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Contre mspro

Online publizierte Thesen zur nächsten Gesellschaft haben Konjunktur und Michael Seemann/@mspro nutzt die Gelegenheit, seine prioritären Themen Kontrollverlust, „Queryology“ und Postprivacy in Form eines thesenhaften Papers für Telepolis zu versammeln. Resultat ist ein (proto-)typisches Dokument der Krise. Eine Replik. Weiterlesen

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Krisis und Alarmsignale als Hypertext

krisis

»Der antike Glaube an die Notwendigkeit unwiderruflicher Entscheidungen wird ebenso wie die moderne Hoffnung auf in sich unterscheidbare und profilierte Epochen zwar noch gepflegt, aber doch eher aus einer gewissen Wehmut heraus, die sich in die Zeiten zurücksehnt, als es zwischen den Krisen noch so etwas wie perfekte Weltzustände oder ruhige Gleichgewichte gab.« Weiterlesen

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Der Leviathan schlägt weiter Wellen

Leviathan

»Allein unsere bisherige Vorstellung von der Wissenschaft hat eine Beherrschung absolut gemacht, die sonst relativ geblieben wäre.« (Latour)

Der Leviathan, beziehungsweise seine Metapher, schiebt sich laufend vorweg: Wenn man Medienarchäologie betreibt, also das Referenzsystem umfassend ausflaggt, kann man die (mutmaßlich) richtige oder falsche Verwendungsweise von Vergleichen plausibilisieren – das macht die Sache nicht undurchsichtig, aber zeitaufwendig. Weiterlesen

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Macht’s gut und danke für den Leviathan

Leviathan

Eine Antwort auf den F.A.Z.-Blogs-Gastbeitrag »Das Internet, ein konstruierter Leviathan?« von Patrick Breitenbach vom 01.10. 2010.

Die Metapher des Leviathans ist bereits andernorts andiskutiert worden und soll hier nicht mehr Thema sein. Auch die Reduktionen auf wirtschaftlich bzw. machtpolitisch interpretierte Kritik (»Genau diese Leuchttürme sehen sich aber in ihrer Existenz bedroht«) am neuen Leitmedium ist mir an dieser Stelle egal – obwohl ich denke, dass solche Erklärungsversuche zu kurz greifen. Nach der Lektüre des Breitenbach-Beitrags stellt sich mir vor allem die Frage, ob die fast beiläufige Behauptung des Autors haltbar ist, derzufolge wir die Maschinen lenkten – und nicht etwa die Maschinen uns. Weiterlesen

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Die Krisen der Computergesellschaft


Dirk Baecker fasst zentrale Thesen seiner „Studien zur nächsten Gesellschaft“ in einem gut 60-minütgen Interview mit dem Publizisten und Moderator Roger de Weck für die Sendung „Sternstunden der Philosophie“ des Schweizerischen Fernsehens zusammen. Weiterlesen

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»Computer und Katastrophe« – Dirk Baecker im Gespräch mit Karin Fischer.

Der Deutschlandfunk sendete am 06.12. 2009 in der Reihe „Kulturfragen“ ein Interview mit Dirk Baecker, Inhaber des Lehrstuhls für Kulturtheorie & -analyse an der Friedrichshafener Zeppelin-Universität. Diesem gelingt es in dem knapp 25-minütigen Gespräch, die Dynamik des Zusammenhangs von gesellschaftlicher Ausdifferenzierung und den „Katastrophen“ beim Auftritt neuer Hauptverbreitungsmedien zu skizzieren (Überschusssinn); insofern kann die Sendung auch als kompakte Vorstellung und Einführung in das Thema Baeckers 2007er Veröffentlichung „Studien zur nächsten Gesellschaft“ behandelt werden. Weiterlesen

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Neu-[Form]-ationen. Heute: Der Kongress.

one way
Nach den letzten Erörterungen zu den Geschehnissen rund um die deutschsprachige Wikipedia habe ich begonnen, empirische Daten zur Herausbildung neuer Interaktions- und Organisationsformen im Zuge der Umstellung des gesellschaftlichen Hauptverbreitungsmediums zu suchen und zu archivieren. Dabei bin ich auf den spannenden Bericht Torsten Meyers zum Bundeskongress der Kunstpädagogik in Düsseldorf gestoßen: Dieser Artikel ist äußerst lesenswert, denn er berührt explizit die Frage nach einer angemessenen Form des wissenschaftlichen Kongresses. Ein (um einige Hyperlinks ergänzter) Ausschnitt aus meinem Kommentar. Weiterlesen

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(Neu-) Ordnungen der Massenmedien.

Nach einer ebenso spannenden wie inspirierenden Diskussion, auf die ich bereits im letzten Eintrag verwies, habe ich heute einen Gastartikel bei den Bielefelder ↳Sozialtheoristen verfasst, der die aus meiner Sicht zentralen Aspekte der Diskussion (mittlerweile auf drei Artikel mit insgesamt 46 Kommentaren verteilt) bündelt.

[…] Aber mit dem Aufkommen des Computers und des Internets als neues Hauptverbreitungsmedium ist die Gesellschaft mit Überschusssinn konfrontiert, auf den sie in der einen oder anderen Weise zu reagieren lernen wird. Erste Anzeichen beobachten wir auf Ebene der Organisation, deren klassisch-hierarchischer Aufbau schon seit geraumer Zeit nicht mehr angemessen erscheint; dies gilt dann insbesondere auch für die Administration der Wikipedia, die unter dem Deckmantel der Selbstverwaltung an hierarchisierter Autorität festhält und damit ein Zentrum und die Möglichkeit von Steuerung suggeriert – was aber geschieht, wenn alle Mitglieder zugleich handeln? […]

Den kompletten Artikel gibt es ↳hier…

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Sind wir Zeugen der Ausdifferenzierung eines neuen Funktionssystems?


