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Paradoxe Kommunikation. Folge 1.

Paradoxe Kommunikation als Operation ist möglich. Schließlich kann unser Bewusstseins wir ja auch paradoxe Konstruktionen realisieren. Was aber genau macht Kommunikationen paradox? Fragen wir einen Spezialisten in solchen Dingen: Paul Watzlawick.

In seinem Buch „Menschliche Kommunikation“ unterscheidet Watzlawick zunächst drei Arten von Paradoxien: Logisch-mathematische Paradoxien, paradoxe Definitionen und pragmatische Paradoxien. ((WATZLAWICK, Paul. BEAVIN, Janet, JACKSON, Don: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien, Bern, Stuttgart, Toronto (7.Aufl.) 1985, S. 172ff.)) Beispiele für pragmatische Paradoxien sind dementsprechend Eltern, die ihr Kind für zu nachgiebig halten und deshalb fordern: „Sei nicht so gehorsam!“ ((Vgl. ebd., S. 184.)) In den schulischen Unterricht übersetzt hieße die paradoxe Aufforderung „Lerne freiwillig!“ ((Der Prototyp der paradoxen Aufforderung lautete denn „Sei spontan!“)) So wird der adressierte Schüler in eine unhaltbare Situation versetzt: Leistet der der Aufforderung Folge, findet er sich in einer nicht-freiwilligen Position wieder. Auf der Zwang-Seite des Codes von Freiheit und Zwang. Und dabei sollte er doch freiwillig lernen und nicht, weil der Lehrer es verlangte

(An dieser Stelle wird in kürze ist ein Anschluss zum Schlagwort „double bind“ entstehen entstanden.)


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Pädagogische Paradoxien verflüssigen

Wie bislang festgestellt wurde, hindert die Paradoxie den Erzieher nicht an der Arbeit. Das Vorhandensein von Zwang (z.B. Schulpflicht) entbindet den Lehrer nicht von der pädagogischen Aufgabe, zur Freiheit zu erziehen: Also wo immer möglich der Freiheit den Vorzug vorm Zwang zu geben bzw. Zwang in den Dienst der Freiheit zu stellen. ((Vgl. AHRENS, Sönke: Die paradoxale Grundstruktur des Sadomasochismus, in: Zeitschrift für Sexualforschung 19 (2006), S. 285f.)) Die Frage, wie dies konkret auszusehen habe, stellt sich dem Lehrer in jeder spezifischen Situation wieder und individuell hinsichtlich des/der jeweiligen SchülerIn: Wie reagiere ich bei Störungen? Arbeitsverweigerung? Aggression?

Das Funktionssystem muss die Unterscheidung, mit der es operiert, in die Unterscheidung selbst einführen: Es kommt zum re-entry. So kann das Erziehungssystem die Differenz Freiheit/Zwang intern behandeln ohne dass die Paradoxie das System nachhaltig blockiert. Die Figur des re-entry ermöglicht dem Erziehungssystem, sich selbst zu informieren und daraufhin seine Strukturen zu überprüfen bzw. seine weiteren Operationen zu strukturieren. Die Paradoxie wird „verflüssigt“. ((Analog dazu kann die epistemologische Reflexion, die ebenso wie das übergeordnete System der Wissenschaft den Code wahr/nicht-wahr verwendet, als re-entry aufgefasst werden. Hier wird nach der Wahrheit der Operationen der Wissenschaft gefragt.)) Die Unterscheidung anhand desselben Codes taucht nun zweimal auf. „Der Begriff des re-entry ist zunächst nützlich, um die Frage der Paradoxie zu behandeln, weil er zeigt, wie ein System durch Rekurs auf die zeitliche Nachfolge seiner Operationen das Problem der Paradoxie neutralisieren kann.“ ((ESPOSITO, Elena: Re-entry, in: BARALDI, Claudio, CORSI, Giancarlo, ESPOSITO, Elena: GLU. Glossar zu Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme, Frankfurt/Main 1997, S. 153.))

