer Form. Der Begriff kann an dieser Stelle nicht hinreichend problematisiert werden, zur Orientierung mag die folgende Skizze dienen:

Das allgemeinste Medium ist Luhmann zufolge Sinn, als ein bestimmtes hinreichend unbestimmtes Medium zur Ausbildung temporaler Formen. Das Zusammenspiel von Medium und Form wurde im gleichnamigen Artikel sowie unter Trans-Formation ausgeführt. Dieser allgemeine Medienbegriff geht auf den österreichischen Gestaltpsychologen Fritz HEIDER zurück (vgl. ders.: Ding und Medium, Berlin 2005. Ursprünglich erschienen in: Symposion. Philosophische Zeitschrift für Forschung und Aussprache Jg. 1, H. 2, Berlin 1926, S. 109 – 157.). Wenn also allgemein vom „Medium“ die Rede ist, soll auf diese Konzeption Bezug genommen werden, konkret: Die Differenz von Medium/Form wird selbst zum Medium, in dem unterschiedliche Medium/Form-Differenzen verzeichnet werden können.

Demgegenüber sind symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien, ebenfalls in einem gleichnamigen Artikel behandelt, abzugrenzen. Diese generalisierten Erfolgsmedien erlauben durch ihre Codierung eine Vielfalt von Kommunikationen, die nun auch über den Kreis von Anwesenden (Interaktionssysteme) hinaus möglich sind. Sie sind exklusiv auf Kommunikation bezogen und dienen der Transformation von Unwahrscheinlichkeit in Wahrscheinlichkeit bei der Annahme von Kommunikationsofferten. 

Um den Medienbegriff weiter zu differenzieren, wenden wir uns nun den Verbreitungsmedien zu. )) Denn zu den bisher behandelten Medien gesellt sich nun auch noch eine dritte Art, die Verbreitungsmedien. Diese erweitern, ähnlich wie symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien, die Reichweite für Kommunikationen: Sie produzieren Überschusssinn und erreichen auch Personen, die (im strengeren Sinne von Interaktion) nicht physisch anwesend sind. Mit dem Computer tritt ein neues Verbreitungsmedium auf den Plan, mit noch unabsehbaren Konsequenzen für die Gesellschaft:

 „Wir haben es mit nichts Geringerem zu tun als mit der Vermutung, dass die Einführung des Computers für die Gesellschaft ebenso dramatische Folgen hat wie zuvor nur die Einführung der Sprache, der Schrift und des Buchdrucks.“ ((BAECKER, Dirk: Studien zur nächsten Gesellschaft, Frankfurt/Main  2007, S. 7.))

Hinter diesem Zitat steht die systemtheoretische These Niklas Luhmanns, dass jedes neue Verbreitungsmedium die Gesellschaft mit neuen und überschüssigen Kommunikationsmöglichkeiten konfrontiert. Für dieses neue „Mehr“ an Kommunikation reichen Struktur und Kultur einer Gesellschaft nicht immer aus,  so dass umwälzende Verbreitungsmedien entsprechende Modifikationen der Gesellschaftsstruktur erfordern und erwirken: Die selektive Handhabung des überschüssigen Sinnes kann auf Basis der etablierten Struktur und Kultur nicht mehr gehandhabt werden, das heisst Struktur und Kultur einer Gesellschaft müssen entsprechend angepasst werden.

„Die Einführung der Sprache konstituierte die Stammesgesellschaft, die Einführung der Schrift die antike Hochkultur, die Einführung des Buchdrucks die moderne Gesellschaft und die Einführung des Computers die nächste Gesellschaft.“ ((Ebd.))

In diesem Zusammenhang soll an dieser Stelle noch auf ein Fundstück hingewiesen werden, das den Zusammenhang zwischen Medien- und Stadtentwicklung visualisiert: Das folgende Video „Die Medienepochen der Stadt“ illustriert die zu Grunde liegende Idee mit Blick auf Stadtentwicklung sehr deutlich; die Animationen sind um Interviewpassagen mit Dirk Baecker ergänzt.


Die Grafik basiert auf dem Bild „Boxicity“ des flickr-Users Syntopia. Es unterliegt einer cc-Lizenz. Danke!