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Luhmann-Pop

anonyme-systemtheoretiker:

“Luhmann ist Pop”, schrieb unlängst die #Taz und machte die These an über 70.000 Klicks des #Zettelkasten-Videos auf YouTube fest. Als anonyme Systemtheoretiker meinen wir: Wenn schon Pop, dann richtig. Und haben ein paar angestaubte Ideen auf der Festplatte ausgegraben und für eine virtuelle Shirt-Kollektion aufbereitet. Bevor sich vermeintliche Puristen entrüsten: Neben seinem oft zitierten Bonmot vom Gag, der bekanntlich die Mittel heilige (Soziale Systeme, S. 459), ist folgender Ausspruch des Herrn Luhmann überliefert: “[Ich habe] das Bedürfnis, in jedes Buch mindestens einen Unsinn hineinzubringen. […] Ich will damit sagen, nehmt mich bitte nicht zu ernst oder versteht mich bitte nicht zu schnell.” (Interview in Horster: Niklas Luhmann, München 2005, S. 46). In diesem Sinne.

Mehr Lesenswertes zu Luhmanns Humor übrigens in einem Essay von Hans-Martin Kruckis (in Bardmann/Baecker: “Gibt es eigentlich den Berliner Zoo noch?” Erinnerungen an Niklas Luhmann), mehr zu den Shirts (ja, sie bleiben virtuell) bei Zeiten hier…

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Computergesellschaft

computergesellschaft

Wir müssen in Voranschreiten der Analyse dezidiert Medien des Unterrichts und das symbolisch generalisierte Kommunikationsmedium des Erziehungssystems unterscheiden, viel genauer als dies bislang der Fall war. Systemtheoretisch bewanderten Lesern mag dieser Hinweis redundant erscheinen, er ist dennoch von größter Bedeutung; dieser Unterschied (der einen Unterschied macht!) muss mit notwendiger Trennschärfe betont werden. ((

Es gibt kein Medium „an sich“, sondern ein Medium immer nur in Relation zu einer Form. Der Begriff kann an dieser Stelle nicht hinreichend problematisiert werden, zur Orientierung mag die folgende Skizze dienen:

Das allgemeinste Medium ist Luhmann zufolge Sinn, als ein bestimmtes hinreichend unbestimmtes Medium zur Ausbildung temporaler Formen. Das Zusammenspiel von Medium und Form wurde im gleichnamigen Artikel sowie unter Trans-Formation ausgeführt. Dieser allgemeine Medienbegriff geht auf den österreichischen Gestaltpsychologen Fritz HEIDER zurück (vgl. ders.: Ding und Medium, Berlin 2005. Ursprünglich erschienen in: Symposion. Philosophische Zeitschrift für Forschung und Aussprache Jg. 1, H. 2, Berlin 1926, S. 109 – 157.). Wenn also allgemein vom „Medium“ die Rede ist, soll auf diese Konzeption Bezug genommen werden, konkret: Die Differenz von Medium/Form wird selbst zum Medium, in dem unterschiedliche Medium/Form-Differenzen verzeichnet werden können.

Demgegenüber sind symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien, ebenfalls in einem gleichnamigen Artikel behandelt, abzugrenzen. Diese generalisierten Erfolgsmedien erlauben durch ihre Codierung eine Vielfalt von Kommunikationen, die nun auch über den Kreis von Anwesenden (Interaktionssysteme) hinaus möglich sind. Sie sind exklusiv auf Kommunikation bezogen und dienen der Transformation von Unwahrscheinlichkeit in Wahrscheinlichkeit bei der Annahme von Kommunikationsofferten. 

Um den Medienbegriff weiter zu differenzieren, wenden wir uns nun den Verbreitungsmedien zu. )) Denn zu den bisher behandelten Medien gesellt sich nun auch noch eine dritte Art, die Verbreitungsmedien. Diese erweitern, ähnlich wie symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien, die Reichweite für Kommunikationen: Sie produzieren Überschusssinn und erreichen auch Personen, die (im strengeren Sinne von Interaktion) nicht physisch anwesend sind. Mit dem Computer tritt ein neues Verbreitungsmedium auf den Plan, mit noch unabsehbaren Konsequenzen für die Gesellschaft:

 „Wir haben es mit nichts Geringerem zu tun als mit der Vermutung, dass die Einführung des Computers für die Gesellschaft ebenso dramatische Folgen hat wie zuvor nur die Einführung der Sprache, der Schrift und des Buchdrucks.“ ((BAECKER, Dirk: Studien zur nächsten Gesellschaft, Frankfurt/Main  2007, S. 7.))

Hinter diesem Zitat steht die systemtheoretische These Niklas Luhmanns, dass jedes neue Verbreitungsmedium die Gesellschaft mit neuen und überschüssigen Kommunikationsmöglichkeiten konfrontiert. Für dieses neue „Mehr“ an Kommunikation reichen Struktur und Kultur einer Gesellschaft nicht immer aus,  so dass umwälzende Verbreitungsmedien entsprechende Modifikationen der Gesellschaftsstruktur erfordern und erwirken: Die selektive Handhabung des überschüssigen Sinnes kann auf Basis der etablierten Struktur und Kultur nicht mehr gehandhabt werden, das heisst Struktur und Kultur einer Gesellschaft müssen entsprechend angepasst werden.