Mit der Neutralisierung der Paradoxie ist jedoch nur ein erster Schritt getan. Das Fortdauern und Mitlaufen der Paradoxie stellt Lehrer wie Schüler vor kommunikative Schwierigkeiten: Die Schüler geben „freiwillig“ genau jene Antworten, die sie als die gewünschten Antworten der Lehrperson antizipieren. So wird aus dem harmlosen Problem der doppelten Kontingenz ein bedrohlicher „Doublebind“: Jeder „freiwillige Akt gerät unter Simulationsverdacht.“ ((AHRENS 2006, S. 286.)) Der Lehrer beginnt seinen Schülern zu misstrauen und Schüler lernen im Laufe ihrer Schulzeit vor allen anderen Dingen die Inhalte des „geheimen Lehrplans“. Hier befinden wir uns jedoch am falschen Ende der Differenz von Freiheit und Zwang.

Grund genug, uns zukünftig des Taktes anzunehmen, mit dem Luhmann eine mögliche Lösung skizziert. ((Zunächst sollen hier aber noch andere Anschlüsse aufgenommen werden. Das Aufnehmen des taktvollen Fadens wird dann an diese Stelle zurück verlinkt.))

[edit: Anschluss zu Doublebinds, paradoxer Kommunikation und Unterricht]


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Pädagogik als "strange loop"

Betrachten wir (ein vorerst letztes Mal) die Paradoxie des Epimenides:

„Diese Aussage ist falsch.“

Mit Heinz von Foerster möchte ich den Satz als eine prinzipiell unentscheidbare Frage charakterisieren. Das bedeutet, dass der Beobachter unmöglich entscheiden kann, ob die Aussage wahr oder falsch ist. Die Bedingungen der Aussage sind zugleich die Bedingungen ihrer Negation, der Beobachter beginnt (wie bereits hier beschrieben) zwischen den beiden Polen zu oszillieren und die Fortsetzung der Beobachtung wird unmöglich. ((Vgl. CORSI, Giancarlo: Paradoxie, in: BARALDI, Claudio, CORSI, Giancarlo, ESPOSITO, Elena: GLU. Glossar zu Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme, Frankfurt/Main 1997, S. 132.))

Der Beobachter fragt die Differenz der bereits selbstgenutzten Differenz ab, beziehungsweise die Beobachtung tastet eben jenes binäre Schema ab, das sie selbst schon verwendet: In diesem Beispiel also den binären Code des Wissenschaftssystems, wahr/unwahr. Paradoxien blockieren somit Beobachtungen, die Operation läuft fortan blind.

Die Oszillation bewirkt, dass sich die Paradoxie nicht wie im System der Logik auflöst, sondern immer wieder auftritt. Batesons Computer löst sich nicht auf, Epimenides stört nicht die Forschung, Erziehung findet täglich statt. Das vermeintliche Defizit lässt sich nicht auflösen, so dass sich die Frage stellt, wie man damit arbeitet. ((Vgl. LUHMANN, Niklas: Strukturelle Defizite. Bemerkungen zur systemtheoretischen Analyse des Erziehungswesens, in: ders.: Schriften zur Pädagogik, Frankfurt/Main 2004, S. 92.)) Das Erziehungssystem ist paradox konstituiert, wenn Freiheit zur Erziehung zur Freiheit vorausgesetzt wird: Es handelt sich hierbei um eine idealtypische „seltsame Schleife“.

Wenn psychische Systeme als geschlossene autopoietische Systeme beschrieben werden, kann Sozialisation nur als Eigenleistung des sozialisierten Systems verstanden werden. ((Vgl. ebenda, S. 95.)) Will der Lehrer konsequent die positive Seite der Differenz von Freiheit/Zwang herausarbeiten, wie kann er auf Schulpflicht aufbauen?

Oder anders gefragt: „Wie bringt man Freiheit dazu, sich selbst zu steigern?“ ((Ebenda, S. 96.))