Diese Frage kann man sich nach der Lektüre von Stefans lesenswertem ↳ Artikel über fehlende externe Selektionsmechanismen der Wikipedia nicht ganz unberechtigt stellen. Das erfordert aber insbesondere die Herausbildung eines exklusiven Codes und ggf. entsprechender Programme. Solche Fragen (und viele mehr) werden gerade angedacht in der anschließenden Diskussion. ↳ Mitmachen!

Tags: #Computergesellschaft #Hauptverbreitungsmedien #Code #Programme #Wikipedia #Selektion…

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Computergesellschaft

computergesellschaft

Wir müssen in Voranschreiten der Analyse dezidiert Medien des Unterrichts und das symbolisch generalisierte Kommunikationsmedium des Erziehungssystems unterscheiden, viel genauer als dies bislang der Fall war. Systemtheoretisch bewanderten Lesern mag dieser Hinweis redundant erscheinen, er ist dennoch von größter Bedeutung; dieser Unterschied (der einen Unterschied macht!) muss mit notwendiger Trennschärfe betont werden. ((

Es gibt kein Medium „an sich“, sondern ein Medium immer nur in Relation zu einer Form. Der Begriff kann an dieser Stelle nicht hinreichend problematisiert werden, zur Orientierung mag die folgende Skizze dienen:

Das allgemeinste Medium ist Luhmann zufolge Sinn, als ein bestimmtes hinreichend unbestimmtes Medium zur Ausbildung temporaler Formen. Das Zusammenspiel von Medium und Form wurde im gleichnamigen Artikel sowie unter Trans-Formation ausgeführt. Dieser allgemeine Medienbegriff geht auf den österreichischen Gestaltpsychologen Fritz HEIDER zurück (vgl. ders.: Ding und Medium, Berlin 2005. Ursprünglich erschienen in: Symposion. Philosophische Zeitschrift für Forschung und Aussprache Jg. 1, H. 2, Berlin 1926, S. 109 – 157.). Wenn also allgemein vom „Medium“ die Rede ist, soll auf diese Konzeption Bezug genommen werden, konkret: Die Differenz von Medium/Form wird selbst zum Medium, in dem unterschiedliche Medium/Form-Differenzen verzeichnet werden können.

Demgegenüber sind symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien, ebenfalls in einem gleichnamigen Artikel behandelt, abzugrenzen. Diese generalisierten Erfolgsmedien erlauben durch ihre Codierung eine Vielfalt von Kommunikationen, die nun auch über den Kreis von Anwesenden (Interaktionssysteme) hinaus möglich sind. Sie sind exklusiv auf Kommunikation bezogen und dienen der Transformation von Unwahrscheinlichkeit in Wahrscheinlichkeit bei der Annahme von Kommunikationsofferten. 

Um den Medienbegriff weiter zu differenzieren, wenden wir uns nun den Verbreitungsmedien zu. )) Denn zu den bisher behandelten Medien gesellt sich nun auch noch eine dritte Art, die Verbreitungsmedien. Diese erweitern, ähnlich wie symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien, die Reichweite für Kommunikationen: Sie produzieren Überschusssinn und erreichen auch Personen, die (im strengeren Sinne von Interaktion) nicht physisch anwesend sind. Mit dem Computer tritt ein neues Verbreitungsmedium auf den Plan, mit noch unabsehbaren Konsequenzen für die Gesellschaft:

 „Wir haben es mit nichts Geringerem zu tun als mit der Vermutung, dass die Einführung des Computers für die Gesellschaft ebenso dramatische Folgen hat wie zuvor nur die Einführung der Sprache, der Schrift und des Buchdrucks.“ ((BAECKER, Dirk: Studien zur nächsten Gesellschaft, Frankfurt/Main  2007, S. 7.))

Hinter diesem Zitat steht die systemtheoretische These Niklas Luhmanns, dass jedes neue Verbreitungsmedium die Gesellschaft mit neuen und überschüssigen Kommunikationsmöglichkeiten konfrontiert. Für dieses neue „Mehr“ an Kommunikation reichen Struktur und Kultur einer Gesellschaft nicht immer aus,  so dass umwälzende Verbreitungsmedien entsprechende Modifikationen der Gesellschaftsstruktur erfordern und erwirken: Die selektive Handhabung des überschüssigen Sinnes kann auf Basis der etablierten Struktur und Kultur nicht mehr gehandhabt werden, das heisst Struktur und Kultur einer Gesellschaft müssen entsprechend angepasst werden.

„Die Einführung der Sprache konstituierte die Stammesgesellschaft, die Einführung der Schrift die antike Hochkultur, die Einführung des Buchdrucks die moderne Gesellschaft und die Einführung des Computers die nächste Gesellschaft.“ ((Ebd.))

In diesem Zusammenhang soll an dieser Stelle noch auf ein Fundstück hingewiesen werden, das den Zusammenhang zwischen Medien- und Stadtentwicklung visualisiert: Das folgende Video „Die Medienepochen der Stadt“ illustriert die zu Grunde liegende Idee mit Blick auf Stadtentwicklung sehr deutlich; die Animationen sind um Interviewpassagen mit Dirk Baecker ergänzt.


Die Grafik basiert auf dem Bild „Boxicity“ des flickr-Users Syntopia. Es unterliegt einer cc-Lizenz. Danke!