„Die Einführung der Sprache konstituierte die Stammesgesellschaft, die Einführung der Schrift die antike Hochkultur, die Einführung des Buchdrucks die moderne Gesellschaft und die Einführung des Computers die nächste Gesellschaft.“ ((Ebd.))

In diesem Zusammenhang soll an dieser Stelle noch auf ein Fundstück hingewiesen werden, das den Zusammenhang zwischen Medien- und Stadtentwicklung visualisiert: Das folgende Video „Die Medienepochen der Stadt“ illustriert die zu Grunde liegende Idee mit Blick auf Stadtentwicklung sehr deutlich; die Animationen sind um Interviewpassagen mit Dirk Baecker ergänzt.


Die Grafik basiert auf dem Bild „Boxicity“ des flickr-Users Syntopia. Es unterliegt einer cc-Lizenz. Danke!

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Womit beschäftige ich mich eigentlich?

Wer diese Frage kennt, aber die sehr empfehlenswerte Webapplikation „wordle.net“ noch nicht, dem sei diese wärmstens ans Herz gelegt. An prokrastinierten Tagen frage ich mich, womit ich mich beispielsweise in der letzten Zeit auf meinem systemisch-konstruktivistischen Blog „strange loops“ auseinandergesetzt habe und gebe unter wordle.net/create den aktuellen Feed (oder gleich die Adresse des Weblogs) ein. Die Anwendung errechnet eine Tagcloud der am häufigsten benutzten Worte, die im Anschluss umfangreich designed werden kann. Und gibt Überblick.

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study.log

studylog

Leider mangelt es mir gerade an Zeit, seltsame-schleifen.com in der gewohnten Regelmäßigkeit zu aktualisieren. Das traditionell arbeitsreiche Semesterende fordert seinen Tribut; und weil der nächste thematisch anschließende Beitrag der Beobachtungen von zentraler Bedeutung ist, soll er auch nicht übereilt veröffentlicht werden. Ich bitte meine Leser/innen um etwas Geduld, ab Februar wird der Veröffentlichungsmodus hier hoffentlich zum gewohnten Rhythmus zurück finden.

Nebenbei: Ein ganz praktischer Grund für die ungewohnt geringe Veröffentlichungsdichte hängt übrigens thematisch und praktisch ganz eng mit den Ideen dieses Blogs zusammen: Ich betreue nun und blogge über die nächste Entwicklungsphase einer Software namens „study.log“, einem kumultativen Knowledge Construction Tool, das am Arbeitsbereich Medien & Bildung/MultiMedia-Studio des Fachbereiches Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg von Prof. Dr. Torsten Meyer und seinen Mitarbeitern konzipiert und entwickelt wurde.

„Wissen ist ein prozessgebundener Systemzustand. Eine direkte Übertragung von Wissen aus dem einen Kopf in den anderen ist völlig unmöglich.“ (Torsten Meyer für das study.log-Team)

Das Programm bewegt sich irgendwo zwischen digitalem Zettelkasten, interaktivem (Lern-)Logbuch und ästhetisch visualisiertem Mind-Map-Tool und ist auf der Seite studylog.de kostenlos downloadbar. Die Nutzer können im Rahmen der kollaborativ konzipierten „nächsten Phase“ an der Weiterentwicklung des Tools partizipieren und studylog.de bildet in diesem Rahmen eine erste Kommunikationsofferte. Jeder (und insbesondere natürlich die Leser meines Blogs) sind herzlich dazu eingeladen, das Programm ausgiebig zu testen und an der Entwicklung von study.log Teil zu haben!

„Es sich um die einzigartige Möglichkeit, die zukünftige Entwicklung eines Wissenorganisationstools maßgeblich und ganz im Sinne eines „grassroots“-Konzepts mit zu beeinflussen: Das Programm ist „under construction – always beta“; alles andere wäre Zeugnis einer falschen Auffassung der Dynamik neuer Kommunikationstechnologien.“ (aus dem Initialbeitrag)


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„Ohne zu schreiben, kann man nicht denken…“

„… jedenfalls nicht in anspruchsvoller, anschlussfähiger Weise“, schreibt Luhmann. ((LUHMANN, Niklas: Kommunikation mit Zettelkästen. Ein Erfahrungsbericht, in:
 ders.:
 Universität 
als 
Milieu.
 Kleine
 Schriften, 
Bielefeld 1992, 
S.
53.
))

Ein etwas anderer Zwischenstand: Die vorliegende Grafik visualisiert die Korrelationen der Schlagworte, welche den Beiträgen dieses Blogs bisher zugeordnet worden sind. ((Auf einige weniger zentrale und einmalig genutzte Schlagworte wurde bei der Darstellung verzichtet.)) Das Zusammenfallen zweier Tags in einem Artikel wird durch wechselseitige Verbindungen repräsentiert; das Resultat ist eine erste Landkarte der bisherigen Beobachtungen.

Die Visualisierung basiert übrigens auf einem kleinen Open Source-Programm der Tufts-University mit dem Namen „Visual Understanding Environment„, kurz: VUE.