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Reality Exit

»Die Realität ist das, was man nicht erkennt, wenn man sie erkennt. Aber das heißt nun gerade nicht, daß es irgendwo in der Welt Sachverhalte gibt, die man nicht erkennen kann; und schon gar nicht in alter Weise, daß das Wesen der Natur geheim sei.«
(Niklas Luhmann: Das Erkenntnisprogramm des Konstruktivismus und die unbekannt bleibende Realität, in: ders: Soziologische Aufklärung 5. Konstruktivistische Perspektiven, Wiesbaden (3. Aufl.) 2005, S. 31 – 57, hier: 47.)

»Wenn ich annehme, daß ich die einzige Realität bin, dann stellt sich heraus, daß ich nur die Vorstellung von jemand anders bin, der seinerseits annimt, daß er die einzige Realität ist. Natürlich läßt sich dieses Paradox leicht dadurch auflösen, daß man die Realität der Welt postuliert, in der wir alle so glücklich blühen und gedeihen.«
(Heinz von Foerster: Über selbst-organisierende Systeme und ihre Umwelten, in: ders.: Wissen und Gewissen, Versuch einer Brücke, Frankfurt/Main 1993, S. 211 – 232, hier S. 216.)

»Draw a distinction.«
(George Spencer Brown: Laws of Form, Portland/Oregon, limit. Aufl. 1994, S. 3.)

Das Originalfoto “↳reality exit” des Street Art-Aktivisten ↳Mobstr ist in seinem ↳flickr-Stream zu finden. Der Mann ist freundlich und seine Arbeiten großartig.

6 Kommentare

  1. hallo.

    ich schreibe gerade eine arbeit über die verdichtung von intelligenz in der nächsten gesellschaft. minute 32 im interview, glaube ich. auf jeden fall macht intelligenz als medium zu denken viel spaß, aber an einer stelle komme ich nicht weiter, weil die moderne Kunst anders mit Intelligenz umgeht..ja.. und ich dachte, vielleicht fällt dir ja spontan was ein, wenn dir danach ist.

    kleiner textauszug aus „Gibt es ein System Intelligenz“ von Luhmann (in Meyers, 1992, Intellektuellendämmerung?)

    (achso und Intelligenz als unbeobachtbares Medium und Ideen, Problemlösungen … als beobachtbare Formen)

    Wenn und soweit diese auf sporadischen Eindrücken beruhende Beschreibung (als Beobachtung dritter Ordnung) zeittypische Trends im Sozialsystem Kunst wiedergibt, dann könnte sie belegen, dass auch das Kunstsystem mit Formen im Medium Intelligenz experimentiert.

    Die Paradoxie ist hier anders gelagert. Sie betrifft direkt das Beobachten selbst, das heißt: die Unmöglichkeit, die Unterscheidung in der unvermeidbaren Einseitigkeit ihres Gebrauchs zugleichals Einheit zu sehen.

    Im Beobachten invisibilisiert sich der Beobachter, invisibilisiert sich die Einheit der Welt.

    Was bleibt, ist dass die Unzulänglichkeit der Darstellung auf verschiedene Weise dargestellt werden kann. Und was bleibt, ist die Aufgabe, dafür künstlerisch überzeugende Formen zu finden.

    ??

  2. Die Idee, Intelligenz als (Erfolgs-) Medium zu beschreiben, stammt von Parsons. Luhmann hat auch darüber nachgedacht, konnte sich m. E. aber nicht zu einer entsprechenden Ausarbeitung durchringen. Baecker hat das dann getan („Erziehung im Medium der Intelligenz“), schau‘ einfach mal in mein anderes Blog. Dort findest du auch entsprechende Literaturangaben:

    http://www.seltsame-schleifen.com/2009/03/intelligenz-als-medium/

    Die Passage zur Kunst finde ich soweit recht plausibel; wobei Kunst ursprünglich ihr eigenes Medium darstellte, wenn ich das richtig erinnere (vielleicht schreibt Luhmann nicht zufällig von Experimenten im Medium Intelligenz).

  3. jap, danke. habe selbstverfreilich schon gelesen. .. immer noch keine ahnung, wie dieser abschnitt (Die Paradoxie ist hier anders gelagert. Sie betrifft direkt das Beobachten selbst, das heißt: die Unmöglichkeit, die Unterscheidung in der unvermeidbaren Einseitigkeit ihres Gebrauchs zugleich als Einheit zu sehen.) in realiter aussehen soll, aber deswegen versteht man ja vielleicht auch nicht, wie kunst zu stande kommt.. check und danke, cay

  4. Na der Satz ist doch total plausibel, für sich genommen: Im jeweiligen Treffen einer Unterscheidung muss die Grenze der Unterscheidung (also zwischen den beiden Seiten) überschritten werden, d.h. sie kann nicht in ihrer Einheit reflektiert werden, Dazu wäre eine weitere Beobachtung von Nöten (eben eine Beobachtung zweiter, dritter, vierter Ordnung – mit jeweils analogen blinden Flecken).

    Die Vorstellung einer Unterscheidung sollte nicht mit ihrem Treffen gleichgesetzt (d.h.: verwechselt) werden. Vgl. dazu auch http://www.flickr.com/photos/autopoiet/3938998972/

  5. Post Scriptum zur verlinkten Photographie:
    Wenn das Beobachten operativ als Handhaben einer Unterscheidung zur Bezeichnung der einen (und nicht der anderen) Seite verstanden wird, wird die Einheit der Differenz (eben durch die Asymmetrisierung) unsichtbar gemacht. Die Beobachtung zweiter Ordnung beobachtet dann die Beobachtung: Mit welchen Unterscheidungen operiert die Beobachtung erster Ordnung? Eine Unterscheidung kann niemals zugleich getroffen und beobachtet werden kann.

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